Der Grieche geht, der Inder kommt

+
Frisch gestrichen und mit indischen Wandbehängen dekoriert hat Gul Khan den Speisesaal der ehemaligen Ritterschänke. So bald wie möglich möchte er das Afra Haus eröffnen.

Altena - Neues aus der Innenstadtgastronomie: Im Frühjahr verabschiedet sich „El Greco“ Tolidis Pashalis aus der Lennestraße und zieht in die Räumlichkeiten der Bäckerei Weiss am Knerling. Zudem wird die Ritterschänke wiederbelebt: Gastronom Gul Khan hat den Wohn- und Geschäftskomplex gekauft und eröffnet dort das indische Agra Haus.

Tolidis Pashalis erntet viel Kopfschütteln, wenn er Kunden von seinem Fortzug berichtet, doch es sei unter den bestehenden Bedingungen nicht möglich, seinen griechischen Imbiss in der Innenstadt fortzuführen: „Mein Vertrag wurde zu den bestehenden Konditionen nicht verlängert, auf die neuen konnte ich mich nicht einlassen“, erklärt der Altenaer.

„Klar, dieser Ort war ein Filetstück mit der Publikumsfrequenz. Im kommenden Jahr mache ich am Knerling weiter, dort stellen wir uns aufgrund der räumlichen Gegebenheiten auch etwas anders auf. Das wird dann im Stil eines American Diner aufgezogen und zwei mal in der Woche gibt’s dann Frühstück. Glücklich bin ich über die Parkplätze direkt vor dem Haus und die Länge des Pachtvertrags: Ich konnte mir direkt zehn Jahre zusichern lassen.“

Für Tolidis Pashalis und seine Frau ist es der mittlerweile vierte Umzug in 15 Jahren. „El Greco“ startete als Mini-Imbiss auf der Ecke Moden Neuhaus und zog anschließend in den ehemaligen Apothekenstandort auf der Ecke am Stapelcenter. Später folgte der Umzug in die Lennestraße. „Der Kredit, den ich für die Ladeneinrichtung hier aufgenommen hatte, läuft im Januar erst aus. Es wird fast ein nahtloser Übergang in die nächste Investition“, erklärt Tolidis Pashalis lachend. Er blickt positiv in die Zukunft.

Das macht auch Gul Khan, dessen Karriere in der deutschen Gastronomie bemerkenswert ist: Im Jahr 2000 kam der gebürtige Pakistani nach Deutschland und wurde prompt eines der „Kinder vom Bahnhof Zoo“, wie er lachend berichtet: „Mein erster Job war bei Burger King direkt am Kurfürstendamm. Da habe ich mich vom einfachen Angestellten bis zum Filialleiter hochgearbeitet.“

Neun Jahre im Dienste des Fast Foods waren ihm schließlich genug: Gul Khan machte sich mit dem Restaurant Agra Haus in Bad Belzig selbstständig, das er sechs Jahre lang führte. Das Team hat er nach Altena mitgebracht. „Das Bad Belziger Restaurant habe ich übergeben, weil ich gerne was eigenes haben wollte“, so Gul Khan. Auf der Suche nach interessanten Immobilien im gesamten Bundesgebiet stieß er auf die zum Verkauf stehende Ritterschänke. „Vor einem Jahr habe ich den Kaufvertrag unterschrieben und am Haus schon einiges gemacht. Ich warte noch auf die Klärung behördlicher Angelegenheiten und eine Festnetznummer, dann wird eröffnet.“

Gul Khan will in Altena eine authentische indische Küche anbieten. „Sie ist sehr naturbelassen und fein“, berichtet der Gastronom, der nicht gleich die schärfsten Gewürze auftischen möchte. Rindfleisch gibt’s aufgrund des Heiligenstatus der Kuh in Indien natürlich nicht. „Schwein könnte man nehmen, passt aber nicht ins Gesamtkonzept. Deshalb werden Fleischgerichte hier mit Huhn oder Lamm zubereitet und auch Vegetarier werden hier glücklich.“

Gul Khan hat von Altena einen guten Eindruck gewonnen. „Im Vergleich zu Brandenburg ist der Märkische Kreis fast eine Metropole. Hier fährt man nicht ewig, um zur nächsten Ortschaft zu kommen. Diese Dichte gefällt mir gut.“

Den Ritter über dem Hauseingang will Gul Khan übrigens dort lassen: „Der gehört dazu. Wir streuen ein bisschen Curry drüber, dann wird er ein Inder!“ lacht der Gastronom.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare