Nach Vorstoß von Vizekanzler Scholz

Gemeinnützigkeit von Vereinen: Frauenchor und Schützen bleiben gelassen - aus diesem Grund

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Die Altenaer Schützen sind zwar ein reiner Männerverein, dennoch würden sie nicht unter der Gesetzesänderung leiden.

Altena -Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) möchte das Gemeinnützigkeitsrecht ändern, reine Frauen- und Männergruppen könnten ihre Gemeinnützigkeit verlieren. Die Kritik ist groß, auch in Altena. Dennoch wären Frauenchor und Schützen nicht betroffen.

Scholz stößt damit bundesweit auf heftige Kritik. „Wir sind ein reiner Frauenchor. Aber nicht, weil wir Männer ausschließen. Das hat ausschließlich etwas mit der Stimmlage zu tun“, kommentiert Yvonne Gluth, Pressesprecherin des Evingser Frauenchors, diesen Vorstoß. „Uns sind natürlich auch Männer willkommen, gar keine Frage. Wenn sie denn in unseren Stimmlagen singen können“, fügt sie humorig an. Außerdem gebe es tatsächlich männliche Mitglieder im Verein.

Vorstoß "ein Papiertiger"

„Die führen wir unter fördernden Mitgliedern“, sagt das Vorstandsmitglied. Der Frauenchor muss also keine Restriktionen fürchten, sollte sich das Recht tatsächlich ändern. Die Schriftführerin des alteingesessenen Frauenchors hält das Vorpreschen des Bundesfinanzministers im Übrigen für eine Art „Papiertiger“.

Die engagierte Sängerin betont auch, was ihre Chorgemeinschaft für die Ortschaft und weit darüber hinaus leiste. „Es war und ist für uns erstrebenswert, vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt zu werden. Natürlich sind wir auf Spenden und damit Sponsoren angewiesen. Wenn wir denen nicht einmal mehr eine abzugsfähige Spendenquittung ausstellen können, sehe ich große Probleme“, sagt Gluth.

Frauenchor und Schützen bleiben "sehr gelassen"

„Sehr gelassen“ sieht Klaus Hesse, Hauptmann der Friedrich Wilhelms Gesellschaft, (FWG), den Vorschlag des nach seinen Worten „noch Vizekanzlers. Wir schließen Frauen generell nicht vom Vereinsleben aus. Im Gegenteil: Es ist uns wichtig, dass sie mitziehen, sie sind uns bei allen Veranstaltungen stets willkommen“, sagt der Schütze. Auch Hesse erinnert an die kulturellen Angebote der FWG und ihre Angebote „für die ganze Stadt, Männer wie Frauen“.

Man behalte die Scholz-Pläne im Auge und „bewahre ruhig Blut. Wir werden sehen, was passiert. Denn noch ist ja nichts auf den Weg gebracht.“ Zudem: In der Satzung der FWG befinde sich auch kein Passus, der Frauen ausdrücklich ausschließe. 

Freimaurer-Loge als Bezugsfall

Sollte in dieser Sache jedoch redaktioneller Nachholbedarf sein, werde man das entsprechend anpassen. Olaf Scholz, der auch für den SPD-Bundesvorsitz kandidiert, hatte mit seiner Idee zur Änderung des Gemeinnützigkeitsrechts Bezug auf eine Freimaurer-Loge genommen.

Der war 2017 ihre Gemeinnützigkeit entzogen worden, weil Frauen von der Mitgliedschaft ausdrücklich ausgeschlossen waren. Die Loge hatte geklagt und vor dem Bundesfinanzhof letztlich unterlegen. Damals hieß es, dass diese Entscheidung sich auch auf andere Vereine – etwa Schützen oder Frauenselbsthilfegruppen – anwenden lasse.

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