Sechs Wochen lang selbst die Haare frisiert

Tag 1 der Öffnung: Schlange stehen vor dem Friseursalon

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Glücklich darüber, nach sechs Wochen wieder zum Friseur gehen zu können: Das gilt sowohl für die Kunden als auch für die Friseure. 

Altena/ Nachrodt-Wiblingwerde -  Als Burcu Gökmen am Montagmorgen nach sechs langen Wochen die Tür zu ihrem Salon im Stapel-Center öffnet, wird sie bereits sehnsüchtig erwartet. Viele Kunden stehen vor der Ladentür und möchten die Haare geschnitten haben. Doch alle, die keinen Termin haben, muss sie wieder wegschicken.

Die Wiedereröffnung war nur unter strengen Auflagen möglich – und dazu zählt unter anderem eine begrenzte Zahl an Kunden, die sich im Salon aufhalten darf.

Die erste Kundin mit Termin kommt. Die Mitarbeiterin bittet sie, ihre Hände am Eingang zu desinfizieren. Einen Mundschutz trägt sie bereits. „Die meisten haben schon einen dabei“, stellt Burcu Gökmen fest. Und das soll auch so sein. Für die Ausnahme hat der Salon allerdings auch Masken da.

Egal ob Frisieren, Schneiden oder Färben, zuerst müssen die Haare gewaschen werden. Der Einmalumhang wird übergezogen und losgeht es. Aber was soll gemacht werden? Das wurde zum Glück schon bei der Terminvergabe abgefragt, denn durch den Mundschutz fällt die Kommunikation schwer.

„Gut fühle ich mich mit dem Mundschutz bestimmt nicht. Aber wir müssen da jetzt durch. Es ist richtig, sich und die anderen zu schützen“, sagt Kundin Hildegard Stolz und ergänzt: „Wer schön sein will, muss leiden.“ Jede Woche suchte sie vor der Coronakrise den Friseur-Salon auf, um sich frisieren zu lassen. In den letzten sechs Wochen habe sie das nun selbst Zuhause versucht. „Jetzt bin ich glücklich, dass ich wieder kommen kann“, sagt die Seniorin.

Ganz ohne miteinander zu sprechen, geht es dann aber doch nicht. Hier und da ergibt sich immer mal wieder eine Frage. Beim Schneiden ist zum Beispiel noch zu klären, wie viel von den Haaren denn abgeschnitten werden darf. Und störend ist der Mundschutz des Kunden auch, wenn die Friseurin rund um das Ohr die Haare schneidet. Da muss sie besonders aufpassen. „Es ist sehr umständlich. Wir müssen uns erst einmal daran gewöhnen“, sagt Burcu Gökmen und meint damit nicht nur den Mundschutz, sondern allgemein die neuen Maßnahmen.

Aslan Gökmen vergibt derzeit die Termine im Salon Bodrum. Das ist neu für den Friseur-Salon, denn vor Corona wurde ohne Termin gearbeitet.

Ganz neu für die Friseurmeisterin und ihre Mitarbeiter ist auch die Terminvergabe. Wegen der Coronamaßnahmen dürfen nur noch Kunden mit Termin kommen. „Das ist für uns eine ganz schöne Umstellung. Wir haben sonst immer ohne Termin gearbeitet“, sagt Aslan Gökmen. Er ist der Ehemann der Inhaberin, hilft derzeit aus und kümmert sich darum. „Ich bin seit heute Morgen nur am Telefonieren“, berichtet er.

Für die erste Woche nach der Öffnung sind schon alle Termine vergeben und auch für die kommende Woche ist der Plan schon sehr voll. „Die Arbeit ist durch die begrenze Kundenanzahl nicht stressiger, aber es gibt einfach viel, was wir beachten müssen“, sagt Burcu Gökmen. Dazu gehört auch, dass die Kunden beim Bezahlen ihre Kontaktdaten hinterlassen müssen – für den Notfall. Nicht selten kommt es vor, dass jetzt, da wieder geöffnet ist, auch gleich der nächste Termin vereinbart wird. „Bis in drei Wochen dann“, sagt eine Kundin.

Terminvergabe kompliziert

Brigitte Urban eröffnet ihren Friseur-Salon in Nachrodt-Wiblingwerde erst heute, da sie, wie viele Friseure, montags geschlossen hat. Auch sie hat schon vor der Öffnung Sicherheitsvorkehrungen getroffen. So wurden zum Beispiel Stühle entfernt, damit zwischen den Kunden immer ein Platz frei bleibt. „Wir haben zwar eine Fläche von 100 Quadratmetern, aber wir haben so geplant, dass wir nicht mehr als vier Kunden gleichzeitig im Salon bedienen“, erklärt Brigitte Urban.

Direkt am Eingang hat sie Mundschutz-Masken, Handschuhe und Desinfektionsmittel bereitgestellt, wo sich die Kunden sonst an den Zeitschriften bedienen können. Denn die dürfen derzeit nicht mehr angeboten werden. Genauso wie Getränke.

Besonders viel Aufwand hatte Brigitte Urban in den letzten Wochen mit der Terminvergabe. Zuerst musste sie nach der Schließung alle Termine vorerst absagen – und die waren bis in den Mai schon vergeben. Mit der Meldung über die Wiedereröffnung musste sie sehen, welche Termine davon übernommen werden können, Nachholtermine für abgesagte finden und Neuanfragen koordinieren. „Bei einigen wurden die Termine mächtig verschoben. Aber es waren alle Kunden sehr verständnisvoll“, sagt sie.

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