Gegen das Licht ist kein Kraut gewachsen

ALTENA ▪ In Deutschland sei nicht geregelt, wie hell Leuchtreklamen sein dürfen – diese überraschende Mitteilung machte Bürgermeister Dr. Hollstein am Montag dem Rat. Er antwortete dort auf eine entsprechende Anfrage, mit der die Grünen auf Kritik aus der Bevölkerung am Sparkassen-Neubau reagiert hatten (wir berichteten). „Die Stadt hatte deshalb schlichtweg keine Einflussmöglichkeiten“, fuhr er fort. Man habe im Rathaus noch nicht einmal gewusst, wie hell das Licht scheinen werde. Das gehe aus dem Bauantrag nämlich nicht hervor.

Wie er selbst zur Beleuchtung steht, gab Hollstein (der auch Verwaltungsratsvorsitzender des Geldinstitutes ist) nicht preis. Er berichtete aber, dass der Sparkassen-Vorstand die Kritik ernst nehme. Als erste Reaktion werde das Licht jetzt um 23 Uhr abgeschaltet und deshalb im Sommerhalbjahr sicherlich weniger störend sein. Es werde außerdem geprüft, ob die Beleuchtung „mit vertrebarem Aufwand“ gedämpft werden könne.

„Damit wird ja den Bedenken der Anlieger Rechnung getragen“, sagte CDU-Sprecher Uwe Scholz, Irmgard Ibrom (SPD) freute sich, „dass die Sparkasse so schnell reagiert hat“. Weniger überzeugt war Dr. Rita Rüth (Die Grünen): Vor allem von auswärtigen Besuchern der Stadt höre sie immer wieder Kritik an dem grellroten Lichtband.

Hollstein zitierte ein höchstrichterliches Urteil, aus dem sich ergibt, dass Stadt und Anlieger auf das Goodwill der Sparkasse angewiesen sind: Das „Rücksichtnahmegebot“ verlange von Bürgern, die sich durch Leuchtreklame gestört fühlen, dass sie selbst und auf eigene Kosten Maßnahmen gegen die Störungen ergreifen – zum Beispiel durch den Einbau von Jalousien. So urteilte das Oberverwaltungsgericht Münster erst im Jahr 2007.

Deutlich wurde in der kurzen Debatte, dass über das Konzept für die untere Innenstadt noch Diskussionsbedarf besteht. Scholz jedenfalls sieht das „Krämerdorf“, von dem im Konzept 2015 die Rede ist, kritisch: „Altena hat nun mal keine historische Innenstadt“. Außerdem sei ja die neue Lennepromenade bewusst modern gestaltet worden – der Sparkassenneubau greife deren Formensprache auf und sorge für eine Lösung aus einem Guss, die ihm gut gefalle. Denn: „Die Aufenthaltsqualität am Markaner war noch nie so hoch“. Oliver Held von den Grünen fragte nach, ob sich der Neubau mit der für die Innenstadt geplanten, sehr restriktiven Gestaltungssatzung vertrage. Klare Antwort der Verwaltung war, dass die nur und ausschließlich für die Lennestraße gelte werde. ▪ ben.-

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