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„Gewinnbringende Gesprächsrunde“: Flutopfer nehmen Beratungsangebot an

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Von: Maximilian Birke

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Bausachverständiger Jens Altenberger nahm sich viel Zeit und sprach mit den Betroffenen in Altena.
Bausachverständiger Jens Altenberger nahm sich viel Zeit und sprach mit den Betroffenen in Altena. © Maximilian Birke

Aufgestemmte Wände, leer geräumte Räume und ein moderiger Geruch: In dieser Atmosphäre, die passender kaum hätte sein können, fand am Mittwochabend eine Beratungsveranstaltung für Flutopfer statt.

Altena – Die Caritas hatte das Treffen im Gasthaus Pilling organisiert, zu dem als Referent der Bausachverständige Jens Altenberger aus Meinerzhagen eingeladen war. Etwa ein Dutzend Betroffener aus der Burgstadt nahmen das Angebot wahr.

Jens Altenberger hatte zunächst über die Fluthilfen des Landes Nordrhein Westfalen referiert und versucht, einige Unklarheiten zu beseitigen. Wann bekomme ich welches Geld? Welche Dokumente benötige ich? Was ist bei der Antragsstellung zu beachten? Diese und weitere Fragen versuchte der Ingenieur im Detail zu beantworten. Selbst er als Fachmann habe sich zunächst intensiv mit dem Thema Fluthilfen befassen müssten, sagte Altenberger.

Im Anschluss an seinen Vortrag entwickelte sich ein reger Austausch mit den Betroffenen. „Das hatten wir uns so gewünscht“, sagte Anke Moll, Mitglied des Beraterteams der Caritas und eine der Organisatorinnen, die am Donnerstagmorgen ein positives Fazit zog. Sie habe trotz der Betroffenheit eine große Solidarität und Gemeinschaft untereinander wahrgenommen.

„Es ist wichtig, für die Betroffenen auch im Einzelfall einen roten Faden reinzubringen“, betonte Moll. „Es sind relativ komplizierte Prozesse. Die Menschen müssen sich jetzt mit Sachen auseinandersetzen, mit denen sie sich vorher noch nie beschäftigt haben.“

Großes Thema war neben den komplexen Vorgaben für die Beantragung von Fluthilfegeldern die Aufarbeitung von Schäden mit Bausachverständigen und Versicherungen. Ebenso ging es um den Mangel an Handwerkern, der die Instandsetzung für einige Bürger zur Tortur macht. Ein Anwesender berichtete, dass er große Schäden an seinem Gebäude hat.

Weil er keine Handwerker findet, trete er in Eigenleistung und versuche, vieles selbst zu reparieren. „Das kollidiert allerdings mit den Vorgaben des Landes“, schildert Anke Moll. Betroffene, die selbst aktiv werden, können lediglich die Materialkosten geltend machen.

Eine Frau erzählte von mehreren Häusern, die ihr gehören und die Wasserschäden davongetragen haben. Altersbedingt sei sie nicht mehr in der Lage, viel selbst anzupacken. Auch bei ihr habe sich „das Handwerkerdilemma“ bemerkbar gemacht, mittlerweile hätten sich aber einige Betriebe gefunden.

Der große Berg an Aufgaben und das Gefühl, oft nicht wirklich voranzukommen: Das gehe vielen Leuten an die Substanz, schildert Anke Moll ihren Eindruck. Auch deshalb seien die Gesprächsrunde im Gasthaus Pilling und die Beratung durch den Fachmann wertvoll gewesen.

„Es ist wichtig, dass die Betroffenen wissen: Sie sind nicht alleine und sie müssen das auch nicht alleine wuppen“, so Moll. Jens Altenberger und das Beratungsteam der Caritas konnten vor Ort Ratschläge und Informationsmaterial an die Hand geben, sind für manche nun zudem wohl neue Ansprechpartner bei weiteren Fragen.

So wundert es kaum, dass nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung die Besucher noch etwa 20 Minuten im Gasthaus blieben, um sich weiter auszutauschen und im Vier-Augen-Gespräch Fragen an den Sachverständigen zu stellen. „Die Runde war glaube ich für alle Beteiligten sehr gewinnbringend“, fasste Anke Moll zusammen.

Sie kündigte schon an: Sollte sich zeigen, dass so eine Veranstaltung noch einmal gewünscht wird, werde man versuchen, eine Wiederholung zu organisieren. Flutopfer, die an einer Beratung interessiert sind, können sich bei der Caritas in Altena telefonisch melden unter 0 23 52 / 9 19 30.

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