Gleitschirmflieger besitzen ein Flugzeug in der Tasche / Szene ist am Hegenscheid verankert

„Über Neuschwanstein winken wir den Touristen zu“

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Am Dienstag reichte die Thermik nur für einen kurzen Ausflug über Altena. Manchmal kreisen die Piloten aber auch stundenlang über den Wäldern und genießen die Aussicht auf die Stadt. „Altena ist ein ganz beliebtes Ziel!“

Altena - Alexander Lenz hat nach zehn Minuten wieder festen Boden unter den Füßen. „Heute nur ein kurzer Flug!“ bedauert der Gleitschirmpilot aus Schwerte, der nur kurz nach Dietmar Scheler aus Evingsen zum Landeanflug auf dem Sportplatz am Pragpaul angesetzt hat. Wenn der Aufwind nicht mitspielt, dann sind die Ausflüge ins Sauerland nicht von langer Dauer. Oft haben die Freunde aber Glück, wenn sie zu einem Rundflug ansetzen. Bei guter Thermik kann er Stunden dauern.

Stephan Klaiß ist nur wenige Minuten nach Alexander Lenz und Dietmar Scheler am Pragpaul eingetroffen, um die befreundeten Piloten wieder mit dem Auto einzusammeln. Der Wuppertaler ist ein Streckenflieger und unternimmt mit dem „Flugzeug in der Tasche“ auch lange Reisen. „Über dem Schloss Neuschwanstein kommt man so nah an die japanischen Touristen dran, dass man in ihre Gesichter sehen und ihnen zuwinken kann. Leider erkennt man in den Altenaer Burgmauern aus der Höhe niemanden“, erklärt Klaiß lachend. Die Welt von oben sehen, das ist ein wunderschönes Hobby, erzählt Dietmar Scheler, der Mitglied im Aero Club Hegenscheid ist und oft von der Höhe aus startet. Die Reise beginnen könne man von jedem Punkt, wo Platz fürs Anlaufnehmen mit dem zehn Meter breiten Schirm sei. „Idealerweise wird das Gelände dann immer abschüssiger.

Alexander Lenz beim Falten seines Gleitschirms. Da ist Sorgsamkeit geboten, damit sich nichts verheddert.

Aber es ist ein Irrtum, dass man nur aus einer großen Höhe starten kann. In Holland gibt es Stellen mit so guten Windverhältnissen, dass eine acht Meter hohe Düne reicht, um genügend Aufwind einzufangen.“ Ob es sich lohnt, nach Altena zu fahren, checken die Nicht-Ortsansässigen fast täglich auf der Homepage des Altenaer Kreisblatts. „Die Webcam an der Redaktion gibt ganz gut Aufschluss über die Wetterverhältnisse.“ Bleibt der Wind gut, dann lässt sich der Schirm kilometerweit lenken. Stephan Klaiß als Streckenflieger weiß nicht immer, wo er dann rauskommt. „Man guckt sich sehr genau in der Luft um, wo man wieder runter kommen kann. Aber wenn keine Freifläche verfügbar ist, muss man auch mal mit einer Landung im Baum rechnen...“ Das allerdings komme selten vor. „Ebenso wie Unfälle. Motorradfahren ist gefährlicher“, erklären die drei Piloten. In der Luft können sie sogar miteinander kommunizieren. Entweder per Funk oder von Ohr zu Ohr, dafür hat der Helm ein Loch. Gehörprobleme durch entstehenden Höhendruck lassen sich mit zunehmender Übung schnell ausgleichen. „Man steigt langsamer auf, als in einem Flugzeug, der Ohrendruck beim Gleitschirmfliegen ist viel weniger stark“, schildert Stephan Klaiß.

Stephan Klaiß, Dietmar Scheler, und Alexander Lenz (v.l.) nach geglückter Landung am Sportplatz Pragpaul.

Gemein ist den Fliegern ein starker Rücken. Wer spontan fliegt ohne Rückfahrgelegenheit, der schleppt den Rucksack mit der 20 Kilo schweren Ausrüstung auch entsprechend viele Kilometer wieder zurück oder wuchtet sie in Bus und Bahn. Nicht nur die Fahrpläne des Nahverkehrs sind deshalb fester Bestandteil im Alltag der Flieger - auch der öffentliche Luftraum spielt eine Rolle für sie, seit Altena zur Einflugschneise des Flughafens Dortmund gehört. „Früher sind wir uns mit diesen Piloten nie in die Quere gekommen. Jetzt meiden wir diese Routen, denn man kann auch auf 1800 Meter kommen.“ All das lernt man während der Pilotenausbildung. Flugschulen gibt es unter anderem in Willingen, Elspe und in Siegen. „Wer Glück hat und bei günstigen Wetterverhältnissen den Schein macht, schafft ihn innerhalb eines Jahresurlaubs.“ Interessenten ohne Erfahrung können erstmal beim Aero Club Hegenscheid einen Tandemflug anfragen. „Da fliegt man Bauch an Bauch bei einem erfahrenen Piloten mit. Echt empfehlenswert!“ ermutigen die Piloten, ihr außergewöhnliches Hobby einmal auszuprobieren. Kontakt: http://www.air-hegenscheid.de.

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