Der Geist geht, doch die Emotionen bleiben

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Sabine Kirchhoff vom Klinikum Lüdenscheid zeigte auf, wie schwierig der Alltag eines Demenzkranken sein kann. ▪

ALTENA ▪ „Vergessen... und was kommt dann?“ Anlässlich des zweiten Altenaer Demenztags hatte am Samstag das „Netzwerk für Demenz“ zu einer Informationsveranstaltung in das Ellen-Scheuner-Haus eingeladen. Betroffene, Angehörige und vor allem auch Entscheidungsträger aus dem Gesundheitswesen konnten sich über das Krankheitsbild informieren.

Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein begrüßte die Anwesenden und unterstrich, wie wichtig das Netzwerk sei, um sich mit dem Thema vertraut zu machen und Erfahrungen auszutauschen. Er sprach von einem ehrenwerten Ziel, welches sich das Netzwerk gesetzt habe.

Auch Martina Leo vom Kompetenzzentrum Demenz der Johanniter begrüßte die zahlreichen Interessenten und stellte kurz die Themen und die Referenten Jens Linderhaus und Sabine Kirchhoff vor.

Jens Linderhaus, der Chefarzt der Inneren Abteilung im St. Vinzenz-Krankenhaus ist, hielt einen Vortrag zum Thema „Wann ist es Demenz?“ Er zeigte mögliche Ursachen für eine Demenz auf, wie und woran die Krankheit zu erkennen sei und welche Möglichkeiten es gebe, die Krankheit aufzuhalten. Zunächst vergessen Betroffene kurz zurückliegende Ereignisse, sie haben Schwierigkeiten gewohnte Tätigkeiten auszuführen, Sprachstörungen können auftreten. Das Interesse an Arbeit, Hobby und Kontakten kann nachlassen. Schwierigkeiten sich in seiner gewohnten Umgebung zurechtzufinden und auch der Verlust des Überblicks über finanzielle Angelegenheiten können hinweise auf eine Demenzerkrankung sein. Später kommen Fehleinschätzungen von Gefahren und bislang unbekannte Stimmungsschwankungen hinzu. Auch andauernde Ängstlichkeit, Reizbarkeit und Misstrauen sowie hartnäckiges Abstreiten von Fehlern, Irrtümern oder Verwechslungen gehören zum Krankheitsbild und machen den Besuch beim Neurologen unumgänglich. Dieser stelle dann eine genaue Diagnose, um welche Form von Demenz es sich handele und könne unter gegebenen Umständen mit Medikamenten helfen und die Krankheit durch Medikamente aufhalten.

Sabine Kirchhoff vom Case Management im Klinikum Lüdenscheid beschrieb anschließend, was zu tun ist, wenn ein Demenzkranker ins Krankenhaus muss. Sie zeigte auf, dass es oft Kleinigkeiten sind, die beachtet werden müssen. Da könne ein Fieberthermometer schon als Angriff gewertet werden, genauso könne es auch passieren, dass Zäpfchen oder Seife gegessen werden oder ein Brot unter dem Kopfkissen landet. Auch Emotionsausbrüche wie heftiges Lachen oder Weinen seien da möglich. Wichtig sei in jedem Fall ein strukturierter Tagesablauf. Auch ein liebevoller ruhiger Umgang und Lob könne Betroffenen und Angehörigen helfen, den schwierigen Alltag zu erleichtern. Denn auch wenn der Geist gehe, Emotionen blieben erhalten.

Kirchhoff zeigte auf, was man als Angehöriger tun kann, wo Angehörige Hilfe bekommen und welchen Belastungen der Demenzerkrankte im Krankenhaus ausgesetzt ist: Irritationen, Verängstigung, erhebliche Stressbelastung, Bewegungseinschränkung und Störungen im Tag-Nacht-Rhythmus.

Neben den Vorträgen zum Thema und einem Workshop stellte Martina Leo auch das Netzwerk für Demenz in Altena vor, zu denen unter anderem auch das Stellwerk, die Diakonie, das St. Vinzenz-Krankenhaus, das Perthes Werk, die AOK, der Märkische Kreis, die Stadt Altena und die Kirchengemeinden gehören.

Pfarrer Dr. Dietmar Kehlbreier eröffnete den zweiten Altenaer Demenztag mit einer Andacht. Die Veranstaltung endete mit einem Abschlussgebet und einem gemeinsamen Lied. ▪ loe

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