Comeback von Fury in the Slaughterhouse

Album-Cover von bekannter deutscher Rockband zeigt Mann aus dem MK

„Fury in the Slaughterhouse“ feiert ein Comeback - mit neuem Album und einem Mann aus dem MK. Der ziert das Cover des Albums. Zu diesem ungewöhnlichen Ruhm verhalf ihm sein Schwiegersohn.

Altena - Der Blick wirkt ebenso entschlossen wie grimmig, die linke Hand ist zur Faust geballt, der rechte Arm vor die stählerne Brust geführt. Das schwarze Muskelhemd des Kraftpakets steckt in der Boxerhose, weiße Sportsocken ragen aus den hoch geschnürten Stiefeln heraus, die Beine stehen etwas auseinander.

BandFury in the Slaughterhouse
GenreRock
Erste Gründung1986

Fury in the Slaughterhouse: Album-Cover-Designer aus Altena ist Schwergewicht in Branche

„Ich bin bereit. Es kann losgehen. Jetzt“, signalisiert dieser Boxer, der das Cover des Comeback-AlbumsNow“ von Fury in the Slaughterhouse ziert. Die erste Studioplatte der Hannoveraner Kultband seit 13 Jahren kommt im April auf den Markt, das Foto des Boxers auf dem Cover hingegen ist schon mehr als fünf Jahrzehnte alt.

Es ist eine Aufnahme des Altenaers Kurt Haberkorn. Der ehemalige Boxer ist heute 83 Jahre alt und kommt auf dem Cover der international erfolgreichen Rockband Jahrzehnte nach seinem letzten Fight zu neuem Ruhm.

Ein Altenaer auf dem Cover des neuen Albums einer der erfolgreichsten deutschen Rockbands? Nur Zufall? Mitnichten! Kurt Haberkorns Schwiegersohn Dirk Rudolph gehört zu den renommiertesten Cover-Designern des Landes, der für etliche Künstler aus dem In- und Ausland seit 1986 Cover und Tonträgerverpackungen entwirft und gestaltet.

Der freischaffende Künstler, der in Altena und Nachrodt aufwuchs und 1984 am Burggymnasium sein Abitur machte, ist nicht zuletzt wegen seines individuell-kreativen Stils ein Schwergewicht in seiner Branche. Die Cover-Künste des inzwischen 56-Jährigen sind auf unzähligen Alben verschiedener Musiker zu finden. Ob Bryan Adams, Rammstein, Silbermond, die Toten Hosen oder eben Fury in the Slaughterhouse – Dirk Rudolphs Grafiken und Fotos sind bei den Top-Künstlern, deren Managements und Labels gefragt wie eh und je.

Album-Cover von Fury in the Slaughterhouse: Foto des Schwiegervaters beim Besuch entdeckt

Längst genießen Rudolphs Werke Kultstatus bei den Fans. Natürlich auch in seiner Heimatstadt Altena. Mit dem Cover des neuen Albums von Fury in the Slaughterhouse „Now“ dürfte der ausgebildete Siebdrucker weitere Fans dazugewinnen – auch und insbesondere in der eigenen Familie.

„Ich hatte mit Teilen der Band und dem Fury-Management kommuniziert. Als klar war, dass die neue Platte ,Now’ heißen soll, hatte ich direkt zwei, drei Ideen im Kopf. Meine Frau Mirjam und ich waren dann rund zwei Wochen später zu Besuch bei meinen Schwiegereltern in Altena. Und bei diesem Besuch habe ich das Boxer-Foto von Kurt, der gerne von alten Zeiten erzählt, entdeckt und direkt gedacht: ,Das könnte es sein.’ Diese Bereitschaft und Entschlossenheit, die Kurt auf dem Foto ausdrückt, fand ich passend für ,Now’, also für ,Jetzt’“, sagt Dirk Rudolph.

Das Cover des neuen Albums der Rockband Fury in the Slaughterhouse: Kurt Haberkorn aus Altena.

Er fotografierte das Box-Bild seines Schwiegervaters mit dem Smartphone ab, nahm die Idee mit nach Hause, wo sie weiter reifte. „Ungefähr eine Woche nach dem Besuch in Altena hatte ich eine Konferenz mit Teilen der Band und habe meine Idee den Jungs vorgestellt. Sie waren direkt begeistert. So war schnell klar: ,Wir machen das.’ Und zwar auf der Vorderseite des Albums“, so Rudolph.

