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Gaspreise, Flutschäden, Hallenbad: Neue Stadtwerke-Chefin hat große Aufgaben geerbt

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Von: Volker Heyn

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Katrin Brenner ist die neue Geschäftsführerin der Stadtwerke Altena und kommt mit einer Art Mission in die Burgstadt: den Mineralwasserkonzernen Konkurrenz machen. Die 54-Jährige möchte, dass die Altenaer das Leitungswasser täglich trinken.
Katrin Brenner ist die neue Geschäftsführerin der Stadtwerke Altena und kommt mit einer Art Mission in die Burgstadt: den Mineralwasserkonzernen Konkurrenz machen. Die 54-Jährige möchte, dass die Altenaer das Leitungswasser täglich trinken. © Heyn, Volker

Schwierige Aufgaben, komplizierte Herausforderungen und harte Auseinandersetzungen scheint die neue Stadtwerke-Chefin Katrin Brenner bisher nicht gescheut zu haben, das zeigt ein Blick in ihre Vita

Seit dem 1. Juni hat sie drei große Aufgaben zu bewältigen: Den Wiederaufbau des Dahler Frei- und Hallenbads, das Abfedern der unausweichlichen Gaspreisexplosion und die Bewältigung von Flutschäden im Abwassersystem.

Das ist jedenfalls die Pflicht. Wohl eher als Kür ist ihr berufliches Lieblingsthema zu begreifen: Gutes Trinkwasser zu verkaufen. Altena habe mit der Springer Quelle und der Fuelbecker Talsperre einen einzigartigen Schatz, sagt sie. Mit einer Marketingkampagne wolle sie den Mineralwasserkonzernen Konkurrenz machen: Die Altenaer sollen ihr Leitungswasser auch trinken, pur oder aufgesprudelt. „Wasserverkauf ist mein wichtigster Schwerpunkt“, sagt sie und schiebt ein persönliches Statement nach: „Industrielle Mineralwässer mag ich gar nicht mehr.“

Fast 30 Jahre bei der Stadt Iserlohn

Verwaltung, Privatwirtschaft und Politik kennt sie von allen Seiten. 28 Jahre war sie bei der Stadt Iserlohn beschäftigt, zuletzt als Wahlbeamtin und Erste Beigeordnete für Jugend, Schule, Soziales, Sport und Gesundheit. 2015 kandidierte die in Menden lebende Christdemokratin in Iserlohn für das Bürgermeisteramt und verlor gegen Amtsinhaber Dr. Peter Paul Ahrens (SPD). Der Wahlkampf artete teilweise zur Schlammschlacht aus, SPD-Ratsmitglieder zweifelten ihre persönliche Aufrichtigkeit an, es ging auch um die Entfernung zwischen ihrem Hauptwohnsitz und dem Iserlohner Rathaus.

Nach der Wahl eskalierte der Streit zwischen Bürgermeister Ahrens, dem Rat und der Ersten Beigeordneten Brenner: Ahrens entzog seiner Stellvertreterin die Regie über die Schulverwaltung. Die Mendenerin hatte ihrem Vorgesetzten vorab juristisch gedroht, war zu lesen.

Wiederwahl zur Ersten Beigeordneten versagt

„Es kam zu Auseinandersetzungen“, sagt sie heute. In Konsequenz daraus wurde sie 2017 vom Iserlohner Rat nicht zur Ersten Beigeordneten wiedergewählt. Mit 49 Jahren und einer sehr guten Pension hätte sie mit bezahlter Arbeit aufhören können. „Das so etwas überhaupt möglich ist, ist eine gesellschaftspolitische Provokation.“ An eine Pensionierung habe sie keinen Gedanken verschwendet. Also habe sie sich Arbeit gesucht und bei Remondis gefunden. Viereinhalb Jahre war sie in Lünen Geschäftsführerin von Remondis Aqua, einer der führenden deutschen Anbieter für kommunales und industrielles Wassermanagement. Dort hatte sie auch Kontakt zur Enervie. Brenner: „Ich kenne alle handelnden Personen aus der Enervie-Welt.“ Bei Remondis leistete sie Lobby-Arbeit, dazu kamen zahlreiche Aufsichtsratsmandate und sie hatte viel in Ostdeutschland zu tun. Irgendwann sei ihr das Reisen und die Pendelei zwischen Menden und Lünen zuviel geworden. Als die Leitungsstelle bei den Altenaer Stadtwerken frei wurde, bewarb sie sich. Seit 1. Juni sitzt sie also im Büro an der Linscheidstraße: „In dieser Stelle ist alles, was ich schon mal gemacht habe und was ich sehr gerne mache.“

Neben der Kür der Wasservermarktung drängt eine Baustelle auf konkrete Problembewältigung. Brenner spricht von einer „tollen kommunalpolitischen Entscheidung“, das Dahler Bad wiederaufzubauen. Natürlich wäre es ein Fehler, das Ganze nicht energetisch optimiert zu denken. In einem gut moderierten Prozess müsse erst einmal herausgefunden werden, was zukünftige Nutzergruppen wie Kinder und Jugendliche, Vereine, Familien und Frühschwimmer brauchten und wollten.

Noch kein Zeit- und Kostenrahmen

Für den Wiederaufbau mag sie weder einen Zeitrahmen noch eine Kostenprognose abgeben. Sie ist bereits an der Arbeit: Der „Wiederaufbauplan für Infrastrukturen in Kommunen“ ist gestellt, Brenner wartet auf die Genehmigung durch die Bezirksregierung. Danach werde eine Machbarkeitsstudie beauftragt. „Wir brauchen eine gute und nachhaltige Planung, die auch dem nächsten Hochwasser stand hält.“ Vieles könne gleichzeitig geschehen, es dürfe keine Zeit verloren werden. Sie setze auch auf Bürgermeister Kober (CDU), der ein gutes Verhältnis zu Ministerin Scharrenbach (CDU) habe.

Überhaupt vertraue sie auf ihr „sensationelles Team“. Hendrik Siebecke, seit acht Jahren Leiter Vertrieb, bezeichnet Brenner als ihren „wichtigsten Mann“. Im Augenblick bestellt er Gasmengen für 2023 und 2024. Wie teuer es am Ende wirklich wird, könne niemand vorhersagen, nur, dass es „exorbitant“ werde. Brenner: „Unser Appell: Beschäftigen Sie sich jetzt mit den Abschlägen und beraten Sie sich mit uns!“ Angst und Schrecken zu verbreiten sei ihr fern. Briefe aber ungeöffnet in den Papierkorb zu werfen und eine Sperrung zu riskieren sei auch kein Weg: „Ich komme aus dem sozialen Bereich, lassen Sie uns miteinander sprechen.“

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