Große Verunsicherung

Gäste aus Risikoregionen: Hoteliers und Vermieter wünschen sich klare Vorgaben

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Gastwirt Reinhold Thun (links) hat geöffnet. Er beachtet vor allem die Empfehlungen der Dehoga und setzt diese in seinem Betrieb um.

Im Gegensatz zu anderen Bundesländern gibt es in NRW noch kein Beherbergungsverbot. Wer jetzt denkt, dies komme den Hoteliers entgegen, irrt. Wie eine exemplarische Umfrage bei den Gastwirten im Lennetal zeigt, herrscht vor allem eins: Unklarheit. Viele wünschen sich klarere Vorgaben vom Land. Die Hintergründe.

Lennetal – In mehreren deutschen Bundesländern haben die Regierungen angesichts der steigenden Corona-Infektionen sogenannte Beherbergungsverbote ausgesprochen. Reisende müssen ein negatives Testergebnis nachweisen, das nicht älter als 48 Stunden sein darf. In Nordrhein-Westfalen gibt es ein solches Verbot bislang nicht.

Spelsberg in Altena

Für Verunsicherung sorgt die derzeitige Erlasslage bei den Gästen von Kai Spelsberg in Altena. Erst kürzlich habe eine ältere Dame ihre Buchung abgesagt. Begründung: Sie komme aus einem Risikogebiet. Spelsbergs Erklärungsversuche, dass das zum jetzigen Zeitpunkt nichts ändere, konnten die Frau nicht überzeugen. Die Familienfeier fiel ins Wasser.

„Es ist momentan eine ganz schwierige Situation“, sagt der Hotelier. Auch für ihn als Betreiber. Den Gedanken, die Situation jetzt jeweils vor Ort zu betrachten, findet der Hotelier eigentlich richtig. „Sie führt aber auch dazu, dass keiner mehr so genau weiß, was gilt. Es scheint so, als mache jeder sein eigenes Ding.“ Gäste, die Krankheitssymptome hätten, würden sich bei Spelsberg in der Regel telefonisch abmelden.

Wer mit Symptomen komme, werde wieder weggeschickt, erklärt der Hotelbetreiber. „Was mache ich aber, wenn ein Gast sich morgens bei mir meldet, weil er über Nacht im Hotel Fieber bekommen hat?“, fragt Spelsberg. „Da müsste ich auch erst mal beim Märkischen Kreis anrufen, um das weitere Vorgehen zu klären“, antwortet er sich selbst. Vorab wolle er die Behörde so wenig wie möglich mit Anfragen belästigen.

„Ich möchte dort nicht mit ungelegten Eiern ankommen. Die Mitarbeiter haben so schon genug zu tun.“ Die Vorlage eines negativen Coronatests verlange Spelsberg von seinen Gästen nicht. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) habe gestern jedoch einen Vordruck für eine Selbstauskunft zur Verfügung gestellt, die die Gäste ausfüllen sollen.

Alte Linden in Dahle

Auch im Hotel Alte Linden in Altena-Dahle beachte man die Vorgaben der Dehoga, berichtet Inhaber Reinhold Thun. Die Gäste müssten den Vordruck ausfüllen, in dem in erster Linie abgefragt wird, ob sie sich in den letzten 14 Tagen in einem Corona-Risikogebiet aufgehalten haben. Negative Tests auf Covid-19 müssten die Gäste bislang dagegen nicht nachweisen.

Hof Repke in Werdohl

Für Birgit Hurst, Inhaberin des Hofs Repke, sind gerade noch viele Fragen offen. „Im Moment ist es wieder so ein Hin und Her. Es kommt Verordnung nach Verordnung“, sagt Hurst. Sie wolle sich erst einmal einen Überblick verschaffen, bevor sie über das weitere Vorgehen entscheidet. Ob es Vermietern derzeit freisteht, auf negative Tests zu bestehen, sei nicht klar geregelt. „Die Gesetzeslage ist in NRW sehr schwammig“, bedauert Hurst.

Jeder, der gebucht habe, könne daher zurzeit auch kommen. Das Einfordern von Corona-Testergebnissen hält die Inhaberin des Hofs Repke für sinnvoll. „Wenn ich das könnte, würde ich es vermutlich machen. Es geht mir dabei um die Sicherheit meiner Gäste.“

Sieben Wohnungen für 22 Personen stehen auf dem Hof zur Verfügung. Viele Ferienbuchungen gebe es aber nicht. Schätzungsweise 95 Prozent ihrer Kunden seien inzwischen Monteure oder Wochenendgäste, die nur wenige Tage bleiben, berichtet Hurst. In der zweiten Woche der Herbstferien habe sich eine Familie eingemietet.

