Stadtkämmerer Stefan Kemper erklärt Hintergründe

Pro-Kopf-Verschuldung in Altena steigt - aber nur aus diesem Grund

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Auch wenn die Statistik was anderes sagt: In der Reaalität sinken Altenas Schulden.  

Altena - Nur auf den ersten Blick alarmierend sind die Zahlen, die der statistische Landesbetrieb IT.NRW zur Finanzlage der Kommunen vorgelegt hat. Danach ist die Pro-Kopf-Verschuldung der Stadt Altena zwischen 2016 und 2017 kräftig gestiegen. „Aber das ist allein einer Veränderung bei der Systematik geschuldet“, beruhigt Stadtkämmerer Stefan Kemper.

Hintergrund ist nach den Worten des Fachmanns, dass die NRW-Statistiker bisher anders rechneten als die des Bundes und so nicht mit einander vergleichbare Werte ermittelt wurden – nicht gut in Zeiten, wo Rankings zwischen den Kommunen immer wichtiger werden.

Bisher flossen neben den im kommunalen Haushalt ausgewiesenen Schulden noch die der Eigenbetriebe in die Statistik ein – in Altena sind das beispielsweise der Bäderbetrieb und das Abwasserwerk. Zum Stichtag 31. Dezember 2016 summierten sich die Verbindlichkeiten auf knapp 92 Mio. Euro, was einer Pro-Kopf-Verschuldung von 5294 Euro entsprach.

„Jetzt fließen Schulden in die Statistik ein, die wir nicht gemacht haben und die die Kommune wenig bis gar nicht beeinflussen kann“, erklärt Kemper. Da gibt es zum Beispiel „anteilige Schulden der Extrahaushalte“, die mit 9,5 Millionen Euro zu Buche schlagen. Dahinter verstecken sich beispielsweise die Schulden des Kreises, die (rein statistisch, versteht sich) auf die Kommunen umgelegt werden.

Dann gibt es noch „Anteilige Schulden der sonstigen Fonds, Einrichtungen und Unternehmen“, die sich auf stolze 44 Mio. Euro belaufen. Dahinter verbergen sich nicht nur die Schulden der Eigenbetriebe, sondern auch die von Unternehmen, an denen die Stadt Anteile hält. 

Das sind zum Beispiel die Stadtwerke und die Enervie.  Unterm Strich führt das dazu, dass die Gesamtverschuldung der Stadt statistisch betrachtet um gut 23 auf 115,5 Mio Euro steigt und die aktuelle Pro-Kopf-Verschuldung mit 6740 Euro angegeben wird.

„Für mich sind in erster Linie die Schulden des Kernhaushaltes maßgeblich“, erklärt Kemper und verweist damit auf Zahlen, mit denen er durchaus zufrieden sein kann. Wies der Haushalt 2016 noch Schulden in Höhe von 70,3 Mio. Euro aus, so waren es ein Jahr später nur noch 65,8 Mio. Euro. 2018 und in den Folgejahren sollen die Schulden im Kernhaushalt weiter abgebaut werden. Das ist nicht selbstverständlich, zumal sich die gute Konjunktur in Altena nicht so positiv auf die Gewerbesteuereinnahmen auswirkt, wie Kemper das eigentlich erwartet hatte. Ein Blick auf die Zahlen der anderen Kommunen im Märkischen Kreis zeigt, dass nicht überall die in den Kernhaushalten ausgewiesenen Schulden sanken.

Herscheid, Kierspe, Meinerzhagen und vor allem Balve weisen Zuwächse aus. Nachrodt und Neuenrade melden einen etwa gleichbleibenden Schuldenstand. In den neun übrigen Kommunen geht die Verschuldung zurück – am deutlichsten in Lüdenscheid, wo innerhalb eines Jahres 26 Mio. Euro an Verbindlichkeiten abgebaut wurden. 

Mit Schulden in Höhe von 209 Mio. Euro im Kernhaushalt liegt Iserlohn im Kreis-Ranking unangefochten auf Platz eins, es folgen Lüdenscheid (104 Mio.), Menden (79 Mio.), Hemer (70 Mio.) und dann Altena mit 65 Mio. Euro. Musterknabe ist Neuenrade mit acht Mio. Euro Schulden.
Schaut man auf die nach den neuen Kriterien berechnete Pro-Kopf-Verschulung, dann liegt Altena mit 6740 Euro im Kreis weit abgeschlagen auf dem letzten Rang. Davor liegen Werdohl (4675 Euro) und Iserlohn (4055 Euro).

Es geht aber noch deutlich schlimmer: Mühlheim an der Ruhr hatte mit 11 320 Euro die höchste Pro-Kopf-Verschuldung, Hagen bringt es auf 8429 Euro. Den niedrigsten Wert im MK meldet Plettenberg mit 1299 Euro.

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