FWG-Königssilber: Sechs Pfund massives Silber

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Königsorden an der Altenaer Schützenkette.

ALTENA - Wer beim Schützenfest in Altena den Vogel abschießt, wird sichtbar geehrt. Der treffsichere Schütze darf drei Jahre lang die Königskette tragen. In diesem Kleinod spiegelt sich bis heute hohe Handwerkerkunst wider, sie ist aber auch Repräsentationszeichen der Friedrich-Wilhelms-Schützengesellschaft (FWG) selbst.

Hauptstück des aktuellen Königssilbers ist seit Jahrhunderten der Adler. Der kleine zierliche Vogel, das Kleinod genannt, besteht aus massivem Silber und sitzt auf einer Armbrust. So wird wohl angedeutet, wie in alter Zeit der Schützenkönig an der Lenne ermittelt wurde. Wie alt genau dieses etwa faustgroße historische Schmuckstück ist, das direkt am untersten Ende der Kette baumelt, lässt sich nicht mehr mit Exaktheit sagen. Allerdings besticht es immer noch durch seine filigrane, sehr künstlerische Form. Ernst Ulrich Wirthsmann, Schriftführer der FWG, nennt es liebevoll „unseren Schwan“.

Die aktuelle Schützenkette stammt aus dem Jahre 1956. In diesem Jahr beauftragte die FWG den Iserlohner Gold- und Silberschmied Peter Schneider mit der Fertigung einer neuen Königskette. Denn die Kette der Altenaer war im Laufe der Zeit immer größer und damit für den Träger unhandlicher geworden.

Königskette – mit diesem Begriff wird zunächst fachübergreifend der feine, zwischen zwei bis acht Millimeter dicke Kettendraht bezeichnet, aus dem die reine Silberschlinge ohne Königsanhänger besteht. Es bedarf großer handwerklicher Fertigkeiten, sie herzustellen, zumal das Sterling-Silber später durchaus ein großes Gewicht zu halten hat.

Das aktuelle Königssilber ist für die FWG sowohl ideell als auch auch materiell von großem Wert. Der amtierende Schützenkönig trägt dieses Zeichen seiner Würde und seines Amtes bei allen Auftritten über das Schützenfest und zu den weiteren Verpflichtungen innerhalb der dreijährigen Amtszeit.

Die Königskette im Ganzen wird von silbernen, oft auch zusätzlich vergoldenen Orden gebildet, die die jeweiligen Könige stiften. Stets sind diese Medaillen sehr individuell gestaltet, enthalten oft das Familienwappen der Könige oder Hinweise auf ihre Berufe. „Meist“, so erzählt Hauptmann Klaus Knipping, „wird auch der Name der Königin auf der Rückseite neben dem eigenen Namen und der Regentschaftszeit eingraviert.“ Ein kurzer Blick auf die Kette genügt: Steuerberater Ernst Ulrich Wirthmanns, der für die sichere Lagerung und Ausstellung der Kette auf der Burg verantwortlich zeichnet, ließ nach seinem Königsschuss beispielsweise zwei stylisierte Paragrafen und ein Rechnungsbuch auf seine Medaille aufbringen. Jürgen Henke, von Beruf Richter, entschied sich für ein Abbild der Göttin Justizia als bleibende Erinnerung an seine Zeit als Schützenkönig. Doch auch Tierdarstellungen sind geläufig. So findet man einen ausgewachsenen Hahn auf dem silbernen Kettenglied ebenso wie beispielsweise einen Vogel, das stylisierte Firmenlogo des Unternehmens Finkernagel, und diverse Bild- und Symbol-Anspielungen auf Könige, die als Unternehmer in der Drahtindustrie am Ort tätig sind. „Als mein Vater König war, hat er unser Familienwappen gewählt“, sagt Klaus Knipping und zeigt auf den entsprechenden Orden.

Ist der „Schwan“ oder Adler auch der Blickfang der Schützenkette, so kommt kein Betrachter an den ersten beiden Kettengliedern vorbei. Sie bilden den Anfang, wenn die Kette auf dem Rücken des Trägers aufliegt. Bei diesen Stücken handelt es sich um eine rechteckig in einen Silberbarren eingearbeitete Darstellung der Burg Altena und eine runde Altena-Münze in Gold. Diese Medaille wurde anlässlich des 600. Stadtgeburtstages am 15. Juli 1967 der FWG von der Stadt gestiftet. Gemeinsam mit Pott Jost, Stadt- und Märkischem Wappen, die allesamt ebenfalls in Gold gefasst sind und dem Schützenadler – bildet sie ein „Tragekreuz“ für die Kette. Nach wie vor wird das gesamte Königssilber in einem Stück über die Schulter gelegt und wiegt knapp sechs Pfund. Es ist und bleibt dabei Blickfang für jeden Schützenfestbesucher. In der „schützenfestlosen“ Zeit werden das wertvolle Exponat und die alte Kette als ständige Leihgaben auf der Burg Altena ausgestellt.

von Johannes Bonnekoh

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