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Für über eine Millionen Euro: Digitale Neuheiten auf Burg Altena

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Von: Jona Wiechowski

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Eine Panzerglasscheibe gibt den Blick ins Angstloch im Bergfried frei. In dieses Verlies wurde einst auch der Münsteraner Bischof Ludwig II gesteckt. Als Projektion erwacht er – ausgelöst durch eine Lichtschranke – zum Leben.
Eine Panzerglasscheibe gibt den Blick ins Angstloch im Bergfried frei. In dieses Verlies wurde einst auch der Münsteraner Bischof Ludwig II gesteckt. Als Projektion erwacht er – ausgelöst durch eine Lichtschranke – zum Leben. © Wiechowski, Jona

Über eine Millionen Euro haben die digitalen Ergänzungen an der Burg Altena gekostet. Inzwischen ist fast alles fertig. Eine Neuerung ist dabei besonders auffällig. 

Altena – In der letzten Zeit hat sich einiges getan an der Dauerausstellung auf Burg Altena. Inzwischen sind fast alle multimedialen Ergänzungen fertig, für die das Land NRW über eine Millionen Euro Fördergeld zur Verfügung stellte. Museums-Leiter Stephan Sensen präsentierte jetzt die Neuigkeiten und überraschte mit interessanten Details und Hintergründen.

Auffälligste Neuerung: Auf der Burg begegnen den Besuchern historische Persönlichkeiten, die Geschichte lebendig machen. Besonders eindrucksvoll wird das im Bergfried in Szene gesetzt, dessen Erdgeschoss einst als Gefängnis diente. Der einzige Zugang in das feuchte und modrige Verlies ohne Licht und Frischluft erfolgte über das Angstloch. Die Luke im Holzboden wird heute mit einer Panzerglasplatte geschützt – und macht den Blick nach unten frei. Per Beamer erwacht da – ausgelöst durch eine Lichtschranke – Bischof Ludwig II. von Münster zum Leben. Der war dort im Jahr 1323 von Pfingsten bis November inhaftiert.

Historische Persönlichkeiten

Zu sehen gibt es die Persönlichkeiten beispielsweise auch im Brunnenhaus – dort ist es der Brunnenbaumeister, der etwas zur Geschichte des Bauwerks erzählt, das 43 Meter tief ist und dessen Wasserspiegel bei rund 21 Metern liegt. Und zwischen hölzernen Etagenbetten grüßt an anderer Stelle Richard Schirrmann. Der Gründer der Jugendherberge nimmt die Besucher mit in das Entstehungsjahr der Weltjugendherberge auf Burg Altena.

Allein die Filme haben laut Sensen 60 000 Euro gekostet, wurden von professionellen Schauspielern in einem Kölner Filmstudio vor einem Greenscreen aufgenommen. Eineinhalb bis vier Minuten sind die Videos lang – auf Anhieb klappte das nicht, wie der Leiter der Museen erzählte. Die Schauspieler hätten im Schnitt 35 Versuche gebraucht. Denn Schnitte durfte es nicht geben – die würde man auf den Projektionen sehen und so musste alles in einem aufgesagt werden. Die Drehbücher hatte Sensen selbst geschrieben, der pro Film von Gesamtkosten von rund 20 000 Euro sprach.

Das liegt auch an der eingesetzten Technik: Im Verlies wird ein spezieller 3D-Hologramm-Projektor genutzt, in der Kapelle ein durchsichtiger OLED-Fernseher, an anderer Stelle kommen Projektionen zum Einsatz, die auf den „Pepper’s Ghost Trick“ setzen. Dabei handelt es sich um einen Illusionstrick aus dem 19. Jahrhundert, mit dem Objekte von unten (oder von der Seite) auf eine Scheibe projiziert werden – und damit quasi aus dem Nichts erscheinen. Sehen kann man die Scheiben in der Burg Altena zwar – die Persönlichkeiten wirken aber trotzdem realer, als das bei einem normalen Bildschirm der Fall wäre.

Die Erklärtafeln wurden erneuert und durchnummeriert. Übersetzungen sollen so bald per Handy aufrufbar sein.
Die Erklärtafeln wurden erneuert und durchnummeriert. Übersetzungen sollen so bald per Handy aufrufbar sein, erklärte Museumsleiter Stephan Sensen. © Wiechowski, Jona

Unscheinbar und noch nicht ganz fertig: Alle rund 900 Erklärtafeln in der Dauerausstellung sind jetzt durchnummeriert. Über ein Mesh-Wlan sollen sich die Texte in Kürze auch von Handy, Tablet oder anderen Geräten aufrufen lassen, ohne dafür eine Extra-App runterladen zu müssen. Sensen: „Wir sind guter Hoffnung, das bis Ende des Jahres fertig zu kriegen.“ Besonderheit: Neben Deutsch gibt es wahlweise auch die Sprachen Englisch und Niederländisch.

An Bildschirmen lassen sich Gegenstände auswählen, die dann angestrahlt werden – wie dieser Stuhl.
An Bildschirmen lassen sich Gegenstände auswählen, die dann angestrahlt werden – wie dieser Stuhl. © Wiechowski, Jona

Bewegliche Scheinwerfer

An anderer Stelle können sich die Erklärschilder nach der digitalen Überarbeitung gespart werden – nämlich im Bereich „Leben im Luxus“, die erste von vier Abteilungen, die sich mit dem mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Adel beschäftigt. Auf großen Podesten werden dort die Unterthemen Wohnen, Tafelfreuden, Beten und Schlafen im wahrsten Sinne des Wortes beleuchtet. Denn zum Einsatz kommen sogenannte Lichtfinger. Gesteuert werden können die beweglichen Scheinwerfer an Bildschirmen, auf denen sich bestimmte Gegenstände antippen lassen. Die werden dann angestrahlt; dazu gibt es Erklärungen, auf Wunsch auf drei Sprachen.

Mit Zitaten, die oben an die Wand geworfen werden, wird der Anfang des 20. Jahrhunderts entfachte Streit um den Wiederaufbau der Höhenburg näher beleuchtet.
Mit Zitaten, die oben an die Wand geworfen werden, wird der Anfang des 20. Jahrhunderts entfachte Streit um den Wiederaufbau der Höhenburg näher beleuchtet. © Wiechowski, Jona

Zitate beleuchten Wiederaufbau

Die Jahre 1906/07 werden im Raum „Der Traum vom Mittelalter“ beleuchtet. Ein Modell zeigt die Burg zu Beginn des 20. Jahrhunderts, ein anderes die Festung im heutigen Zustand. Mit Zitaten, die gut lesbar oben an die Wand geworfen werden, wird der zu dieser Zeit entfachte Streit um den Wiederaufbau der Höhenburg verdeutlicht.

Dazu wurde im Rahmen der Dauerausstellungs-Ergänzung an vielen Kleinigkeiten geschraubt: Die Ritterspiel-ecke, in der sich Kinder (und Erwachsene) mit Helm und Kettenhemd anziehen können wie ein Ritter, wurde mit einer Fotoleinwand ausgestattet. An anderer Stelle gibt es neue Bildschirme. Die zwei Gründungssagen lassen sich – auf Deutsch, Englisch und Niederländisch – an einem Hörknubbel anhören. Auf einer Art Wimmelbild können zahlreiche Szenen angeklickt werden, anhand derer alte Sprichwörter erklärt werden.

Möglich gemacht haben die Veränderungen Fördermittel aus dem Programm „Heimat-Zeugnis“ durch das Land Nordrhein Westfalen: Vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung gab es rund 1,160 Millionen Euro, um die Burg Altena und den Weyhe-Park didaktisch und medial aufzuwerten.

Öffnungszeiten

Die Burg Altena hat dienstags bis freitags von 9.30 bis 17 Uhr geöffnet sowie samstags, sonntags und feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags, außer an Feiertagen, bleiben die Museen geschlossen.

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