1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Altena

Gautschfest auf der Burg Altena

Erstellt:

Von: Thomas Krumm

Kommentare

Bei der Taufe der Gautschlinge in einer großen Bütte ging es recht robust zu.
Bei der Taufe der Gautschlinge in einer großen Bütte ging es recht robust zu. © Krumm, Thomas

Symbolische Handlungen haben eine ganz eigene Kraft. Das gilt umso mehr, wenn ihre Ursprünge bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgt werden können.

Altena - Seit dem 16. Jahrhundert, also seit der Medienrevolution, die mit Johannes Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks verbunden war, werden Lehrlinge und Auszubildende dieses Handwerks nach bestandener Abschlussprüfung auf einen Schwamm gesetzt und/oder in einer großen Bütte ganz untergetaucht.

Seit 1985 findet dieses „Gautschen“ auf der Burg Altena statt. Am Wochenende war es wieder soweit: 21 Prüflinge aus jenen Berufen, die sich aus den Druckern und Schriftsetzern entwickelt haben, ließen sich von der zuständigen Interessengemeinschaft „Traditionelles Gautschfest Hagen und Sauerland“ symbolisch in den Status eines Gehilfen einführen. Heute tragen ihre Berufsbilder etwas andere Namen: Medientechnologe Druck und Mediengestalter.

Wohlwollende Ratschläge des Gautschmeisters

Gautschmeister Dirk Schäfers bereitete die Kandidaten mit wohlwollenden Ratschlägen auf die Pflege dieses Brauchtums und das Erlebnis des kalten Wassers vor: „Schreien Sie heftig, wenn Sie ins Wasser kommen. Das macht dem Publikum Freude.“ Nach dem prächtigen Einzug der Kandidaten hinter dem Ehren-Gautschmeister Johannes Kürten hielt der amtierende Gautschmeister Dirk Schäfers den Gautsch-Kandidaten „keine unnütz’ Predigt, sondern eigentlich eine Mahnung“.

Ehren-Gautschmeister Johannes Kürten geleitete die Gautschlinge in die Burg Altena.
Ehren-Gautschmeister Johannes Kürten geleitete die Gautschlinge in die Burg Altena. © Krumm, Thomas

Zunächst lobte er einen Berufsstand, der sich seines historischen Herkommens und des immensen Fortschritts in diesem Berufsfeld gleichermaßen bewusst sein müsse. „Wir sind der einzige Berufsstand mit einer Jahrhunderte alten Sitte eines Aufnahmerituals in den Gehilfenstand. Historisches Herkommen und progressiver Fortschritt sind vereinbar.“ Er erklärte, warum die Gehilfen trotz bestandener Prüfungen noch keine vollwertigen Mitglieder dieser beruflichen Gemeinschaft, sondern „Kornuten“ („Gehörnte“) sind. „Vor dem Paradies gibt es immer noch das Fegefeuer – eine Reinigungs- und Büßerphase, das Gegautschtwerden.“

Taufe zur Abwaschung von Sünden

Eine solche Taufe zur Abwaschung von Sünden verlangte nach einer Erklärung: „Die Teilhabe am Berufsleben in der Medien- und Druckindustrie verlangt seit Alters her das notwendige Ablegen von Unarten und das Reinigen von Vergehen, die Ihr euch im Laufe eurer Ausbildungszeit habt zu Schulden kommen lassen. Und kommt mir nicht mit faulen Ausreden daher – die haben eure Ausbilder drei Jahre lang von euch anhören müssen!“

Dann wurden alle 21 einzeln aufgerufen. Zur Gewinnung von Wissen über die Delinquenten wurden deren Ausbilder befragt. Die Zeremonie wurde den Verfehlungen entsprechend angepasst. Zu Werke ging zunächst ein Schwammhalter, der die Gautschlinge auf und mit einem Schwamm schon mal auf die richtige Temperatur brachte. Dann gingen die vier Packer ans Werk: „Sie sind Meister ihres Faches“, lobte Dirk Schäfers seine Helfer. „Sie werden euch Kornuten behutsam vom Schemel ins große Nass hinübertragen. Ihr taucht ein, entsündigt euch dort unten, und taucht hoffentlich auch wieder auf. Das Fass mit weich gummiertem Rand ist gut gefüllt aus sauerländischem Urquell, rein und klar und wohl temperiert.“

Ehren-Gautschmeister Johannes Kürten geleitete die Gautschlinge in die Burg Altena.
Ehren-Gautschmeister Johannes Kürten geleitete die Gautschlinge in die Burg Altena. © Krumm, Thomas

Es wurde geschrien und gequiekt

Tatsächlich war das Wasser wohl recht kalt. Geschrien oder gar gequiekt wurde allerdings nur ausnahmsweise. Die Gautschlinge bevorzugten es, ihre Tapferkeit unter Beweis zu stellen.

Auch interessant

Kommentare