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Herrschaftliche Villa oder alte Produktionsstätte?

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Von: Hildegard Goor-Schotten

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Viele Besucher kamen gern zur Hamelsrolle.
Viele Besucher kamen gern zur Hamelsrolle. © Goor-Schotten, Hilde

Herrschaftliche Stadtvilla oder alte Produktionsstätte? Wer wollte, konnte am Sonntag am Tag des offenen Denkmals sehr gegensätzliche Gesichter Altenas erleben. Auf den ersten Blick zumindest, denn inhaltlich liegen Stadtbücherei und Hamelsrolle gar nicht so weit auseinander: Bei beiden drehte sich früher einmal alles um den Draht.

Altena – Die beiden geschichtsträchtigen Gebäude standen auf der Liste der Altenaer Denkmäler, die ihre Türen für die Besucher öffneten. Um 11 Uhr konnten Büchereileiterin Babette Ossenberg und Architektin Dorothea Ossenberg-Engels in kleiner, aber sehr interessierter Runde zur ersten Führung durch die Villa starten. Ossenberg-Engels berichtete dabei aus erster Hand und sehr anschaulich mit Plänen und Fotos von Geschichte und Umbau des Gebäudes, war sie es doch, die die Sanierung Ende der 1980er Jahre betreute. Erbaut wurden die Häuser an der Marktstraße 14 und 16 in den Jahren 1754/55 als Lagerhäuser für Draht. Kleinkinderschule, Gaststätte mit Tanzsaal, Polizeiwache, Wohnungen, herrschaftliches Anwesen der Familie Schröder seit 1893 – die Nutzungen wechselten. Anfang der 1980er Jahre entgingen die beiden Häuser nur knapp dem Schicksal des gegenüberliegenden Stapels (auch das ein Draht-Lager), der kurz vorher abgerissen worden war.

Es gab viel Schutt und Schrott

1986 begann der Umbau zur Stadtbücherei. „Es gab hier viel Schutt und Schrott, Schimmel, Schwamm und Holzwürmer“, berichtete die Architektin: „Wir haben alles an Grässlichkeiten gefunden, was man sich vorstellen kann.“ Sie fand aber auch Erhaltenswertes wie den Kamin, die Holztreppe, dicke Außenmauern, Holzstürze an den Fenstern, die aufwendig saniert und integriert wurden. Die Kombination von Alt und Neu sei ihr sehr gut gelungen, urteilten die Besucher. Sie nutzten gerne die Gelegenheit, sowohl den beeindruckenden Veranstaltungsraum auf dem Dachboden wie auch den kühlen Gewölbekeller zu besichtigen. Dort plant das Büchereiteam mit der Einrichtung eines Escape-Rooms ein attraktives Angebot für junge Leute zu schaffen.

Hamelsrolle zieht viele Besucher

Weniger herrschaftlich, aber nicht minder interessant präsentierte sich die Hamelsrolle am Brachtenbecker Weg, die schon am Vormittag sehr viele Besucher anzog. Hausherr Volkmar Hache lud zu stündlichen Führungen ein, aber auch das Rahmenprogramm mit Kunst und Musik im schönen Garten fand großen Anklang. An die Drahtzieherei, die es dort seit 1689 gab, erinnert nur noch das Wasserrad und Ober- und Untergraben. Doch konnte Hache aufgrund seiner intensiven Nachforschungen genau berichten, dass an Stelle des Esstisches früher die beiden Ziehbänke standen und die etwas stärker verbrannten Deckenbalken in der heutigen Küche auf den Standort der alten Glühe hinweisen.

Sehr guter Zustand

1854 – die Drahtindustrie verlagerte sich Richtung Nette und Rahmede – wurde die eingeschossige Drahtrolle aufgestockt und zu Kettenschmiede und Wohnhaus umgebaut. Erst als Hache das Gebäude in den 1980er Jahren genauer untersuchte, stieß er auf die ursprüngliche Nutzung. Die Hamelsrolle ist heute die einzige der ehemals 14 Drahtrollen im Tal, die sich in einem so guten Zustand befindet – und nach 333 Jahren durch das Hochwasser gefährdet ist

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