Geldwechsel kann zum kleinen Problem werden

+
Wechsele Fünfziger gegen Zehner und Zwanziger. In Altena gar nicht so einfach.

ALTENA Servicewüste Deutschland? Die Antwort ist in Altena ein eindeutiges Ja, zumindest wenn es um das simple Wechseln eines 50-Euro-Scheins geht. Das erlebte jetzt Gerda Jurzik in Dahle.

Aber, der Reihe nach: Kurz nach 9 Uhr erledigte die Frau bei Schlecker in Dahle einen kleinen Einkauf, wollte die wenigen Euro mit einem Fünfziger bezahlen. Die Kassiererin bat um Verständnis, dass sie diesen Schein nicht klein machen könne – jedenfalls nicht zum Dienstbeginn.

Gerda Jurzik akzeptierte und ging kurzerhand in die Filiale der Volksbank Dahle, legte ihren Schein vor und bat um den Wechseldienst. Aber nix da, weil sie keine Kundin der Volksbanken im Märkischen Kreis ist und natürlich keine Kundenkarte vorweisen konnte, wurde ihr Wunsch abgeschlagen. Schließlich half eine freundliche Verkäuferin der Bäckerei Timmermann.

Ist Geld zu wechseln also ein Luxus, den Banken nicht mehr nötig haben? Lavinia Heße, Abteilungsdirektorin Marketing bei den Volksbanken im Märkischen Kreis, Lüdenscheid: „Unsere Mitarbeiter haben die strikte Sicherheitsanweisung, keine großen Scheine bei Fremdkunden zu wechseln.“ Als Begründung nannte sie das stetig zunehmende Falschgeld, das meist über diese Stückelung in Umlauf gebracht werde. Jeder Volksbank-Mitarbeiter könne aber sehr wohl mit Fingerspitzengefühl und aus eigenem Ermessen auch anders handeln. „Unsere Kunden kennen wir. Wäre die Dame unserem jungen Mitarbeiter persönlich bekannt gewesen, hätte er sicherlich anders gehandelt“, bedauerte Heße den serviceunfreundlichen Vorgang im Nachhinein.

Obwohl die Deutsche Bank in der Kirchstraße keinen eigene Bar-Kasse mehr hat und Geldgeschäfte somit ausschließlich über Automaten laufen, musste zu einer entsprechenden Antwort zur Geldwechselpraxis die Zentrale gehört werden. Die kam in einer Dreizeilen-Mail von Christiane Lorch aus der Abteilung Communications Germany Press and Media Relations aus Frankfurt: „Der Wechsel von Banknoten ist in den Filialen der Deutschen Bank grundsätzlich auch für Nichtkunden gebührenfrei möglich.“

Roberto Ugolini von der Commerzbank musste abwinken. Ein Geldwechseln sei in Altena nicht möglich, weil das Bankgeschäft hier gänzlich automatisiert sei.

Und wie hält es der Marktführer am Ort, die Vereinigte Sparkasse im Märkischen Kreis? Holger Wolff, Pressesprecher: „Wir verfügen noch über offene Präsenzkassen und automatische Kassentresore. Ein gebührenfreies Geldwechseln ist jederzeit möglich.“ Einzig eine Einschränkung gibt es: Weil viele Bank-Mitbewerber am Ort gerne große Scheine ausgeben würden, verhalte man sich beim Wechsel „hier eher zurückhaltend.“

Hartgeld-Einzahlungen sind bei allen Instituten für ihre Kunden kostenlos möglich. Fremdkunden können ihre Euros und Cent aber nicht zu beliebigen Banken bringen. Volks-, Deutsche und Commerzbank nehmen sie nicht an. Nur die Sparkasse zeigt sich großzügiger. Weil der Vorgang aber sehr arbeitsintensiv ist, kostet das sieben Euro Gebühr.

von Johannes Bonnekoh

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare