Thorsten Schick: Arbeit im Stillen bringt mehr

+
Was ist los in Düsseldorf? Der stellvertretende AK-Redaktionsleiter Johannes Bonnekoh (links) im Gespräch mit Thorsten Schick.

Altena - Am 14. Mai 2017 wählten die Nordrhein-Westfalen einen neuen Landtag. An diesem Sonntag zog auch Thorsten Schick (CDU) als direkt gewählter Abgeordneter erneut ins Landesparlament in Düsseldorf ein. Seit dieser Zeit hat sich der 46-jährige Diplom-Kaufmann, gelernte Journalist und Lehrer im heimischen Raum eher rar gemacht – ein Eindruck, dem der CDU-Politiker aber vehement widerspricht. „Vielleicht gab es weniger öffentliche Auftritte, das heißt aber nicht, dass die Arbeit nicht weitergeht.“

Schick wurde von seiner Landtags-Fraktion zu einem von sechs Stellvertretern von CDU-Fraktionschef Bodo Löttgen gewählt und führt den Vorsitz im Ausschuss für Innovation und Digitalisierung. „Wir von der CDU/FDP-Fraktion verfügen in Düsseldorf nur über eine Stimme Mehrheit im Parlament. Da ist es eine meiner Hauptaufgaben, die Kollegen zusammen zu halten und auch dafür zu sorgen, dass, wenn abgestimmt wird, alle CDU-Leute an Bord sind.“

Entscheidungen auch für die Region

Die eigene Fraktion im Landesparlament habe sich enorm verändert, etwa zwei Drittel der Kollegen hätten erstmals ein Landtagsmandat inne. Ansonsten: „Es ist viel passiert in diesen neun Monaten. Politische Entscheidungen mit Gewicht sind gefallen oder wurden vorbereitet, auch für die Region oder speziell für Altena und Nachrodt-Wiblingwerde. Das spielt sich nicht immer in der Öffentlichkeit ab“, sagt er noch einmal im Hinblick auf sein öffentliches Auftreten im heimischen Raum.

Beispielhaft nennt er eine Reihe von Antrittsbesuchen, Firmenvisitationen, Schul-Kontakte, Behördentermine, Besuche von Vereinen und Verbänden, den Dialog mit vielen Entscheidungsträgern aus Wirtschaft und Politik - obwohl der Mann natürlich kein Unbekannter ist. Bereits von 2005 bis 2010 und dann ab 2012, nach den vorgezogenen Landtagswahlen, gehörte er dem Parlament am Rhein an.

Stichwort: Digitalisierung - schnelles Internet. Schick führt ins Feld, er habe insbesondere für die heimische Region „viele, viele Gespräche geführt“ und tue es noch, mit hochkarätigen Partnern von Telekom und Vodafone, um nur zwei große Netzanbieter zu nennen. „Da saßen schon die ganz großen Spieler am Tisch“, fügt er an.

Digitalisierung allein auf das Thema Breitband/Internet zu verkürzen, greift nach Ansicht von Schick nicht. „Das geht weit darüber hinaus.“ Und er nennt neben „allen Bereichen der Verwaltung, Industrie 4.0, das Bildungswesen und die medizinische Versorgung hier auf dem Land. Da ist kein Lebensbereich mehr ausgeklammert.“

Er wisse sehr wohl, dass beispielsweise die Stadtteile Evingsen und Dahle sehnlichst auf Förder-Bescheide gerade in Sachen Breitband-Ausbau warteten und könne versichern, „hier passiert auch etwas.“

Doch auch der Sektor private Verbindungen sei ein Feld, das er beackere. Ein Stichwort dazu: Die laufende Ausschreibung eines Bundesprogrammes Breitbandausbau, das im März in die Entscheidungsphase gehe. „Ich hoffe doch sehr, dass es dann genügend Interessenten für Altena und Nachrodt-Wiblingwerde gibt und wir zum Zuge kommen.“

Was die finanzielle Lage und damit die Beweglichkeit des Landes angeht, tritt Schick eher auf die Euphorie-Bremse. „Die Sünden der Vergangenheit sind nicht so schnell zu beheben. Wir haben einen ausgeglichenen Haushalt, aber wohl kaum große Mittel zum Verteilen.“

Rat und Verwaltung der Stadt Altena und der Kommune Nachrodt-Wiblingwerde bescheinigt der CDU-Landtagsabgeordnete einen guten Job zu machen im Sinne ihrer Bürger. „Die Zukunftsentwicklung des gesamten Raumes hängt daran, sie mitzunehmen.“

Besonders in den Blick nimmt er dabei die heimische Industrie. Er wolle nicht als Belehrer auftreten, doch sieht er gerade den industriellen Sektor mehr denn je gefordert. Dort müsse man sich neu für die Zukunft aufstellen, neu denken beispielsweise in Richtung digitalisierte Zulieferung. Er wünsche sich zudem Existenz-Gründer, die besonders in diesen Feldern neue Geschäftsmodelle entwickelten. Dazu gebe es auch von Landesseite viele Angebote. Leider sei es so, dass im Landesparlament quer durch alle Parteien häufig nur die Ballungsräume des Ruhrgebietes und das Rheinland in entsprechenden Ausschüssen mehrheitlich vertreten seien. „Doch auch wir sind Teil der digitalen Zukunft.“ Da stehe für ihn, aber auch für die Region und eben ihre Vertreter in den Parlamenten, eine Menge Arbeit an.

Beim Stichwort Mobilität seien Großstädte möglicherweise Vorreiter mit neu zu entwickelnden Modellen im Nahverkehr. „Da wird sich vieles vollständig verändern. Unser Raum darf nicht abgehängt werden und deshalb gibt es natürlich auch Gespräche mit der Märkischen Verkehrsgesellschaft, um nur eine zu nennen“, stellt Schick fest. Von den Ideen und Vorstellungen der Städte Soest, Iserlohn und Lippstadt, die an entsprechenden Landes-Modellprojekten beteiligt sind, könne schließlich Altena und Nachrodt-Wiblingwerde, vielleicht sogar der ganze südwestfälische Raum, einmal partizipieren.

Noch einmal zurück zu drängenden Aufgaben der nahen Zukunft wie dem Beseitigen maroder Straßen, fehlenden Medizinern auf dem Land, dem Umbau der Industrie: Sein Stil sei es nicht, Mitteilungen zu verfassen, dies und das habe die CDU oder er persönlich im Landtag für Altena oder Nachrodt-Wiblingwerde erreicht. Es sei doch die orginäre Aufgabe von Politik, zu entwickeln und zu gestalten. Und da brächte, das sei seine ganz persönliche Erfahrung, ein Arbeiten im Stillen oft mehr als alles in die Öffentlichkeit zu tragen.

Keiner will Neuwahlen

Abschließender Themenwechsel in die Bundespolitik: Und wie steht Thorsten Schick zur Gro-Ko oder möglichen Neuwahlen zum Bundestag. „Wer sollte an Neuwahlen Interesse haben“, kontert er und ist überzeugt, dass die SPD-Mitglieder sich für eine Große Koalition aussprechen. Perspektiven, dass Männer oder Frauen aus NRW dann an maßgeblicher Stelle im neuen Bundeskabinett oder den Ministerien mitwirken, beantwortet er eher ausweichend. „Wir haben eine Menge wirklich gescheiter Köpfe. Aber die CDU bekommt ja nur sechs Ministerien.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare