Auf Zerstörung folgt Solidarität

Gasthaus im MK von Flut hart getroffen: „Werden für lange Zeit nicht öffnen können“

Vor dem Haus Pilling klafft ein großes Loch. Das Traditionshaus wurde von den Wassermassen hart getroffen. Der Keller soff komplett ab und durch die komplette untere Etage rauschte das Wasser.
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Vor dem Haus Pilling klafft ein großes Loch. Das Traditionshaus wurde von den Wassermassen hart getroffen. Der Keller soff komplett ab und durch die komplette untere Etage rauschte das Wasser.

Nach der monatelangen Corona-Zwangspause hatten Patrick Hochstein und sein Team vom Gasthaus Pilling in den vergangenen Wochen wieder richtig gut zu tun. In der Küche herrschte Hochbetrieb, im Gastraum lief fleißig der Zapfhahn, Gäste genossen im Haus und im angrenzenden Biergarten bei Kaltgetränken und leckerem Essen wie Altenaer Potthucke die zurückgewonnen Freiheiten. Es war ein Schritt in Richtung Normalität nach harten Monaten. Mitte Juli dann das Unfassbare.

Altena – Der Bach in der Nette wurde nach den sintflutartigen Regenfällen zum reißenden Strom und sorgte für immense Schäden. Das Wasser machte viele Wohnungen unbewohnbar, traf etliche Firmen hart, riss Straßen weg und nahm das Leben eines Feuerwehrmannes.

Wenn Patrick Hochstein zurückblickt auf die Katastrophe, die sich in der Nette ereignete, dann ist er noch immer fassungslos. Die Erinnerung an die Zerstörung, an das Unfassbare wird wohl für immer bleiben. Aber auch die Erinnerung an das, was in den Tagen nach der Jahrhundertflut folgte. „Dafür gibt es keine Worte. Das war unglaublich“, sagt Hochstein und meint die Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität. Tagelang räumten Betroffene an der Seite von etlichen freiwilligen Helfern, Freunden und Nachbarn auf. Aus den Kellern wurden Unmengen Wasser abgepumpt, Schlamm und Geröll aus den Häusern geschüppt, vernichteter Hausrat mit vereinten Kräften aus den Gebäuden getragen. So unfassbar die Flut zugeschlagen hatte, Hilfsbereitschaft und Solidarität waren und sind stärker. Die Menschen standen und stehen zusammen. Das machte Mut und gab Hoffnung. Nach wie vor.

Immenser Schaden

Rund um das Haus Pilling, vor dem ein großes Loch klafft, und dem benachbarten Apollo-Kino sind die Schäden immens. Etwa einen Meter hoch stand im Haus Pilling im Erdgeschoss das Wasser, der Keller soff schlicht und ergreifend komplett ab. „Eine Sache, die bleibt, ist, dass wir in Altena eine starke Gemeinschaft haben – und dafür sind wir einfach unendlich dankbar. Denn keine 72 Stunden nach dem Wasser ist der grobe Mist so gut wie weg“, postete Hochstein bereits am späten Abend des 16. Juli auf der Facebookseite des Gasthauses. Der Gastronom steht gewissermaßen sinnbildlich für die Nette, denn hängen lassen oder aufgeben kommt für ihn nicht in Frage. Er werde das Haus Pilling definitiv wieder öffnen, sagt Hochstein. Wann genau das sein wird, steht in den Sternen. „Wir werden eine lange Zeit nicht öffnen können“, sagt der gelernte Koch, der das älteste Gasthaus der Stadt von Großvater Franz-Georg Brillert übernommen hatte.

Wie hoch der Schaden tatsächlich ist, konnte Patrick Hochstein Ende der vergangenen Woche noch nicht beziffern. „Unser Licht am Ende des Tunnels ist, das wir versichert sind“, sagt der junge Gastronom. Ein Gutachter war bereits da und auch das riesige Loch vor dem Eingangsbereich hätten sich Experten in der vergangenen Woche angeschaut.

Welche unfassbare Wucht die Wassermassen bei dem Unwetter hatten, war auf Fotos und Videos aus der Nette zu sehen. „Die Kühltheke, in der etwa 30 Kilo Fleisch und andere Lebensmittel waren, wurde einfach so weggerrissen“, berichtet Patrick Hochstein. Eine Tischlerei hat bereits in der vergangenen Woche die Bänke im Gasthaus abmontiert und wird sie wieder aufarbeiten. Im Erdgeschoss, wo in der langen Geschichte des Hauses unzählige Gäste schöne, unbeschwerte Stunden verbrachten, brummen nun Bautrockner vor sich hin. Ein trauriges Bild für jeden, der das Gasthaus kennt. Und das dürften etliche Altenaer sein.

Keine Kontaktdaten mehr da

Apropos Gäste: Von den Wassermassen wurde auch das Reservierungsbuch mitgerissen und zerstört. „Es sind keine Kontaktdaten mehr da, ich kann die Gäste, die für die nächsten Wochen reserviert oder bestellt hatten, daher nicht erreichen“, sagt Hochstein. Diejenigen, die bei ihm bestellt hatten, können sich telefonisch (die Handynummer steht auf der Homepage) bei ihm melden. „Nur bitte jetzt keine neuen Reservierungsanfragen“, sagt Hochstein, „es wird bei uns jetzt erst mal gar nichts geben. Die ganze untere Etage liegt ja brach.“ Wenn absehbar ist, wann das Haus Pilling wieder öffnen wird, werde er darüber informieren.

Es werden noch harte, arbeitsintensive Woche vor Patrick Hochstein und seinem Team liegen. „Wir werden für eine lange Zeit nicht öffnen können. Aber ihr könnt euch sicher sein, es wird alles wieder im alten, neuem Glanz erstrahlen“, wurde am vergangenen Donnerstag auf der Facebookseite des Hauses gepostet. Und: „Bis bald.“

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