Flutkatastrophe in Altena

Grennigloher Weg: Hochwasser vernichtet zig Existenzen

Grenningloher Weg in Altena: Eine Woche ist das Hochwasser her: Noch immer sind die Schäden vor allem hinter den Häusern gewaltig.
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Grennigloher Weg in Altena: Eine Woche ist das Hochwasser her: Noch immer sind die Schäden vor allem hinter den Häusern gewaltig.

Den Grennigloher Weg in Altena hat‘s beim Hochwasser schlimm erwischt. Zig Häuser sind unbewohnbar. Ein Besuch in einer der am stärksten betroffenen Straßen.

Altena – Eine Woche nach der Hochwasser-Katastrophe sind die Schäden am Grennigloher Weg noch immer gewaltig. Die Geröllmassen haben für viele Totalschäden gesorgt. Ganze Wohnungseinrichtungen sind dahin. Die Straße ist immer noch unbefahrbar. Ein Blick vor Ort.

Inzwischen wurde ein Behelfsweg gebaut, über den die Feuerwehr im Notfall fahren kann. Der Grennigloher Weg selbst ist stark beschädigt, überall bröckelt der Asphalt. Neben den Häusern liegt Geröll, daneben stehen ganze Einrichtungen. Abgeholt werden kann momentan noch nichts. An einer Stelle ist die Straße abgesackt. Mit Flatterband ist die Stelle abgesperrt – befestigt an einem Bügelbrett.

Durchs Fenster ins Haus

Voll getroffen hat es Holger und Ute Kettenmann. Die Anwohnerin führt über die Geröllberge hinter das Haus. „Bis hierhin reichte der Schutt“, erzählt sie und zeigt auf die Hauswand. Bestimmt über zwei Meter hoch hatten Schlamm und Steine gestanden. „Wir sind durch die Wohnzimmerfenster ins Haus gegangen.“ Inzwischen wurde schon einiges weggebaggert.

Hochwasser in Altena und Nachrodt: Die Bilder am Donnerstag

Das Hochwasser und seine Folgen in Altena und Nachrodt
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Hochwasser in Altena und Nachrodt: Die Bilder am Donnerstag

Fast die ganze Einrichtung ist dahin – Wohnzimmer oder der Hobbyraum im Keller. Auch die Heizung ist hinüber. „Hier ist nichts mehr“, sagt Holger Kettenmann und deutet auf den riesigen Müllberg im Garten. Schränke liegen hier, Kisten, Teppiche, Waschbecken und so vieles mehr, was zu einer Einrichtung gehört. Immerhin die Küche habe das Hochwasser wohl überstanden, meint Ute Kettenmann.

„Man weiß nicht, wie es weitergeht“

Versichert sind die beiden nicht, wie sie erzählen. „Man weiß nicht, wie es weitergeht, aber es wird weitergehen.“ Glück im Unglück war es, dass Holger Kettenmann am Tag des Hochwassers noch das Wohnmobil retten konnte, das in der Rahmede abgestellt war. Um Minuten sei es dabei gegangen. Eigentlich wollten die beiden am vergangenen Wochenende in den Urlaub fahren. Immerhin hatten sie schon gepackt.

Jetzt wohnen sie in ihrem Wohnmobil, das am Bergheim parkt. Wie alle loben sie die Notunterkunft. „Die sind total toll“, spricht Ute Kettenmann den Helfern ein Lob aus. Medikamente seien besorgt worden, es würde drei Mal am Tag gekocht.

Aufräumen mit nassen Füßen

Seit einer Woche sind Danny und Nicole Lipinski ein Haus weiter dabei, aufzuräumen. Jeden Tag. Von morgens bis abends. „Mit nassen Füßen“, sagt Danny Lipinski. Jetzt heißt es: „Nicht den Mut verlieren.“ Am Mittwochmorgen sind die beiden dabei, die Terrasse aufzuräumen. Die wollten die beiden eigentlich gerade sanieren.

Grenningloher Weg in Altena: Danny und Nicole Lipinski räumen ihre Terrasse auf.

Vor drei Jahren hatte das Ehepaar das Haus am Grennigloher Weg gekauft. „Das Haus war in einem schlechten Zustand“, erklärt sie. Viel Arbeit – „ohne Handwerker“ – steckten die beiden hinein, um das Haus komplett zu sanieren. „Wir waren drinnen gerade fertig“, erzählt sie.

Haus gerade fertig saniert

Als nächstes hätten Arbeiten an der Terrasse angestanden. „Jetzt müssen wir wieder von vorne anfangen“, sagen die beiden. Erst drinnen, dann draußen. Erdgeschoss und Keller habe das Wasser komplett zerlegt, wie bei den meisten Häusern in der Straße. Im Obergeschoss sei noch einiges zu retten gewesen.

Untergebracht sind die beiden, wie viele andere Nachbarn, im Bergheim in Mühlenrahmede. „Zehn Sterne“, lobt Nicole Lipinski. Die Bewohner würden gut verpflegt. Es gehe allen – den Umständen entsprechend – gut.

Einrichtung voller Schlamm

Ein paar Meter weiter steht das Haus von Leonardo und Ursula Giordano. Auf seinem Handy zeigt er ein Bild, wie sich die Regenmassen zu einem reißenden Fluss entwickelt hatten und an seinem Haus vorbeigelaufen waren. „Ich lebe seit 55 Jahren in Altena. So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagt er. 22 Jahre wohne er am Grennigloher Weg. Jetzt stehe er bei Null.

Das große Aufräumen in Altena Teil 2

Das große Aufräumen nach dem verheerenden Hochwasser in Altena geht weiter.
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Ein Großteil der Einrichtung liegt voller Schlamm im Garten, darunter auch die neue Couchgarnitur. „Das Leben muss weitergehen“, wollen auch sie nicht den Mut verlieren. Immerhin: Ihr Haus war versichert. „Heute Nachmittag kommt der Sachverständige“, erzählt Ursula Giordano, die auch mit ihrem Mann im Bergheim untergekommen ist.

Bagger soll Bachbett niedriger legen

Den Helfern, die Tag für Tag freiwillig mit anpacken, könne gar nicht genug gedankt werden. „Das sind Engel“, bringt es Leonardo Giordano auf den Punkt. „Solche tapferen Leute habe ich noch nicht gesehen.“ Am Mittwoch haben sie Schutt entfernt, Keller geputzt, aufgeräumt – wie schon an so vielen Tagen zuvor.

Mit einem Bagger wird aktuell versucht, das Bachbett niedriger zu legen. Um gewappnet zu sein, wenn es wieder regnet.

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