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Geheimnisse und Besonderheiten des Weyhe-Parks entdeckt

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Von: Michael Koll

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Die Wege durch den Weyhe-Park bieten atemberaubende Aussichten. Am Sonntag begleitete Stadtführerin Regina Heiden Gäste durch das weitläufige Areal.
Die Wege durch den Weyhe-Park bieten atemberaubende Aussichten. Am Sonntag begleitete Stadtführerin Regina Heiden Gäste durch das weitläufige Areal. © Koll, Michael

„Komm, lass uns rausgehen!“ lautete das Motto des Tags der Gärten und Parks in Westfalen 2022. In Altena wurde dieses am Sonntagnachmittag ganz praktisch mit Führungen und Lesungen unter freiem Himmel in die Tat umgesetzt.

Stadtführerin Regina Heiden führte die Gruppen auf einem Rundweg um die Burg Altena und damit auch durch den Weyhe-Park.

Dieser ist selbst vielen eingefleischten Altenaern kaum ein Begriff, kein Wunder, hat er doch lange ein Schattendasein gefristet. Erst seit einigen Jahren wird er wieder ins Licht gerückt. Und er kann sich sehenlassen.

Am Hang und auf Fels gebaut

„Der Weyhe-Park ist im vielerlei Hinsicht ein ganz außergewöhnlicher Garten“, sagte Heiden gleich zu Beginn der mehr als zweistündigen Wanderung. Denn anders als andere Parkanlagen ist diese nicht eingezäunt. Sie ist zudem am Hang und auf Fels gebaut. Auch deshalb wurde der Weyhe-Park anfangs praktisch überhaupt nicht angenommen und geriet nahezu in Vergessenheit. Keine Springbrunnen und keine Blumenbeete prägen die Struktur des Parks, sondern verwunschene Ecken mit schattigen Plätzchen unter Linden.

Entstanden ist der Weyhe-Park zwischen 1843 und 1852. Der aus dem Raum Düsseldorf stammende Gartenarchitekt Maximilian Friedrich Weyhe hat ihn entworfen. Es war seine letzte Arbeit, die sein Sohn schließlich vollendete. Der Erschaffer des Parks war zu Beginn der Planungen bereits 69 Jahre alt. Heiden sagte: „Was er vorfand, war viel Felsen sowie wenig Humus.“ Was er daraus machte, brachte die Stadtführerin so auf den Punkt: „Die Wiederentdeckung der Natur war der Gegenentwurf zur damaligen Industrialisierung.“

Altenaer wollten Wiederaufbau der Burg, sie bekamen einen Park

Eigentlich wollten die Altenaer ihre zur Ruine verfallene Burg wieder aufbauen lassen. Doch König Friedrich Wilhelm IV. scheute die teure Investition. Als Entschädigung schenkte er der Bevölkerung diesen Park. Heiden aber wusste zu berichten: „Spaziergänge in einem Park waren seinerzeit nur etwas für Reiche. Die Armen hatten gar keine Freizeit für derlei Müßiggang.“

Die Menschen in Altena waren vielfach Drahtzieher und zumeist im Nebenerwerb Landwirte. Also rümpften sie die Nase über den Park, dessen Bau für die aber zugleich ein Segen war. Denn wenn im Winter die Wasserräder zufroren, war es ihnen nicht möglich, Draht zu produzieren. Also halfen sie beim Parkbau und überlebten so einige Winter ohne allzu große finanzielle Sorgen.

Vegetation kann sich ungehindert ausbreiten

Als die Gärten rund um die Burg dann aber fertiggestellt waren, pflegte sie kein Mensch. Denn flanierende wohlhabende Menschen gab es fast keine in Altena. Also verwilderte der kaum genutzte Weyhe-Park, die Vegetation breitete sich ungehindert aus. Expertin Heiden unterstrich: „Der Park schaffte, was zuvor keinem Angreifer gelungen war: Er hat die Burg vollständig eingenommen.“

Regionsschreiber Tobias Siebert gab Lesungen unter freiem Himmel im Park.
Regionsschreiber Tobias Siebert gab Lesungen unter freiem Himmel im Park. © Koll, Michael

Erst 1996 bahnte sich eine Wende an. Die Studentin Alexandra Weber, heute als Landschaftsgärtnerin beim Märkischen Kreis angestellt, schrieb eine Facharbeit über den Weyhe-Park und machte so die Bewohner Altenas auf das vor ihrer Nase befindliche Kleinod erst so recht wieder aufmerksam.

Erst 2015 wurde das Grün wieder zurückgeschnitten

Und doch sollte es bis 2015 dauern, dass das Grün wieder zurückgeschnitten und der Park somit freigelegt wurde. Jüngst wurde entlang der insgesamt zwei Kilometer langen Park-Wege ein Kinderspielplatz mit einem Holz-Wolf und zwei hölzernen Pferden erbaut, der kurz vor seiner Einweihung steht. Auch dieser neue Spielplatz soll dazu beitragen, dass das 30 000 Quadratmeter große Areal weiter an Bekanntheit gewinnt.

In einer der verwunschenen Ecken des Parks gab Tobias Siebert am Sonntag Freiluftlesungen. Er trug unter anderem eine Geschichte vor, in welcher sich einige Altenaer das Stapel-Center zu eigen machen. Sie errichten darin unter anderem eine Werkstatt, einen Club für Tanzwillige und eine Art übergroßes Wohnzimmer für Zusammenkünfte und gemütlichen Austausch.

Regionsschreiber lebt seit März in der Burgstadt

Im Gespräch mit den Weyhe-Park-Erkundern berichtete Siebert von seinen persönlichen Eindrücken, die er von Altena gewonnen hat. Der Regionsschreiber lebt erst seit März in der Burgstadt. Als Stipendiat des Literaturprojektes „stadt.land.text NRW“ kam der 29-Jährige ins Sauerland.

Der gebürtige Leipziger erzählte seinen Zuhörern, dass er nun wieder mehr wandern möchte. Das habe ihn der Aufenthalt im ländlichen Raum gelehrt. „Und vermutlich in fünf Jahren werde ich dann wohl ganz aufs Land ziehen und die großen Städte hinter mir lassen“, prognostiziert er.

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