Schuldnerberatung: Bedarf auf der Lenneschiene steigt

Mehr Menschen mit Geldsorgen

schulden_geld_papier
+
Schon bevor die Schuldenfalle zuschnappt, hilft die Awo-Schuldnerberatung Menschen, die in finanzielle Schieflage geraten sind. Und davon gibt es immer mehr, wie die Beratungsstelle feststellt.

Wegen der Corona-Pandemie ist auf der Lenneschiene und in Neuenrade augenscheinlich der eine oder andere Privathaushalt in finanzielle Schieflage geraten, weil durch Kurzarbeit oder gar Jobverlust das monatlich zur Verfügung stehende Einkommen die Ausgaben nicht mehr deckt und den Zahlungsverpflichtungen daher nicht mehr nachgekommen werden kann.

Altena/Nachrodt - Bei den Schuldnerberatungsstellen der Arbeiterwohlfahrt in Altena und Werdohl ist 2020 im Vergleich zum Vorjahr die Beratungsnachfrage angestiegen.

„Ja, der Beratungsbedarf steigt momentan stark an – und nach meiner Einschätzung wird sich das fortsetzen“, sagt Tom Höppner. Der 43-Jährige ist bei der Awo für die Schuldnerberatung in Altena, die auch für Nachrodt-Wiblingwerde zuständig ist, Ansprechpartner und zugleich für die Koordinierung der Schuldnerberatungen in Hagen und im Märkischen Kreis verantwortlich. Ziel der Awo-Schuldnerberatung ist es, ver- und überschuldeten Menschen Hilfe und Unterstützung bei der Bewältigung der finanziellen und sozialen Probleme zu gewähren und Perspektiven zu vermitteln. Die Schuldnerberatungsstellen der Awo sind von der Bezirksregierung als geeignete Stellen für die Verbraucherinsolvenzberatung anerkannt.

Anstieg bei den Kurzberatungen

In der Beratungsstelle Altena gab es bei den Kurzberatungen einen deutlichen Anstieg von 158 im Jahr 2019 auf 306 Beratungen im Jahr 2020, in der für Neuenrade, Plettenberg und Werdohl zuständigen Beratungsstelle in Werdohl wurde ein Anstieg von 238 (2019) auf 435 (2020) Kurzberatungen festgestellt.

Auffällig ist nach Höppners Angaben, dass insbesondere seit November 2020 mehr erwerbstätige Menschen auf Eigeninitiative bei den Schuldnerberatungsstellen um Rat suchen als vor der Pandemie. Erklären kann sich Höppner diesen deutlichen Anstieg in erster Linie mit den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie.

In besagten Kurzberatungen, die coronabedingt telefonisch geführt werden, geben die Schuldnerberater den Ratsuchenden „erste Tipps und Hilfestellungen“, wie Höppner sagt. Kurzberatungen dauern in der Regel nicht länger als eine Stunde, Kontakte zu Gläubigern sind nicht erforderlich. Kurzberatungen beinhalten Informationsweitergabe, Krisenintervention, Orientierungshilfen und bei Bedarf auch eine Bescheinigung für ein Pfändungsschutzkonto.

„Wegen Kurzarbeit beispielsweise können Kredite nicht mehr bedient werden. Die Leute haben dann Sorgen, wie es weitergeht“, sagt Höppner. Mietschulden, unbezahlte Telefonrechnungen, nicht bezahlte Warenlieferungen, Rückstände bei Versicherungsbeiträgen oder offene Forderungen des Energieanbieters sind einige der Gründe, warum sich die Betroffenen an die Schuldnerberatung wenden.

Höppner rechnet damit, dass einige Ratsuchende demnächst von der Kurzberatung in eine langfristige Beratung übergehen und auch die Wartezeiten – beispielsweise für die Verbraucherinsolvenzberatung – länger werden, als sie es ohnehin schon sind.

Ratsuchenden steht normalerweise auch einmal pro Woche eine offene Sprechstunde zur Verfügung, in der eine kurzfristige Erstberatung und existenzsichernde Maßnahmen bei drohender Wohnungskündigung oder drohender Einstellung der Energielieferungen möglich sind. Das gilt allerdings nicht in Zeiten der Corona-Krise, in der keine persönlichen Beratungen stattfinden können.

Ein Blick in den Schuldneratlas 2020: In dem im November veröffentlichten Schuldneratlas 2020 der Wirtschaftsauskunftei Creditreform gelten in Deutschland 6,85 Millionen Bürger als überschuldet. Die bundesweite Überschuldungsquote lag im November bei 9,87 Prozent, für Nordrhein-Westfalen wurde die Schuldnerquote mit 11,63 Prozent angegeben. Nach Angaben der Creditreform bewirke die Corona-Pandemie eine „zunehmende Polarisierung bei Einkommen und Vermögen“.

Die Schuldnerquote in den heimischen Kommunen im Überblick: Altena (15,93 Prozent), Werdohl (15,78), Plettenberg (11,42), Nachrodt-Wiblingwerde (10,37), Neuenrade (9,63), Balve (7,83), Herscheid (8,62).

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare