Britischer EU-Austritt rückt immer näher

Aus England stammender Wahl-Evingser vom Brexit nicht mehr betroffen

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Stolz präsentiert Nigel Warland seine Einbürgerungsurkunde.

Altena - Mitten in Altena vom Brexit betroffen: Nigel Warland wirkt unruhig dieser Tage. Den aus England stammenden Wahl-Evingser besorgt nämlich – wie viele andere seiner in Deutschland lebenden Landsleute – die Situation rund um den Brexit.

Doch selbst ist der Engländer: Um der Ungewissheit der Brexit-Folgen zu entgehen, ließ er sich am Montag mit neun weiteren Briten aus dem Märkischen Kreis einbürgern. Als Nigel Warland als britischer Berufssoldat 1972 nach Deutschland kam, war ihm nicht bewusst, dass er dauerhaft hier bleiben würde. Stationiert war er in Iserlohn. Dort verbrachte er insgesamt vier Jahre. In dieser Zeit hatte der stolze Brite eine Schicksalsbegegnung, die sein Leben völlig veränderte. Er lernte die gebürtige Evingserin Rita kennen – beide verliebten sich in einander und heirateten 1978. Heute sind Rita und Nigel Warland seit mehr als 40 Jahren glücklich verheiratet. 

Ausgerechnet der Brexit stellte ihre Liebe jüngst aber vor eine große Herausforderung. „Ich hatte durch den Brexit die Befürchtung, dass mir irgendwann im schlimmsten Fall die Ausweisung aus Deutschland drohen könnte“, sagt Warland, der sich in Evingsen durchaus heimisch fühlt. „Keiner kann die tatsächlichen Auswirkungen vom britischen EU-Austritt momentan wirklich abschätzen“, ist sich der 69-Jährige sicher. 

Und genau das zieht sich seiner Meinung nach wie ein roter Problem-Faden durch die Brexit-Geschichte: „Ich halte vom EU-Austritt Großbritanniens nichts. Ich wurde aber auch nicht gefragt. Beim Referendum waren Engländer, die im Ausland leben, nicht stimmberechtigt. Ich habe das Gefühl, dass die meisten im Vorfeld nicht richtig informiert worden sind. Sie haben sich von denjenigen beeinflussen lassen, die den Brexit unbedingt wollten“, bedauert der Evingser. 

Dass er persönlich davon betroffen sein könnte, dem hat er am Montag durch seine Einbürgerung vorerst einen Riegel vorgeschoben. Und dennoch lässt es ihn nicht ganz kalt. Zu viel Konfliktpotenzial sieht der 69-Jährige im Brexit: „Ich habe Angst, dass der Konflikt zwischen Nordirland und Irland wieder aufkeimen könnte. Außerdem sorge ich mich um die Beziehung zu Schottland, wo sich die Menschen immerhin deutlich gegen den Brexit ausgesprochen hatten“, sagt Warland. 

„Man kann definitiv Dinge an der EU kritisieren. Ich finde auch nicht, dass alles richtig läuft. Viele Länder investieren und profitieren von der EU – die einen mehr, die anderen weniger“, erklärt Warland, den vor allem das Ungewisse nervt: „Keiner scheint in der Lage zu sein, diesen Austritt möglichst geordnet über die Bühne gehen zu lassen. Viele Akteure, die sich so laut für die Trennung von der EU ausgesprochen haben, haben sich inzwischen vor der Verantwortung gedrückt.“ 

So ganz will Warland die Hoffnung auf einen EU-Verbleib seiner Heimat nicht aufgeben, auch wenn er die Chancen dafür schlecht einschätzt: „Vielleicht zögern sie es so lange heraus, bis es unter den Tisch gekehrt wird“, nimmt er es mit britischem Humor. Und wenn nicht, „dann werden es die Europäer, die ebenfalls Austrittswünsche hegen, als mahnendes Beispiel sehen.“

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