Er sicherte sich eine Kracher-Domain

Zum 30. Geburtstag des Internets: Altenas Web-Visionär Antonius Gusik im Interview

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Büchereileiter Antonius Gusik war Altenas Internet-Visionär.

Altena - Heute vor 30 Jahren wurde das Internet erfunden. Antonius Gusik war einer der ersten Homepage-Betreiber von Altena und sicherte für die Bibliothek die Domain www.stadtbuecherei.org.

Im Gespräch erklärt er, warum er schon früh an den Erfolg des Internets glaubte und wie seine ersten Schritte in dieser virtuellen Welt aussahen.

Herr Gusik, unsere kleine Provinzbücherei hatte als erste die beste www-Adresse. Wie kam es dazu?

Ich hatte einfach ein großes technisches Interesse als privater Amateur-Funker. Auf das Internet war ich total neugierig, aber für uns schien es Anfang der 90er Jahre unerreichbar. Man musste da über ein Heim-Modem teure Nutzungsminuten bezahlen, das konnten wir uns nicht leisten. Aber ich wusste, dass es über die Fernuni Hagen die Möglichkeit gab, bezahlbar ins Internet zu gelangen. Die hab ich dann genervt und bekniet, uns einen Studentenzugang einzurichten. So sind wir an unsere erste Homepage gekommen. Als sich der Erfolg des Internets abzeichnete, hatten wir eine Netzwerkfirma aus Werdohl, die uns unterstützte. Durch diese Zusammenarbeit kam raus, dass die Domain www.stadtbuecherei.de noch frei war. Wir haben da natürlich zugeschlagen. Die erste Homepage der Stadt Altena ist übrigens auch durch die Bücherei entstanden.

Wieso waren Sie so sicher, dass dieses Internet einschlagen würde?  Zu Beginn Ihrer Vision hatte doch kaum ein Haushalt Zugang dazu... 

Ich war verrückt genug, es auszuprobieren. Zuhause hatte ich ein Modem und einen PC und habe mich mit einem anderen Amateurfunker live ausgetauscht beim Verschicken der ersten E-Mail. Das funktionierte! Wie genau, könnte ich heute nicht mehr rekonstruieren... Aber ich war bestärkt durch diesen Erfolg. Danach ging alles rasend schnell, das World Wide Web wurde bekannter. Und ich war schon stolz, dass Leute, die unsere Domain in die Adresszeile eintippten, bei uns landeten und nicht bei einer Großstadtbibliothek.

Haben die anderen nicht gemeutert? 

Nein, aber sie wollten nachziehen. Zuerst die Universitätsbibliotheken. In den Top 30 der ersten Büchereien mit Internetpräsenz waren nur zwei kommunale Büchereien vertreten. Eine davon waren wir. Und wir waren Vorreiter, nicht nur in Sachen Homepage, sondern auch im Aufzeigen von Recherchemöglichkeiten durchs Netz. Das haben wir vorangetrieben, waren Vorreiter. Mittlerweile sind wir aber abgehängt. Andere Einrichtungen machen viel mehr als wir...

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