In Graz gibt es schon den Aufzug durch den Berg

Blick nach Graz: Durch dessen Felsen läuft der Aufzug zum Schlossberg.

ALTENA ▪ Was kostet ein Aufzug durch einen Berg? In Graz (Österreich) findet man zumindest im Ansatz die Antwort auf diese im Moment in Altena viel diskutierte Frage. Dort gibt es einen solchen Aufzug bereits, er verbindet die Altstadt mit dem Schlossberg.

4,1 Mio. Euro hat sein Bau im Jahr 2000 gekostet. Wobei die Anlagen nicht ganz vergleichbar sind: In Graz sind 77 Höhenmeter zu überwinden, es gibt zwei Kabinen. In Altena ist nur eine geplant, die auch „nur“ knapp 70 Meter in die Höhe muss. Trotzdem rechnet das Fraunhofer-Institut in seiner Machbarkeitsstudie mit ähnlich hohen Kosten. Es geht von Gesamtausgaben von bis zu 4,2 Mio. Euro aus. 1,4 Mio Euro kosten danach die Tunnel- und Schachtarbeiten für den neuen Burgaufzug – das ist der höchste Posten bei der Schätzung der Baukosten. Die Verfasser der Studie schränken ein, dass hier die tatsächliche geologische Beschaffenheit des Felsens eine Rolle spielt. Der ist inzwischen untersucht und von Geologen als relativ undramatisch eingeschätzt worden – das teilt jedenfalls Roland Balkenhol, der im Bauamt für den Aufzug zuständig ist, mit.

Eine Million Euro

Reserve eingeplant

175 000 Euro wird dann der eigentliche Aufzug kosten. Er soll so beschaffen sein, dass er nach Ausbruch eines Brandes noch 90 Minuten funktionsfähig ist. Weitere Positionen sind die Ausschalung des Schachtes mit Beton (knapp 300 000 Euro), Belüftungs- und Brandschutzmaßnahmen (gut 200 000 Euro), der Abbruch des Übergangswohnheimes (200 000 Euro) und die Zugangstechnik mit Karten-Automaten und Drehkreuzen (50 000 Euro). 175 000 Euro kalkulieren die Fraunhofer-Experten für das Empfangsbauwerk im Tal ein.

Diese Posten summieren sich auf 2,5 Mio. Euro und sind damit weit entfernt von den Gesamtkosten in Höhe on 4,2 Mio. Euro, von denen die Fraunhofer-Studie insgesamt ausgeht. Das liegt daran, dass die Ausgaben für eine Reihe von Maßnahmen nicht ermittelt wurde. Das gilt zum Beispiel für Elektroarbeiten, mögliche Umbauten an der Remise auf der Burg  und die archäologische Begleitung der Baumaßnahme. Hier erfolgt lediglich eine „Abschätzung“, bis zu einer Million Euro könnten diese Maßnahmen kosten. Das ergäbe dann zusammen mit den konkreter geschätzten Ausgaben 3,5 Mio. Euro. Hinzu kämen Planungskosten in Höhe von 20 Prozent der Gesamtausgaben, also weitere 700 000 Euro. So kommt das Fraunhofer-Institut auf 4,2 Mio. Euro.

Jährliche Folgekosten von

410 000 Euro

Das sind die reinen Baukosten, in denen zum Beispiel die Ausgaben für die geplante multimediale Gestaltung des Zugangsstollens noch nicht enthalten sind. Stadt und Kreis gehen deshalb bei ihrer Kalkulation von deutlich höheren Gesamtkosten aus. In ihrer Regionale-Bewerbung ist von 5,7 Mio. Euro die Rede.

Und dann? Von alleine fährt der Aufzug nicht, sein Betrieb kostet Geld. Auch dieser Frage ist das Fraunhofer-Institut nachgegangen und hat in seiner Kalkulation jährliche Folgekosten in Höhe von maximal 410 000 Euro errechnet. Darin sind Abschreibungen und kalkulatorische Zinsen in Höhe von insgesamt 285 000 Euro bereits enthalten. Bleiben also 124 300 Euro für den reinen Betrieb – ein Betrag, den die Gegner des Projektes als viel zu niedrig ansehen werden.

Des Rätsels Lösung: Fraunhofer geht von sehr geringen Personalkosten aus – die Fahrkarten sollen am Automaten verkauft, der Lift ein Selbstbedienungsaufzug sein. Dadurch reichen nach Ansicht der Logistik-Experten 71 000 Euro für das Personal, die womöglich sogar an anderer Stelle noch eingespart werden könnten – ob man (wenn der Aufzug fertig ist) noch ein Kassenhäuschen auf der Burg braucht, wird nämlich von vielen Politikern bezweifelt. Sie weisen dabei auch auf im Grunde unzumutbare Arbeitsbedingungen in dem engen Raum im zweiten Burgtor hin.

150 000 Touristen müssten ihn benutzen

Selbst wenn die 410000 Euro reichen würden – dieses Geld muss irgendwo herkommen. Das Fraunhofer-Institut kalkuliert mit rund 150 000 Fahrgästen im Jahr und errechnet so einen Fahrpreis von etwa 2,70 Euro. Das liegt im Rahmen vergleichbarer Anlagen etwa auf Schloss Burg in Wermelskirchen, bleibt aber trotzdem einer der wesentlichen Knackpunkte – zurzeit besuchen etwa 60 000 Menschen im Jahr die Burgmuseen. Hendrik Klein, der nicht nur Pressesprecher, sondern auch Tourismus-Fachmann der Kreisverwaltung ist, erwartet allerdings durch den Neubau einen Anstieg der Besucherzahlen und bezieht sich dabei auf Ausführungen, die der Halveraner Busunternehmer Arndt Kattwinkel auf einem entsprechenden Workshop machte: Für Busse sei die Burg erst dann als Ausflugs-ziel interessant, wenn der Zugang verbessert werde.

von Thomas Bender

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