Geld von der Stadt bleibt aus: Tagesmütter streiken

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Tagesmütter haben  in Altena gestreikt.

Altena – Für Januar haben die 15 Tagesmütter in Altena noch kein Geld von der Stadt bekommen. Darum streikten einige am Montag. Sie beklagen weitere Probleme.

Ein Sturm im Wasserglas? Das meint Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein (CDU). Für die 15 vom Jugendamt bezahlten Tagesmütter hingegen war es der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. 

Nachdem ihnen ihr Geld für Januar nicht pünktlich überwiesen wurden, legten sie gestern für einen Tag die Arbeit nieder. Betroffene Eltern äußerten im Internet Verständnis. Auch für sie liegt bei der Betreuung durch Tagesmütter einiges im Argen, sie machen für die Versäumnisse das Jugendamt – und damit die Stadt Altena – verantwortlich. 

Bürgermeister entschuldigt sich

Von einer „emotional aufgeputschten Debatte“ sprach gestern der Bürgermeister: Weil die zuständige Mitarbeiterin erkrankt sei, sei den Tagesmüttern das ihnen zustehende Geld nicht überwiesen worden. Als das am Freitag aufgefallen sei, hätten Jugendamtsleiterin Agnes Goniwiecha und ihr Team sofort gehandelt und im Zusammenspiel mit der Kämmerei dafür gesorgt, dass das Geld am Montag angewiesen wurde. 

„Uns tut das schrecklich leid“, sagte Hollstein und versprach, dass die Stadt einspringen werde, falls die Tagesmüttern durch die verspätete Zahlung Überziehungszinsen zahlen müssten. 

Eine einmalige Panne also? Das sehen die Tagesmütter anders: „Es gibt schon seit Jahren Probleme. Es ist nicht so, dass die bei der Stadt nicht wüssten, dass wir stinksauer sind“, sagt eine der Betroffenen, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, und listet mehrere Probleme auf.

Monatelange Wartezeiten

Wenn eine Tagesmutter ein neues Kind aufnehme, dann dauere es in manchen Fällen Monate, bis das Jugendamt den damit verbunden Papierkram bewältigt und die Betreuung dieses Kindes bewilligt werde. So lange bekomme die Tagesmutter auch kein Geld für dieses Kind. Zwar werde später nachgezahlt, trotzdem sei es unbefriedigend, monatelang auf sein Geld zu warten. 

Umgekehrt sei es manchmal so, dass für Kinder, die (etwa wegen eines Wechsels in den Kindergarten) abgemeldet worden seien, noch längere Zeit Geld an die Tagesmütter fließe. 

Diese Mittel müssten dann zurückgezahlt werden, was für die Tagesmütter einen hohen bürokratischen Aufwand bedeute. Weil sie selbstständig sind, müssen sie sich selbst versichern und ihr Einkommen selbst versteuern. Das wird erschwert, wenn es zu solchen Schwankungen kommt. „Ich bin Tagesmutter, keine Buchhalterin“, sagte ein Betroffene. 

"Hauptsache, wir funktionieren"

Wenn es zu Fragen komme, dann werde damit „im Jugendamt oft nicht sehr freundlich“ umgegangen, schildern die Tagesmütter. Eine echte Zusammenarbeit sei nicht erkennbar. „Hauptsache, wir funktionieren.“ 

Wenn eine Tagesmutter krank werde, funktioniere die Suche nach einer Vertretung wegen der eingeschränkten Öffnungszeiten des dafür zuständigen Tagespflegebüros auf dem offiziellen Weg oft nicht. Die Tagesmütter müssten das dann untereinander regeln. 

Die schleppende Bearbeitung der Anträge wird nicht nur von den Tagesmüttern, sondern auch von einigen Eltern kritisiert. Es könne vorkommen, dass ihnen erst nach Monaten mitgeteilt werde, was sie zu zahlen hätten und dann auf einen Schlag relativ hohe Beiträge fällig würden. 

Ratenzahlung möglich

Das räumte Dr. Andreas Hollstein gestern ein. Allerdings wüssten Eltern, die ihre Kinder in die Betreuung geben, natürlich auch, dass dies Geld koste. Deswegen seien sie gut beraten, entsprechende Rücklagen zu bilden, so lange sie noch keinen Bescheid erhalten hätten.

Sollten in Einzelfällen die Nachzahlungen so hoch ausfallen, dass Eltern Probleme bekämen, dann lasse sich über eine Ratenzahlung sprechen. Hollstein räumt auch ein, dass es wegen personeller Engpässe im Jugendamt in der Vergangenheit zu Problemen kam. 

Mitarbeiterin hat gekündigt

Die Personalsituation in der Verwaltung sei nun einmal so angespannt, dass es nicht automatisch eine Vertretung gebe, wenn ein Mitarbeiter ausfalle. Im konkreten Fall hofft der Bürgermeister auf Besserung: Die Mitarbeiterin, die zuletzt für die Bezahlung der Tagesmütter zuständig war, hat zum Monatsende gekündigt. Die Stelle werde zeitnah wiederbesetzt, versprach er.

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