Verheerender Anblick

Fast so schlimm wie der Schwarzenstein: Dieses Hochhaus verfällt immer mehr

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Zerbrochene Scheiben, eine vergammelte Fassade - aus Richtung Nette sieht das ehemalige Graetz-Hochhaus schon schlimm aus. Noch verheerender ist der Anblick, der sich von der anderen Seite aus bietet.

Altena – Zerbrochene Scheiben, eine vergammelte Fassade - aus Richtung Nette sieht das ehemalige Graetz-Hochhaus schon schlimm aus. Noch verheerender ist der Anblick, der sich von der anderen Seite aus bietet.

Eigentlich darf man auf der Graetz-Straße nicht mehr bis zum ehemaligen Haupteingang fahren, aber die Absperrbaken sind längst beiseite geräumt. Dort, wo einst hunderte von Graetzianern morgens zu ihrem Arbeitsplatz eilten, bietet sich heute ein Bild des Jammers: Dutzende Fensterscheiben sind eingeschlagen worden, auch ganz weit oben - und das, obwohl das Gebäude mit Holzplatten massiv gesichert ist.

„Perspektivisch wird es abgerissen, aber es gibt derzeit keinen Zeitplan“, sagt auf Anfrage Britta Hölper, geschäftsführende Gesellschafterin der Firma Möhling. Altenas größter Arbeitgeber ist seit rund 20 Jahren Besitzerin der Immobilie. Erich und Fritz Graetz, Inhaber einer Berliner Firma, verlagerten ihr Werk nach dem Krieg nach Altena und bauten ganz oben in der Nette ein neues Werk.

Aus dem Familienbesitz ging es erst an SEL und dann an Nokia, die Finnen drehten in den 1980-er Jahren in Altena die Lichter aus. Etwas später kaufte dann die Firma Möhling die Immobilien. Die unten im Tal konnte man gut gebrauchen, um zu expanieren. Bis heute laufen dort die Maschinen des Herstellers von Verbindungselementen rund um die Uhr.

Mit dem Hochhaus wusste das Dahler Unternehmen allerdings zunächst nichts anzufangen und beschloss dann, die dort vorhandenen Räume für wenig Geld mehr oder minder gemeinnützigen Zwecken zur Verfügung zu stellen. Modelleisenbahner durften dort einziehen und die Judokas des Boxclubs, vor allem aber Künstler. Im Erdgeschoss hatte die Graetz-Werkstatt ihr Zuhause, in der zahlreiche Künstler wirkten - so der Kölner Maler Rhodrick Tayali und die heimischen Künstler Andreas Weische, Andreas Kroll, Andrea Zappe und Friedrich Fäsing.

Damals eine absolut angesagte Location

Das Graetz-Hochhaus galt damals als absolut angesagte Location. Die CDU Altena nutzte es im Jahr 1999, um Andreas Hollstein (damals noch ohne Doktortitel) zum Kandidaten für das Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters zu nominieren. Einen weiteren Höhepunkt in dem Gebäude erlebten kulturell und historisch interessierte Altenaer dann im September 2006. Damals eröffnete der Kulturring im Graetz-Hochhaus ein Museum auf Zeit, das an die Geschichte der Firma Graetz erinnerte - im etwas drahtlastigen Altena drohte sie etwas in Vergessenheit zu geraten.

Die Freude am Graetz-Hochhaus währte nicht ewig. 2009 (Dr. Rainer Hölper war  inzwischen verstorben) kündigte die Firma Möhling den Mietern  aus wirtschaftlichen Gründen. Das Dach war undicht, weitere Reparaturen standen an - auf bis zu 200 000 Euro schätzte die Möhling-Geschäftsleitung damals die notwendigen Investitionen, die sich niemals amortisieren würden. Im Gegenteil: Wegen der vielen Fenster waren die Heizkosten immens, tausende von Euro mussten zugeschossen werden. Von einem „Fass ohne Boden“ sprach Britta Hölpers.

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