Spektakel in Altena

Phantasien vom Mittelalter locken Zigtausende

Unterhaltung auf hohem Niveau boten die ritterlichen Reiter auf dem Turnierplatz an der Lenne.

ALTENA ▪ Die Regeln waren klar: „Kein Kratzen, kein Spucken, kein Beißen“, und eigentlich galten sie für das große Ritterturnier am Lennestrand. Doch auch tausende Burgstädter und ihre vielen auswärtigen Gäste feierten am Wochenende ein durchweg friedliches Fest unter der Devise „Altena – Eine Stadt erlebt das Mittelalter“.

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Im Mittelpunkt stand dabei der Turnierplatz auf der Lenneuferstraße, auf dem fünf tapfere Recken hoch zu Ross in den klassischen Ritterdisziplinen gegeneinander antraten: Sauhatz, Ringreiten, Bogenschießen und den Eisernen Roland drehen. Dem Ritter Burkhard von und zu Walde, dem der Alkohol das Hirn derart vernebelt hatte, dass er zunächst verkehrt herum auf seinem Pferd gesessen hatte, wurde dabei eine „Extragurke“ zuteil. Gesucht wurde „ein Suizidgefährdeter“ aus dem Publikum, der es allerdings glücklicherweise nicht in Windeseile ins Jenseits schaffte: Der Ritter schlug im Ritt die von einem tapferen Besucher im Mund gehaltene Gurke klein und bekam dafür seine Punkte.

Ernst wurde der Turniermeister, als der auch mundartlich ausgezeichnete Ritter August von Sachsen mithilfe eines kleinen Bestechungsgeldes den Ausgang des Turniers beeinflussen wollte. Immerhin war auch er wieder dabei, als die Ritter im großen Finale Mann gegen Mann antraten, Lanzen splitterten und die tapferen Recken aus den Sätteln flogen. Es siegte schließlich der große Sir Arthur of Essex. Der würdige Nachfahre von König Arthur zeichnete sich im Gegensatz zu einigen seiner Mitstreiter durch eine gewisse Würde und Eleganz aus.

Mittelaltermarkt auf Burg und Promenade

Glück hatten am Turnierplatz jene Besucher, die das Ganze aus der ersten oder zweiten Reihe verfolgen konnten, denn das Interesse sorgte für einen erheblichen Andrang am Turnierplatz. Die Recken, die mit viel Humor und exzellenten reiterischen Fähigkeiten aufwarteten, verdienten dieses Interesse uneingeschränkt.

Reges Treiben herrschte nicht nur am Turnierplatz: Die gesamte Stadt brummte am ganzen Wochenende: Mittelalterlich gewandete Menschen, die nichtsdestotrotz modernes Zubehör wie Handys auspackten, mischten sich mit Zivilisten des 21. Jahrhunderts, die bei hochsommerlichen Temperaturen eher eher knapp bekleidet waren. Jene beiden Gewittergüsse, die das bunte Treiben am Samstag unterbrachen, konnten den Spaß nicht trüben. Sobald der nasse Spuk vorbei war, füllten sich Burghof und Promenade wieder, und alles ging weiter, als wäre nichts geschehen.

Mittelaltermarkt Altena 2012

Mittelaltermarkt Altena

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Auch der etwas länger andauernde Regen am Sonntagmorgen konnte die Laune nicht verderben: Das Angebot ab den sonnigen Mittagstunden bot noch genug Gelegenheiten, den Spaß weitergehen zu lassen. Zudem mussten sich viele Besucher von den Strapazen des Samstagabends erholen: Da hatte es bis Mitternacht ein reichhaltiges und bestens besuchtes Programm mit einem Nacht-Ritterturnier, einer Feuershow, dem „Pipes Rock“ von Celtica und Fackelführungen in der Burg gegeben.

Viel Musik, eine sehr sehenswerte Vogelflugshow der Falknerei Pierre Schmidt aus Gümnich und eine riesige Budenstadt am Lennestrand komplettierten das reichhaltige Angebot: Fast alle bemühten sich redlich, das zu vermarkten, was schon im Mittelalter so oder ähnlich gegeben hatte. Kinder übten sich im Bogenschießen, und Wahrsagerinnen gingen ihrem zukunftsträchtigem Gewerbe nach.

Keine Frage: Das Treiben hielt, was versprochen worden war, und Altena zeigte sich von seiner besten Seite. - Thomas Krumm

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