Fury in the Slaughterhouse: Album-Cover von „Now“ zeigt Boxer mit Mitte 20

Der Hintergrund des Fotos, das den damals etwa Mitte 20 Jahre jungen Boxer Kurt Haberkorn zeigt, wurde am Computer bearbeitet, außerdem wurde der alte Schriftzug auf der Boxerhose entfernt und durch den neuen Schriftzug „Fury“ ersetzt. „Ansonsten ist am Original-Foto nichts geändert“, sagt Dirk Rudolph, der vom Cover mit dem grünen Schriftzug „Now“ genauso begeistert ist wie seine Frau, Schwägerin und natürlich die Schwiegereltern. „Wir haben gute Laune wegen des Fotos, die Stimmung war und ist noch immer gut“, sagt Marianne Haberkorn, „mein Mann, der immer viel Sport gemacht hat, ist deswegen gerührt und findet es gut.“

In den 60er-Jahren verbuchte der für den Box-Club Altena (das Logo des BC Altena ist auf der Boxerhose erkennbar) aktive Drahtzieher Kurt Haberkorn, der auch im Judo erfolgreich war, im Ring einige beachtliche Erfolge auf westfälischer Ebene, später war er viele Jahre Vorsitzender des Altenaer Canu-Vereins und entdeckte im Rentenalter mit großer Begeisterung das Reiten für sich. Ein fairer Sportsmann, aber auch ein Familienmensch durch und durch. Ein austrainierter Sportler, wie er im Buche steht. Oder eben jetzt auf dem Cover von Fury in the Slaughterhouse.

Das alte Foto des jungen Boxers, es ist auch eine Erinnerung an vergangene Zeiten. Oder, um bei Fury in the Slaughterhouse zu bleiben: „Won’t forget these days.“ Diese Tage beziehungsweise die zurückliegende Zeit vergessen hat auch Dirk Rudolph nicht. Als Zwölfjähriger fing er an zu fotografieren und gründete Ende der 70er-Jahre eine eigene Band.

Fury in the Slaughterhouse nicht das erste Projekt - Zahlreiche Alben-Cover für Rammstein

Rudolph war Mitglied der Punkbands „Fenton Weills“, „Die sauberen Drei“ und „Tag der Milch“. Nebenbei schrieb er Magazine von Fans für Fans, gestaltete Poster und Kassettenhüllen für die eigenen und auch für befreundete Bands und importierte später zusammen mit seinem Kumpel Thomas Zimmermann Platten aus England, sammelte Erfahrungen als Tournee-Organisator und war Teilinhaber eines Independent-Plattenlabels.

1989 und damit nach der Insolvenz seines Arbeitgebers, eine Hagener Druckerei, machte sich Dirk Rudolph als Grafikdesigner selbstständig. „Cover mache ich aber schon seit 35 oder 36 Jahren. 1985/86 gab es von Philip Boa den ersten Auftrag, für den man dann die erste Rechnung geschrieben hat“, sagt Rudolph mit einem Augenzwinkern. Der Anfang war gemacht, die Aufträge wurden nach und nach mehr. „Man war im Geschäft, wurde jetzt häufiger angefragt.

Irgendwann kam die Anfrage, dass eine Berliner Band, die ein bisschen härtere Musik machen würde, einen Schriftzug benötige. Das war der heute vielen Menschen bekannte Rammstein-Schriftzug. So hat sich das weiter entwickelt. Ich habe so sechs, sieben Cover für Rammstein gemacht. Und so ging das immer weiter, kam ein Auftrag zum anderen“, erklärt der 56-Jährige, der mit seiner Frau in Rösrath-Hoffnungsthal lebt und arbeitet und mit etlichen Größen aus der Musikszene zusammengearbeitet hat und noch immer arbeitet, weil er sehr oft mit seinen Ideen den Nerv der Künstler trifft. So wie nun auch bei Fury in the Slaughterhouse und dem Boxer auf dem Cover des neuen Albums.

Rockfans hätten eigentlich beim Immecke-Festival auf ihre Kosten kommen können. Doch zum zweiten Mal in Folge beschlossen die Veranstalter nun das IRock-Festival coronabedingt abzusagen. Ein Jubiläumsfestival soll es im Juni 2022 geben.

Rubriklistenbild: © Foto Hess/ Cover-Design: Dirk Rudolph

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