Gasthof verzichtet freiwillig auf den vierten Stern

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Stolz zeigt Kai Spelsberg die massive Plakette her, seine Mutter Ute hält die Urkunde. Die Auszeichnung übergab Lars Martin vom Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga).

Altena – Auch das ist ein Ergebnis von Corona: Der Gasthof Spelsberg gehört jetzt zu den Top Ten der Beherbergungsbetriebe im Märkischen Kreis. Den Lockdown haben die Eigentümer dazu genutzt, den Großteil ihrer Zimmer einer gründlichen Verjüngungskur zu unterziehen. Den Lohn für Kosten und Mühen übergab jetzt Lars Martin, stellvertretender Geschäftsführer des Dehoga Westfalen: Urkunde und Plakette bescheinigen dem Traditionshaus auf Großendrescheid die Qualitätsstufe „Drei Sterne Superior“.

Und das ist sogar noch tief gestapelt: „Wir bewegen uns hier im gehobenen Vier-Sterne-Bereich“, erklärt Martin. Für 76 Kriterien, die bei der Vergabe der Sterne eine Rolle spielen, sahnte das Haus so viele Punkte ab, dass es sogar für vier Sterne Superior gereicht hätte – das schaffen im Märkischen Kreis nur die Antoniushütte in Balve und das Iserlohner Hotel Vier Jahreszeiten. „Aber das wollen wir gar nicht, weil es nicht zu unserer Klientel passt“, erklärt Juniorchef Kai Spelsberg, der deshalb zu einem Trick griff und die Öffnungszeiten der Rezeption auf 15 Stunden und 59 Minuten begrenzte – ein Vier-Sterne-Haus muss es auf 16 Stunden bringen.

Kräftige Farben, moderne Möbel und digitale Vernetzung: Blick in eines der sanierten Gästezimmer.

Ausgezeichnet wurden nach mehrstündiger Inspektion sämtliche Zimmer im Gästehaus aus den 1990er- Jahren, das urige Tiny-Haus auf der Wiese vor dem Hotel und eins der Appartements im nahegelegenen Apartmenthaus. Dort und im eigentlichen Gasthof stehen auch einfachere Unterkünfte zur Verfügung, die nicht in die Bewertung einflossen.

Die Investition sei ohnehin geplant gewesen, erklärt Kai Spelsberg. Als Mitte März alle Hotels schließen mussten, habe die Familie beschlossen, aus der Not eine Tugend zu machen und die Arbeiten vorzuziehen. „Wir haben nicht renoviert, wir haben saniert“, stellt Spelsberg fest und verweist auf neue Fenster und total modernisierte Bäder. Natürlich sind auch alle Böden und Möbel neu – „wir haben jetzt auch einige Betten mit Überlänge“, betont Ute Spelsberg.

Digitale Gästemappe

Eine interessante Neuerung ist die „digitale Gästemappe“ – ein Tablet mit einer Vielzahl von Funktionen, die den Aufenthalt auf Großendrescheid angenehmer machen. Der Gast findet dort Informationen über Ausflugsziele, kann ein E-Bike buchen und sich wecken lassen.

Weil bei der Sanierung auch auf Vernetzung großen Wert gelegt wurde, kommuniziert das Tablet sogar mit dem Badezimmer: 30 Minuten, bevor der Wecker klingelt, wird der Handtuchwärmer angestellt – ein Feature, über das selbst der Fachmann Martin staunte. Als „richtig gute Idee“ nahm er auch das mit, was Alex Schmitz für den Gasthof Spelsberg ersonnen hat: Weil viele Hotelgäste mit herkömmlichen Fernbedienungen nicht klarkommen und häufig Sender verstellt oder andere Fehler gemacht werden, hat Schmitz zu Seniorenfernbedienungen geraten. Die haben vier Knöpfe, da kann nichts schief gehen. „Ein guter Tipp, das muss ich mir merken“, staunt der Fachmann vom Hotel- und Gaststättenverband.

Auch die Bäder wurden runderneuert.


Schmitz war nicht der einzige heimische Handwerker, der auf Spelsbergs Baustellen tätig war: Die Firma Bartels kümmerte sich um Gardinen und Co., die Schreinerei Franke lieferte die Fenster, die Möbel kamen von Holzart in Lüdenscheid – um nur Beispiele zu nennen.

Der Gasthof Spelsberg bietet nach der Sanierung vieles, aber nicht alles. Sauna, Schwimmbad, Wellness – das sucht man vergebens, weil es dafür keinen Platz gibt. „Fitness können wir nur im Wald anbieten“, grinst Spelsberg. Gerne hätte er für Kunden mit E-Autos eine Stromtankstelle auf den Parkplatz gestellt, aber das lässt das schwach dimensionierte Stromnetz auf Großendrescheid nicht zu. Immerhin ist der Glasfaseranschluss bald fertig. Schnelles Internet wird heute von vielen Hotelgästen verlangt.

Geschäftsreisende

Vor allem natürlich von Geschäftsreisenden: Noch immer ist ein erheblicher Teil der Spelsberg-Übernachtungsgäste geschäftlich unterwegs. Gern genutzt wird der Gasthof aber auch von Menschen, die wegen Familienfeiern in die Region kommen.

Zunehmend sei die Zahl der Touristen, weiß Spelsberg zu berichten und lobt in diesem Zuge den Sauerland Tourismus, der gut für die Region werbe. In der spiele Altena mit Burg und Burgaufzug natürlich eine wichtige Rolle. Folgerichtig kann man im Gasthof ein Burgaufzug-Arrangement buchen – und wer mag, kann mit hauseigenen E-Bikes dorthin radeln.

Die Sterne seines Verbandes seien trotz aller Bewertungen im Internet immer noch ein wichtiges Kriterium, meint Dehoga-Geschäftsführer Martin. Reisende wüssten, dass es sich um eine objektive Beurteilung handele, auf die Verlass sei. Wer ausgezeichnet wird, kann übrigens nicht die Hände in den Schoß legen – alle drei Jahre kommt der Prüfer wieder. Dass der „mit anderen Augen guckt“, sei hilfreich gewesen, meint Spelsberg und denkt jetzt darüber nach, ob er in den Bädern noch bewegliche Kosmetikspiegel nachrüsten soll.

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