1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Altena

Gesperrte A 45: Neun von zehn Firmen betroffen - Standorte in Gefahr 

Erstellt:

Von: Hildegard Goor-Schotten

Kommentare

Über die L692 wird der zusätzliche Verkehr von der A45 ins untergeordnete Netz in Lüdenscheid geführt und abgeleitet. Durch die Sperrung ging der Verkehr auf der A45 stark zurück, wie eine Auswertung der Autobahn GmbH ergeben hat. Unten im Bild: Die Heedfelder Landstraße.
Der Stau und seine gravierenden Folgen für Unternehmen: Neun von zehn Firmen gaben bei der Umfrage an, von der Sperrung der Brücke betroffen zu sein. © Carsten Engel

Neun von zehn Firmen entlang der Lenne geben an, von der Sperrung der A 45-Brücke Rahmedetal betroffen zu sein. Ein Dutzend Betriebe fürchtet gar um den Standort. Der Arbeitgeberverband warnt: Die Tragweite der Folgen sind noch gar nicht erkannt woren.

Lennetal – Das A45-Disaster wird massive Auswirkungen auf die Region haben. Auswirkungen, die noch längst nicht von allen in ihrer gesamten Tragweite erkannt worden sind. Davon ist Horst-Werner Maier-Hunke, Vorsitzender des Märkischen Arbeitgeberverbandes (MAV), überzeugt.

Die dauerhafte Sperrung der Rahmedetalbrücke werde zum entscheidenden Hemmnis für die Entwicklung der Region, sagte er. Kein Wunder also, dass dieses Thema andere Risiken wie Lieferengpässe, hohe Energiekosten und Fachkräftemangel bei der Pressekonferenz zur Konjunkturumfrage des Verbandes etwas in den Hintergrund treten ließ.

A 45 gesperrt: Firmen verlieren Optimismus

Alljährlich befragt der MAV seine Mitgliedsunternehmen entlang der Lenne und im Norden des Märkischen Kreises, in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis zur aktuellen Geschäftslage. Die mehr als 100 teilnehmenden Betriebe äußerten sich insgesamt sehr positiv. Aber das war im November 2021.

Stellten die Ergebnisse der Konjunkturumfrage vor: Horst-Werner Maier-Hunke, Vorsitzender des Märkischen Arbeitgeberverbandes (MAV, l.), und MAV-Geschäftsführer Özgür Gökce.
Stellten die Ergebnisse der Konjunkturumfrage vor: Horst-Werner Maier-Hunke, Vorsitzender des Märkischen Arbeitgeberverbandes (MAV, l.), und MAV-Geschäftsführer Özgür Gökce. © Hilde Goor-Schotten

Eine Zusatzumfrage zum Jahreswechsel zeichnete ein bedrückendes Bild. Neun von zehn der teilnehmenden Unternehmen sind von der Autobahnsperrung betroffen, 38 Prozent sogar ausdrücklich stark. Ihren monatlichen Schaden beziffern sie auf bis zu 100 000 Euro, ein Fünftel verliert Aufträge oder Geschäftspartner. Ein Dutzend Betriebe kann laut Umfrage bereits jetzt nicht ausschließen, dass die aktuelle Situation den Standort des Unternehmens gefährden könnte.

A 45-Sperrung verschärft Fachkräftemangel

Horst-Werner Maier-Hunke nannte im Gespräch weitere konkrete Folgen der Sperrung: Speditionskosten werden sich angesichts längerer Fahrzeiten verteuern, feste Liefertermine könnten nicht mehr garantiert werden. Er gehe davon aus, dass Unternehmen wieder mehr Lagerkapazitäten aufbauen und sich Lieferketten neu ansehen. Der Fachkräftemangel werde sich wegen der Fahrzeiten für Pendler weiter verschärfen – ein Problem, dass der MAV-Vorsitzende auch für die Studentenzahl an der Fachhochschule Südwestfalen sieht.

Der entscheidende Faktor sei die Bauzeit einer neuen Brücke – und die lasse sich nur bedingt beschleunigen, meinte Maier-Hunke: „Wir können froh sein, wenn die übliche Bauzeit erheblich unterschritten wird.“ Er sei angesichts der komplexen Schwierigkeiten vorsichtig mit Forderungen, wie schnell das gehen müsse. Ebensowenig halte er davon, zu viel Druck aufzubauen, zu viele Vorwürfe zu machen. „Ich werbe dafür, gemeinsam voranzugehen und Lösungen zu suchen.“

Vor Sperrung positive Stimmung in den Unternehmen

Die braucht es schnell, damit der sich in der Konjunkturumfrage abzeichnende positive Trend Bestand hat. Denn trotz andauernder Pandemie und Hochwasserkatastrophe fiel die Einschätzung der befragten Unternehmen im November deutlich besser aus als im Vorjahr. 88 Prozent bezeichneten die aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedigend.

Ähnlich positiv wird die Auftragslage bewertet. Von Kurzarbeit waren nur noch 17 Prozent der antwortenden Unternehmen betroffen, im Vorjahr waren es 64 Prozent. 34 Prozent haben bereits neu eingestellt, 23 Prozent planten dies zum Zeitpunkt der Umfrage.

Arbeitgeberverband-Chef: Mehr ausbilden

Auch die Ausbildungsbereitschaft ist hoch: 89 Prozent der Unternehmen wollen gleich viel oder mehr ausbilden. Aktuell gibt es bei den mehr als 100 Teilnehmern 573 Ausbildungsplätze. Nicht zuletzt wegen der Autobahnprobleme ist für Maier-Hunke die Ausbildung Dreh- und Angelpunkt in der Frage des Fachkräftemangels.

„Da muss vielleicht auch mal ein Azubi mehr ausgebildet werden“, appellierte er an die Unternehmen. Der MAV will diesbezüglich noch stärker aktiv werden. „Ein großes Problem sind derzeit die Praktika“, erläuterte MAV-Geschäftsführer Özgür Gökce: „Es droht, dass wir auch in diesem Jahr wieder viele Jugendliche verlieren. Das darf nicht sein.“

Auch interessant

Kommentare