Link zur Petition und "Lost-Place"-Video im Artikel

Gefahr für Anwohner: Nettenscheiderin startet Online-Petition für Abriss der Hochhäuser

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Verrotten vor sich hin: Die Hochhäuser am Nettenscheid.

Altena – Eine Anwohnerin will, dass die maroden Hochhäuser am Nettenscheid endlich verschwinden. Sie startete eine Online-Petition. Doch es gibt ein Problem.

Als „Vanny K.“ hat eine Anwohnerin des Nettenscheids im Internet eine Petition gestartet, die den Abbruch der Hochhäuser fordert oder wenigstens deren dauerhafte, komplette Verbarrikadierung. Adressat der Petition ist Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein (CDU). 

Die Altenaerin nutzt für ihr Anliegen die Internetplattform change.org, die weltweit agiert und die in Deutschland von einem eingetragenen Verein betrieben wird. 

Nach eigenen Angaben ist change.org die weltweit größte Plattform dieser Art. Jeder kann dort Petitionen starten. Vanny K. tat das vor einer Woche, bis Mittwoch wurde ihr Anliegen von 75 Menschen unterstützt

Gegenstände in Gärten geworfen

Die Altenaerin begründet ihr Vorgehen damit, dass die Nettenscheid-Hochhäuser nicht nur einen unschönen Anblick böten, sondern inzwischen auch eineGefahr für die Bewohner der angrenzenden Häuser darstellten. 

Immer wieder landeten Gegenstände in den Gärten der Nachbarn, außerdem sei das Gebäudeinnere stark verschimmelt. Die Sporen gelangten nach außen, das stelle eine Gesundheitsgefahr für die Anlieger dar. „Der Geruch ist schon sehr extrem“, schriebt die Petitantin. 

Hier geht es zur aktuellen Online-Petition

Immer wieder habe sie sich an Stadt, Polizei und Presse gewendet, schreibt die Frau weiter. Der Erfolg sei überschaubar gewesen. Zwar habe die Stadt im vergangenen Jahr eine Firma damit beauftragt, die Zugänge mit Holzplatten zu verschließen, aber „leider nicht alle“, berichtet die Anwohnerin. 

Deshalb würden immer wieder Unbekannte in die Hochhäuser eindringen, die Gegenstände aus den Fenstern oder vom Dach werfen würden. 

Beliebter Lost Place

Tatsächlich gelten die Nettenscheid-Hochhäuser als „Lost Places“, also als verlassene Orte. Dafür gibt es eine Szene: Menschen dringen in solche Objekte ein, fotografieren oder filmen dort und stellen diese Bilder dann ins Internet. Auf Youtube finden sich mehrere solcher Aufnahmen, auch in einschlägigen Foren stößt man immer wieder auf den Nettenscheid. 

Die Frage ist, ob eine Petition wie die von Vanny K. etwas hilft. Der Verein change.org ist von der Wirksamkeit seines Handelns überzeugt. Er schreibt: „In einer modernen Demokratie sind Online-Petitionen ein äußerst wirkungsvolles Instrument.“ 

Allerdings ist solch eine Petition nicht bindend, der Bürgermeister muss dem Ansinnen auch dann nicht folgen, wenn es tausendfach unterstützt würde. Fraglich ist vor allem, ob die Stadt in Sachen Hochhäuser überhaupt handeln kann. 

Sie sind vor Jahren in Eigentumswohnungen umgewandelt worden, die damaligen Verkäufer lockten mit einer Vermietungsgarantie. Als Rechnungen nicht bezahlt wurden und die Stadtwerke Gas und Wasser abstellten, zogen die Mieter fluchtartig aus. 

Die 120 Einheiten, von denen nur noch vier bewohnt werden, gehören etwa 80 verschiedenen Personen – und über deren Eigentum kann die Stadt nicht einfach verfügen.

Zwangsabbruch nur bei Einsturzgefahr

Anders sieht die Sache aus, wenn Gefahr im Verzug ist: Wenn die Allgemeinheit durch den Zustand der Häuser zu Schaden kommen könnte, kann die Stadt Gefahren im Zuge einer sogenannten „Ersatzvornahme“ beseitigen. 

Deshalb konnte sie auch die Eingänge verbarrikadieren lassen. Ein Zwangsabbruch kommt erst in Frage, wenn akute Einsturzgefahr droht. 

Das war vor einigen Jahren im Schwarzenstein-Komplex der Fall, als dort ein unmittelbar an die B 236 angrenzendes Haus einzustürzen droht. Die Stadt ließ es abbrechen, auf den Kosten blieb sie sitzen. 

Diese Städte profitieren

Andere Kommunen sind besser dran: Am Dienstag begann in Duisburg-Marxloh der Abbruch einer Schrottimmobilie, an den Kosten dieser Maßnahme beteiligt sich das Land. 

Auch in Hamm verschwand mit NRW-Hilfe ein Hochhaus, in dem vorwiegend im Schlachthof beschäftigte Osteuropäer unter schlimmen Verhältnissen lebten. 

Gemeinsam mit neun anderen Kommunen sind Hamm und Duisburg an einem Modellversuch beteiligt, den das Land im Jahr 2017 startete. 50 Millionen Euro stellte es zur Verfügung, um Kommunen beim Erwerb und beim Abbruch problematischer Immobilien zu helfen. 

Altena wurde nicht in dieses Programm aufgenommen. Allerdings werden die Stadt und der Nettenscheid in einer Broschüre erwähnt, die das NRW-Heimatministerium 2019 zu diesem Thema herausgab.

Lesen Sie zum Thema auch:

Einen besonderen Polizeieinsatz gab es  am Nettenscheid

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