Fast ein ganzes  Leben für das DRK

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Gertraud Schillo mit alten Zeitungsausschnitten über ihre Arbeit im DRK.

Als Gertraud Schillo vor einem Jahr mit ihrem Mann Hans Alfred in eine Seniorenwohnung in der Lüdenscheider Innenstadt zog, da mussten sich die beiden von manchen Dingen trennen. Der Ordner „DRK“ allerdings, der musste mit. Über Jahrzehnte hinweg hat Gertraud Schillo darin Zeitungsartikel über ihre Tätigkeit im DRK-Ortsverein Altena gesammelt.

Auf das Gespräch mit come on.de  hat sie sich gut vorbereitet und handschriftlich die wichtigsten Stationen ihrer stets ehrenamtlichen Arbeit beim Roten Kreuz dokumentiert. 1954 trat sie als 16-Jährige in die Hilfsorganisation ein, absolvierte Erste-Hilfe-Kurs, Sanitätsausbildung und den Lehrgang häusliche Krankenpflege. Ab 1960 war sie im Katastrophenschutz tätig, inklusive der Funkausbildung für Führungskräfte. Bis 1978 diente sie als Sanitäterin in der DRK-Bereitschaft.

 „Wir wurden damals ja noch ganz anders eingesetzt“, sagt sie und zeigt Bilder von Einsätzen bei Pockenschutzimpfungen und beim Saubermachen nach dem Großbrand im ehemaligen Johanniterkrankenhaus. Die Rot-Kreuz-Helferin ist darauf immer in adretter Schwesterntracht zu sehen. „Das war eine Arbeit, die Haube zu stärken und zu bügeln“, erinnert sie sich. 

1982 übernahm Gertraud Schillo dann die Leitung des DRK-Arbeitskreises Sozialarbeit. Das war eine verschworene Gemeinschaft von Frauen, die sich das ganze Jahr lang auf den großen DRK-Basar in der Burg Holtzbrinck vorbereitete. „Da verging kein Abend, an dem ich nicht vor dem Fernseher gestickt oder gestrickt habe“, erinnert sie sich. Die Handarbeiten der DRK-Frauen waren damals so begehrt, dass die Kunden schon lange vor der Eröffnung Schlange standen. „30- bis 40 000 Mark haben wir damals bei so einem Basar eingenommen“, sagt Gertraud Schillo. 

Im Laufe der Jahre ging das Interesse an den filigranen Handarbeiten zurück, die DRK-Frauen änderten ihr Sortiment: „Wir haben dann Marmelade und Sülze gekocht.“ Der Zulauf ließ mehr und mehr nach. Trotzdem nahm der Arbeitskreis Sozialarbeit im Laufe der Jahrzehnte auch in Euro gerechnet einen sechsstelligen Betrag ein. Ein Teil davon floss in die Kasse des Ortsvereins, mit dem anderen, größeren Teil wurde Gutes getan: Bis zu 120 Bedürftige und kinderreiche Familien wurden zu Weihnachten bedacht, die DRK-Frauen besuchten und beschenkten Senioren in den Pflegeheimen und organisierten Ausflüge für Rollstuhlfahrer. 

Zuletzt ging Geld an eine Familie aus Syrien. „Ihr Kümmerer hatte uns um Hilfe gebeten.“ Also bezahlte das DRK Kinderzimmer und Couch. Auch bei den Blutspendeterminen packten Gertraud Schillo und ihr Team mit an. Nach der Wende fuhren die Altenaerinnen wochenlang täglich nach Meinerzhagen und kümmerten sich um Aussiedler, die im dortigen Warnamt untergebracht waren. 

Teamarbeit sei die Arbeit stets gewesen, betont Gertraud Schillo und nennt Mitstreiterinnen wie Renate Kinzinger, Erna Gerdes, Annemarie Hesse und viele andere, die stets zur Stelle waren, wenn sie gebraucht wurden. „Da hat sich nie eine gedrückt“, lobt Gertraud Schillo. Ihre Freude am Ehrenamt sei letztlich auf diesen Zusammenhalt zurückzuführen. „Und wenn da wirklich mal ein kleiner Ärger war, dann habe ich das weggesteckt.“ 

2016 war schließlich Schluss: Es fanden sich keine Frauen mehr, die in die Fußstapfen von Gertraud Schillo und all den anderen treten möchten. „Das tut ein bisschen weh“, sagt die langjährige DRK-Funktionärin angesichts der Tatsache, dass die Krise des Ehrenamtes auch vor dem Roten Kreuz nicht Halt gemacht hat.

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