Geht‘s dem Aar bald an den Kragen?

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Keine Ente: Viel größer als der Piepmatz auf diesem Foto sollen Schützenadler zukünftig nicht sein. Das sieht eine Verordnung des Bundes vor. ▪

ALTENA ▪ Nehmen Schützenvögel als Symboltiere des heimischen Schützenwesens bald die Form einer Flunder ein? Vom stolzen Aar zum Plattfisch? Eine neue Verordnung des Bundesinnenminsteriums zum Betrieb von Schießständen enthält nach Beobachtungen aus dem Schützenwesen auch Auflagen, die Materialstärken für den Bau des Vogels vorschreiben - und damit letztlich auch sein Aussehen.

Für Diskussionen sorgt ein 118 Seiten starkes Werk des Bundesinnenministeriums. So üppig wie der Umfang auch sein offizieller Titel: „Richtlinien für die Errichtung, die Abnahme und das Betreiben von Schießständen.“ Eine kaum überschaubare Menge an Einzelheiten ist da geregelt – unter anderem, dass Feuerlöscher auf Schießständen so anzubringen sind, dass sie nicht weniger als 80 Zentimeter Abstand zum Boden haben.

Für die heimischen Schützenvereine wird es interessant beim Punkt 7.8, der die Ziele beschreibt. Da heißt es: „Die Ziele (z. B. Vogelziel) sind an einer zentralen Halterung mittig im Geschossfangkasten anzubringen.“ Wer hätte je einen Schützenvogel in der oberen linken oder unteren rechten Ecke des Kugelfangs montiert gesehen? Weiter heißt es in dem Berliner Papier: „Die Ziele müssen bei Beschuss mit Feuerwaffen aus astfreiem Weichholz (z. B. Tanne, Fichte) gefertigt sein und dürfen keine Metallteile enthalten.“ Und dann wird es spannend, denn es folgt eine Tabelle zum Punkt 7.8. Sie regelt „Materialdicken der Ziele für Vogelschießstände“. Je nach verwendetem Kaliber variieren diese Materialstärken. Für Flintenlaufgeschosse der Kaliber 12, 16 und 20 sowie für Großkaliber wird die größte zulässige Dicke der Tabelle genehmigt: Sie liegt bei 80 Millimetern. Dicke, wohlgemerkt, vom Durchmesser ist nicht die Rede. Zum Vergleich: Der Aar der Dahler Schützenbruderschaft misst nach Angaben von Hauptmann Jochen Frank an der stärksten Stelle derzeit rund 18 Zentimeter. Frank weiß das im Übrigen genau, denn er baut den Vogel seit Jahren.

Müsste sich die Form des Vogel also ellipsenartig verändern, um weiterhin eine gewohnt große Trefferfläche im Rumpf zu erhalten? Seltsame Vorstellung.

Den beiden Vorsitzenden der Schützenvereine in Dahle und Evingsen, Friedrich Wilhelm Appelhans und Friedhelm Winkel, ist von veränderten Auflagen zum Vogelbau noch nichts zu Ohren gekommen. Die Dahler Schützen wissen derzeit nur davon, dass sie Veränderungen am Kugelfang vornehmen müssen.

Für Evingsen geht der Vorsitzende Winkel davon aus, dass am Schießstand – zuletzt 2012 für drei Jahre abgenommen – bis 2015 alles beim Alten bleiben kann. Mit einer konkreten Aussage halten sich auch die Altenaer Schützen zunächst zurück. Hauptmann Klaus Hesse: „Wir wissen noch nicht, was auf uns zukommt.“ Es müssten Gespräche mit dem Adjutanten und dem Schießmeister geführt werden. ▪ Von Thomas Keim

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