Pommesbude schlägt Sternerestaurant

Auch bei Google hat die Burg viele  Fans. 

Altena – In ihrem neuen Programm geht die Comedian Carolin Kebekus auch dem Phänomen nach, dass auf Google inzwischen alles und jedes bewertet wird. Selbst eine mit den typischen orangefarbenen Sternchen versehene Bushaltestelle hat sie ausgemacht – von fünf möglichen bekam sie nur drei und die Rheinländerin fragt sich ernsthaft, ob sie an einer so schlecht bewerteten Haltestelle überhaupt noch ein- oder aussteigen sollte.

Eine Bushaltestelle mit Google-Bewertung gibt es in Altena nicht. Aber der Bahnhof hat Sternchen – 3,4, um genau zu sein. Über 200 Menschen haben sich die Mühe gemacht, ihre Meinung zum Bahnhof zu Papier beziehungsweise ins Netz zu bringen. Manche begnügen sich damit, kommentarlos ein bis fünf Sterne zu vergeben, andere begründen ihr Urteil mehr oder weniger ausführlich. „Aufzüge öfters mal defekt, sonst sauber und für eine Stadt wie Altena völlig ausreichend. Gute Busanbindung Richtung Lüdenscheid und Letmathe. Auch die Stadtbusse in Altena sind direkt zu erreichen“, schreibt ein „local guide“. So nennt Google Nutzer, die in erster Linie Dinge in ihrem Wohnort bewerten. Eine andere Rezension bewertet die Sauberkeit weitaus kritischer: „Man sieht leider, dass dort viele Leute sich keine Mühe geben, diesen sauber zu halten“. 

200 Bewertungen für einen Kleinstadtbahnhof sind übrigens ausgesprochen gut. Der in Werdohl wurde erst 12-mal bewertet, er bringt es ebenfalls auf 3,4 Punkte. Nur neun Nutzer äußern sich zum Bahnhof Letmathe, der magere 2,4 Punkte vorzuweisen hat. Wer Bahn fährt, der hat natürlich nicht die Qual der Wahl und die Google-Sternchen sind damit weniger wichtig. Wesentlich hilfreicher sind die Rezensionen, wenn es um die Suche nach einem Hotel oder einer Gaststätte geht – da ist es heute Standard, zunächst einmal zu schauen, was Google sagt.

 Beispiel Alte Linden in Dahle: Das Hotel kommt (wie auch das Hotel am Markt) auf 4,0 Punkte. Beide bilden damit die Schlusslichter unter Altenas Beherbergungsbetrieben, wobei die Kommentare sehr unterschiedlich ausfallen. „Sehr schönes Hotel. Tolles Zimmer. Essen war sehr gut und der Chef ist einmalig. Wirklich positiv“ schreibt einer, der nächste kritisiert: „Leider wirklich in die Jahre gekommen. Zimmer müssen modernisiert werden“. Für das Essen bekommt das Haus durchweg bessere Noten als für die Zimmer. Der benachbarte Gasthof Droste wird von 38 Rezensenten mit der Note 4,5 ausgezeichnet, der Gasthof Spelsberg bringt es auf fast 300 Rezensionen und die Durchschnittsnote 4,4. 

Es muss nicht immer Hotel oder Gasthof sein – immerhin ist die Jugendherberge eine Altenaer Erfindung und es lohnt sich deshalb, einen Blick auf deren Bewertung zu werfen. 104 Google-Nutzer geben ihr 4,4 Sterne. „Schlicht und in die Jahre gekommen, aber sehr sauber“ seien die Zimmer, lobt ein Besucher. „Wir fühlten uns alle sehr gut aufgehoben. Super liebes Personal“, schreibt eine Frau, die mit 37 Kindern auf der Burg zu Gast war. Übrigens: Das am Fuße der Burg gelegene Heim der Pfadfinder erhält von 13 Rezensenten 4,2 Punkte und 124 Nutzer bewerten das Bergheim in der Rahmede mit 4,6 Sternen. 

Wer reist, muss nicht nur schlafen, sondern auch essen und trinken. Ein Blick auf die Bewertungen von Gastronomen nicht nur aus Altena sind aufschlussreich. Tendenziell bekommt die eher niedrigpreisige Gastronomie mehr Punkte als die gehobene. Spitzenreiter ist in Altena das Mangal Evi an der Bahnhofstraße: Über 100 Rezensenten geben dem Grilllokal im ehemaligen Bahnhofshotel sagenhafte 4,9 Punkte. Das El Greco bringt es auf 4,8 Punkte und das noch recht junge „Stück Rind“ an der Rahmedestraße kommt auf 4,6. Die Gaststätte Pilling und das Zagreb heimsen 4,7 Punkte ein, 4,5 gehen an das Dalmatia und 4,3 Punkte an das Kuzina an der Lennestraße – was kein Grund zum Grämen ist, die Google-Sterne sagen nämlich nicht unbedingt was über Kulinarik aus. Das zeigt ein Blick nach Dorsten, wo das Edellokal von Frank Rosin mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet ist, es aber nur auf 4,3 Sterne bei Google bringt.

Das Highlight in der Burgstadt ist natürlich die Burg – auch und gerade bei Google, wo sie es auf über 2600 Bewertungen bringt. Zum Vergleich einige Zahlen anderer Ausflugsziele: Das Freilichtmuseum in Hagen erhielt bisher knapp 1700 Bewertungen und der Reichstag mit seinen drei Millionen Besuchern pro Jahr etwas über 6100. Da muss sich die Burg also nicht verstecken, auch wenn sie „Sternegiganten“ wie dem Kölner Dom (über 35 400 Bewertungen) oder der Elbphilharmonie in Hamburg nicht das Wasser reichen kann. Die Burg bringt es auf gute 4,6 Punkte. Der Museumsleiter Stephan Sensen liest natürlich immer wieder, was das Publikum zu seiner Burg zu sagen hat. Eine regelmäßige Auswertung oder gar eine Antwort auf Kritiken? „Dazu fehlt uns leider die Zeit“, bedauert Sensen. Wenn beim Studium der Internet-Kritiken allerdings Dinge auffielen, die sich ändern ließen, dann werde darüber im Team gesprochen. So was kann sich Kino-Chefin Nicole Güldner eigentlich schenken: 862 Bewertungen (Stand Donnerstag  Mittag) bringen die Traumnote 4,9. Gerade mal vier Nutzer vergaben im Laufe der Jahre nur einen Stern, drei davon ohne Begründung. Der vierte beschwert sich über unfreundliche Mitarbeiter und befindet sich damit im krassen Gegensatz zu vielen anderen, wie neben dem tollen Design des Kinos auch die Herzlichkeit des Teams hervorheben.

 Nett ist man aber auch woanders: „Immer freundlicher und unkomplizierter Empfang,“ heißt es in einer Bewertung des Amtsgerichtetes, mit dem sich bisher fünf Rezensenten befasst haben. Sie vergaben im Schnitt vier Sterne.  

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