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Gas-Umlage: Massive Mehrkosten für Firmen in Altena

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Von: Jona Wiechowski

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Draht bearbeiten ist äußerst energieaufwendig – auch die Firma Lüling (Bild) kommt dafür um Gas nicht drumherum. Und zumindest in absehbarer Zeit lasse sich das auch nicht ändern.
Draht bearbeiten ist äußerst energieaufwendig – auch die Firma Lüling (Bild) kommt dafür um Gas nicht drumherum. Und zumindest in absehbarer Zeit lasse sich das auch nicht ändern. © LÜLING

Über 2,4 Cent kommen mit der Gasumlage pro Kilowattstunde auf die zuletzt schon stark gestiegenen Gaspreise als Zugabe oben drauf. Für Familien macht das hunderte Euro an Mehrkosten im Jahr aus. Betroffen sind von der Umlage aber auch Firmen, für die es ebenfalls massiv teurer wird.

Altena – Die Firma Finkernagel versorgt Zulieferer aus der Automobil-, Bau-, Elektro- und Maschinenbauindustrie mit Kaltstauchdraht und Umformwerkzeugen. Und das alles ist sehr energieintensiv. Das Unternehmen verbrauche jährlich rund eine Million Kubikmeter Gas, also rund zehn Millionen Kilowattstunden, und circa 70 Prozent davon in den Haubenglühanlagen, wie Timo Finkernagel, Leiter Umformwerkzeuge, auf Nachfrage erklärt. „Mit dem Hersteller der Anlagen haben wir bereits Gespräche geführt, ob eine Umstellung auf die Verbrennung von Wasserstoff oder alternativ eine elektrische Beheizung möglich ist.“

Kurzfristig sei dies jedoch keine Lösung und weitere Maßnahmen zur Reduzierung des Gasverbrauches würden intensiv in einem Arbeitskreis diskutiert. „Oberstes Gebot ist, dass unsere Mitarbeiter nicht frieren sollen.“ Die Gasumlage bedeute für die Firma Mehrkosten von circa 240 000 Euro im Jahr. „Wir versuchen, die Kosten an unsere Kunden weiterzugeben, jedoch stoßen wir verständlicherweise auf Widerstand und das Verhandlungsergebnis ist noch unklar.“

Allein durch die Wärmebehandlung des Drahtes habe auch die Firma Lüling, was den Gasverbrauch angeht, „ein gutes Päckchen zu tragen“, wie es Fabian Schmidt, geschäftsführender Gesellschafter, ausdrückt. „Die Mehrbelastungen werden nicht weniger“, sagt er im Gespräch mit der Redaktion. Die Gasumlage sei da nur das aktuellste Beispiel. Er könne verstehen, warum diese eingeführt werde; schließlich sei keinem damit geholfen, wenn Versorger irgendwann insolvent gingen.

Was die Firma Lüling betrifft: „Wir müssen die Umlage zahlen, damit leben und gucken, was wir weitergeben können.“ Doch weitergegeben werden könnten diese Kosten nicht sofort und im vollem Umfang. Solche Kostensteigerungen gingen immer zulasten der Marge.

Fest steht für das Altenaer Traditionsunternehmen, das 1857 gegründet wurde: Gas lasse sich zumindest in absehbarer Zeit nicht substituieren. „Wir sind auf Gas angewiesen“, sagt Schmidt. Und über allem schwebe mit Blick auf die aktuelle Situation noch die Frage der Gas-Verfügbarkeit und möglichen Einschränkungen, sollte dieses knapp werden. Dem müsse sich die Firma stellen, wenn es dazu kommen sollte – und möglicherweise einzelne Betriebsbereiche einstellen, erklärt er weiter.

Auch VDM Metals, nach eigenen Angaben Weltmarktführer für Nickellegierungen und hochlegierte Sonderedelstähle, braucht für seine Produktion Gas. Marketingleiter Philipp Verbnik erklärt: „Innerhalb unserer Fertigungskette gibt es einige Ofenanlagen, die mit Erdgas befeuert werden.“ Und weiter: „Wir beobachten die sehr dynamische Entwicklung auf dem Gas- und Strommarkt deshalb sehr genau – und das nicht erst seit Bekanntwerden der Höhe der Gas-Umlage.“ Auf Nachfrage zu weiteren Details, etwa ob durch die erhöhten Gaskosten der Betrieb an bestimmten Stellen eingeschränkt oder verändert werden müsse, wollte sich VDM nicht äußern. Gleiches galt auch für die Verbräuche im Allgemeinen.

Gasumlage: Was ist das?

Jetzt steht fest, wie teuer die sogenannte Gasumlage wird: Um die 2,4 Cent müssen Gaskunden pro Kilowattstunde zusätzlich zu den ohnehin stark gestiegenen Gaspreisen auf den Tisch legen. Hintergrund: Mit der Umlage will die Bundesregierung systemrelevante Gasimporteure stützen. Die geraten seit einiger Zeit ins Wanken, weil Gas aus Russland fehlt. Händler müssen Ersatz zu Rekordpreisen im Großhandel beschaffen. Wegen bestehender Lieferverträge – beispielsweise mit Stadtwerken – konnten Importeure diese Kosten bisher nicht weitergeben. Die Umlage ändert das – und zwar so: Rohstoffhändler können sich die Differenz zwischen vertraglich vereinbarten Preisen und den – deutlich höheren – Einkaufspreisen an der Börse erstatten lassen. Zahlen müssen diese Differenz bald Gasverbraucher – also Privatkunden und die Wirtschaft.

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