Neues Gutachten nötig

Geschichtsträchtiger Industriekomplex im MK kommt unter den Hammer 

Der Industriekomplex an der Rahmedestraße 75 bis 87 in Altena soll zwangsversteigert werden.
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Der Industriekomplex an der Rahmedestraße 75 bis 87 in Altena soll zwangsversteigert werden.

Ein großer Industrie-Komplex im MK, an dem Unternehmergeschichte geschrieben wurde, soll zwangsversteigert werden. Doch das Hochwasser machte dem Termin im Gericht einen Strich durch die Rechnung.

Wer die Rahmedestraße von Altena in Richtung Lüdenscheid entlangfährt, kommt unweigerlich im Bereich der Hausnummern 75 bis 87 an zwei Pförtnerhäuschen vorbei, die den Eingang zu einem riesigen rot-gelben Konglomerat von Industriegebäuden markieren. Die Anlage ist zwar kein Baudenkmal, doch es handelt sich um einen geschichtsträchtigen Ort.

An diesem Standort befand sich nämlich einst die Drahtzieherei von Wilhelm Berg, aus der sein Sohn Fritz „ein stolzes mittelständisches Unternehmen mit Zweigwerken in Berlin, Düsseldorf, Dresden, Frankfurt und München geformt hat“. So steht es auf der Homepage der Fritz-Berg-Stiftung, die in Altena ein Seniorenheim betreibt. Stahldraht, technische Federn, Fahrradspeichen mit Nippeln, Krankenbetten und Matratzen wurden in der Bergschen Fabrik hergestellt. Von 1949 bis 1971 war Fritz Berg der erste Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie.

Neues Gutachten wegen Flutschäden

Imposant sind die zwischen 1922 und 1963 errichteten Firmengebäude an der Rahmedestraße immer noch. Doch sie sind in die Jahre gekommen und machen ihrem derzeitigen Eigentümer offenbar vor allem Kummer: Denn eigentlich sollten die 17 888 Quadratmeter Nutzfläche auf einem 18 351 Quadratmeter großen Grundstück in dieser Woche im Amtsgericht zwangsversteigert werden. Details zu dem Besitzer des Areals und zu den Gründen für die Zwangsversteige sind nur dem Amtsgericht bekannt.

Doch dazu kam es nicht: Der Termin wurde aufgehoben. Bernhard Kuchler, Pressesprecher des Landgerichts Hagen und auch des Amtsgerichts Altena, nannte den Grund: Das Amtsgericht wird ein neues Gutachten in Auftrag geben, um mögliche Flutschäden abzuschätzen.

Verkehrwert von knapp 430.000 Euro - ohne Flutschäden

Denn der Rahmedebach verläuft unter dem Firmengelände, und schon ein Blick auf die teilweise beschädigte Deckelung der Rahmede deutet an, dass die Gebäude durch das Hochwasser Mitte Juli möglicherweise beschädigt worden sind. Das Rahmedetal hatte das Hochwasser schwer getroffen. Das neue Gutachten soll deshalb die Frage beantworten, ob Abschläge von dem bisher veranschlagten Verkehrswert von 429 315 Euro gemacht werden müssen.

Hochwasserfolgen in der Rahmede

Hochwasserfolgen in der Rahmede
Hochwasserfolgen in der Rahmede
Hochwasserfolgen in der Rahmede
Hochwasserfolgen in der Rahmede
Hochwasserfolgen in der Rahmede

Das bisherige Gutachten präsentiert eine komplexe Rechnung, an deren Ende diese Summe steht. Das Gelände ist mit mehreren Produktionshallen, zwei Pförtnerhäusern, Carport, Arbeiterwohnhaus, Büro und Trafo bebaut. Den Erhaltungszustand beschreibt das Gutachten fast durchweg als „mangelhaft“. Kaum etwas wurde renoviert oder gar modernisiert. Laut Gutachten gibt es „starke Durchfeuchtungsschäden an den Außenwänden“. Schimmelpilze fand der Gutachter allerdings nur in den Räumen 120 bis 124 einer Produktionshalle.

Mieter in dem Industriekomplex

Die Zählung lässt ahnen, dass man dort viel Platz für Produktionsanlagen oder diverse Hobbys hätte. Es gibt in den verwinkelten Räumen einige Mieter, die dort etwas lagern, produzieren oder Autos reparieren. Eine Zeitlang hatte auch der Secondhand-Laden „Stöberland“ eine Etage gemietet.

Ein Mieter berichtete im Gespräch mit unserer Zeitung von einem Brief der Hausverwaltung, der ihn über die anstehende Zwangsversteigerung der Gebäude informiert hatte. Er macht sich Sorgen um sein Mietverhältnis. Doch nun hat die Flut die Zwangsversteigerung zunächst ausgebremst.

Kein Termin für Zwangsversteigerung

Für einen neuen Anlauf zur Versteigerung der Bergschen Fabrik gibt es noch keinen Termin. Zuvor muss das umfangreiche Gutachten noch umfangreicher werden.

Der Komplex erstreckt sich übrigens fast bis zur Wacholderbrücke. Für einen Teil davon interessiert sich auch die Stadt. Sie hält diesen Bereich für einen geeigneten Standort für ein neues Gerätehaus für die Löschgruppe Rahmedetal, die bisher in Zum Hohle untergebracht ist.

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