Freigesprochen von den Sünden der Lehrzeit

Die Packer kannten keine Gnade mit den frischen Gesellen: Das kühle Lennewasser sollte ihnen jede Schandtat aus der Lehrzeit vom Leib waschen.  Foto: Hornemann

Altena -  Elf Junggesellen aus der Druck- und Mediengestalterbranche wussten am Samstag, was auf sie zukam. Ein Altgeselle im Publikum ahnte nicht, dass auch er nachträglich zum traditionellen Gautschfest auf Burg Altena angemeldet worden war. Und so landete ein volles Dutzend in dem Bottich voll Lennewasser.

Das Bad soll von den Sünden der Lehrzeit reinwaschen. Wer das Ritual nicht über sich ergehen lässt, dessen Bildschirm soll schwarz bleiben...

So sieht es das (ungeschriebene) Gesetz der Interessengemeinschaft „Traditionelles Gautschfest Hagen und Sauerland“ vor. Und auch die Industrie- und Handelskammer lässt es sich nicht nehmen, bei der letzten handwerklichen Freisprechungs-Zeremonie, die es überhaupt noch gibt, die Lehrbriefe an die jungen Gesellen zu vergeben.

Nach der rituellen Taufe kommt auch noch der schmückende Gautschbrief hinzu. Der Weg zu ihm allerdings ist kein leichter: „Schnappt sie Euch!“, rief Gautschmeister Johannes Kürten den Packern zu, die jeden Gautschling erst auf einen nassen Schwamm setzten und ihm Kopf und Füße wuschen. Fest umklammert an allen Gliedmaßen, ging’s anschließend hinein ins kühle Nass. Sehr ungehorsame Gesellen müssen damit rechnen, mehr als drei mal eingetaucht zu werden, bevor die Packer sie mit Schmackes ins Wasser platschen ließen. Die inneren Sünden spült noch im Becken ein Humpen Bier fort, der direkt nach der Taufe gereicht wird.

Regelmäßigen Beobachtern des Gautschfests wird im kommenden Jahr ein bekanntes Gesicht auf dem Podium fehlen: Johannes Kürten übergab das Amt des Gautschmeisters am Samstag an Dirk Schäfers. Milde hat aber auch von ihm kein Geselle zu Erwarten... - iho

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