Girls- und Boys-Day an der Schirrmann-Realschule

von Johannes Bonnekoh - ALTENA - Männer als Hebamme? – Kaum vorstellbar. Aber eine Hebamme bei jungen Männer, das geht, und wie. Im Rahmen des landesweiten Girls Days, also des Mädchen-Zukunftstages, war gestern Hebamme Diana May-Ganzwind zu Gast an der Richard-Schirrmann-Realschule. Aber eben nicht bei Schülerinnen, sondern bei 14 Zehntklässlern, die sich informieren wollten, wie der Alltag einer Geburtshelferin aussieht.

Die 30-Jährige, die selbst zwei Kinder hat, präsentierte den 16-Jährigen nicht nur ihren Hebammen-Koffer, eine kleine Badewanne, das Modell eines weiblichen Beckens und den Abguss eines Babybauches, sie zeigte den Jungs auch Zangen, Hörrohr und Bilder, um sie für das Thema Geburt einzunehmen.

Überraschung gelungen, denn gleich mit der Eisbrecher-Frage waren die „Herren der Schöpfung“ leicht überfordert: „Wer erinnert sich an seine Geburt?“, fragte die Frau aus der Hebammen-Praxis Altena und bekam beispielsweise von Jonathan die spontane Antwort: „An meine Geburt habe ich keine Erinnerungen.“ Was spaßig klingt, war es aber nicht. Denn behutsam und mit viel Fingerspitzengefühl informierte die Hebamme über ihren Beruf und verstand es, die 14 Schüler für sich einzunehmen. Sie durften sogar ein Baby – in diesem Fall eine sieben Pfund schwere Puppe – wickeln, wiegen, baden und lernten, sie richtig im Arm zu halten.

Schulleiter Heribert Hertel: „Wir gehen am Girls Day auch neue Wege für Jungen, haben einen eigenen Boys Day angegliedert.“ Der Pädagoge hält diese zwei Wege für Jungen und Mädchen „für sehr sinnvoll“, schnupperten fast alle seine 320 Schülerinnen und Schüler gestern irgendwie in die Berufswelt hinein. In einem Atemzug nannte Hertel dann auch die Betriebspraktika der Schule und wies für die kleinen Jahrgänge auf die gestrigen Projekttage hin. Ob Kochen für Jungs inclusive Einkaufen, ob Unterricht „typisch Mann, typisch Frau“, in den fünften Jahrgängen oder Chemie im Alltag für Mädchen der sechsten Klasse. „Ich nenne das Öffnung von Schule“, sagte der Rektor.

Erstmals in ihrem Leben auf einem Gerüst stand gestern Ann-Kathrin Schilling. Die Achtklässlerin war mit dem Werkstatt-Team von Jeromin & Bäumer, Tischlerei, unterwegs, und baute Rollläden-Kästen ein. „Interessant, ganz anders als Schule“, meinte sie vorsichtig. „Papa hat mir den Platz besorgt“, kam es eher vorsichtig aus der 13-Jährigen. „Ob ich mal als Tischlerin arbeiten möchte, weiß ich noch nicht. Heute jedenfalls ist es interessant, ich freue mich auch auf die Betriebsbesichtigung.“

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