„Die Gäste kommen nicht aus den Risikogebieten“, sagt Hurst. Das könne sich aber natürlich bei der derzeitigen Dynamik „ratzfatz“ ändern. Für Reisende in NRW, die aus innerdeutschen Risikogebieten kommen, wünscht sich die Vermieterin vom Land eine Regelung. Ein klares Reiseverbot gebe es nur für Auslandsrückkehrer – in den ersten 14 Tagen.

Antoniushütte und Kaisergarten

Weder Britta Spiekermann, Inhaberin der Antoniushütte in Balve, noch Engelbert Groke, Chef des Hotels Kaisergarten in Neuenrade, waren bis Redaktionsschluss telefonisch für ein Statement zum Thema zu erreichen.

Mammut Apartments in Balve

Noch unsicher wie er bei Buchungen seiner Ferienwohnungen in der kommenden Zeit vorgehen wird, ist Adalbert Allhoff-Cramer. „Mir ist das Thema gerade erst zugeflogen“, sagt der Inhaber und Vermieter zahlreicher Ferienwohnungen in Balve. Er werde sich mit dem Gesundheitsamt abstimmen.

Urlaubsgäste habe er in seinen Wohnungen gerade nicht, er beherberge ebenfalls vor allem Monteure. Von den bislang angemeldeten Gästen stamme niemand aus den neuen deutschen Risikostädten.

Hotel Klinger in Plettenberg

„Heute Morgen erst hatte ich eine Mail der Dehoga im Postfach“, sagt Bettina Klinger, Leiterin des gleichnamigen Hotels in Plettenberg. Auch sie müsse sich erst einmal informieren und mit der Situation vertraut machen. „Das Einfordern von Coronatests haben wir bisher noch nicht in Betracht gezogen“, sagt Klinger. „Wir fragen die Gästen aber, ob sie sich gesund fühlen. Die Adressen sehen wir bei der Buchung und können so prüfen, ob sie aus Risikogebieten kommen.“

Bei der aktuellen Gesetzeslage könne sie grundsätzlich aber auch Menschen aus Berlin aufnehmen, wo die 7-Tage-Inzidenz gerade weit über 100 liegt. 50 werden als kritisch erachtet. „Ich kann nur kurzfristig auf das reagieren, was in den nächsten Tagen vom Land und der Dehoga kommt.“ Nächste Woche könne die Gesamtsituation schon ganz anders aussehen.

Zurzeit seien im Klinger-Hotel wenige touristische Gäste angemeldet: Etwa die Hälfte seien Monteure, die anderen Kurzurlauber häufig aus dem Ruhrgebiet, berichtet Bettina Klinger. Insgesamt sei die Buchungslage im Herbst aber „gar nicht so verkehrt“

AquaMagis Resort: Gästen aus Hagen abgesagt

Auch im beliebten Ferienhaus-Resort des Plettenberger Freizeitbades AquaMagis kommt es zu Neuerungen. Wie Geschäftsführer Dr. Uwe Allmann erklärte, habe man aufgrund des Beherbergungsverbotes bereits einer Familie aus Hagen absagen müssen.

Und auch Gästen aus Herne, die ganz aktuell zum Risikogebiet zählen, habe man gestern absagen müssen, was auf wenig Verständnis gestoßen sei. Aus gegebenem Anlass kontrolliere man derzeit sämtliche Adressen der demnächst anreisenden Gäste in dem Resort, das sich direkt vor den Türen des Freizeitbades befindet und erst in diesem Jahr um eine Gruppenunterkunft erweitert wurde.

„Wir fordern jetzt auch immer eine Kopie des Personalausweises an, um entsprechend reagieren zu können“, sagte Allmann, der im nebenan gelegenen Freizeitbad auf die Ehrlichkeit der Badegäste angewiesen ist. Aber auch dort kontrolliere man stichprobenartig, um die Herkunft der Besucher festzustellen. Man habe zudem entsprechende Aushänge angebracht, die auf die verschiedenen Risikogebiete in Nordrhein-Westfalen hinweisen.

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