Friedhofsgärtner Ebel gibt nur den Laden auf

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Polierte Platte über der Urne, ein Stein als letzter Gruß – es gibt immer weniger Blumen auf dem Friedhof. ▪

ALTENA ▪ Mal findet die Beerdigung im engsten Kreise statt, ‘mal wird gebeten, auf Blumen und Kränze zu verzichten und stattdessen zu spenden. Urnenbeisetzungen nehmen zu, oft erfolgen sie in Kolumbarien oder anderen nicht auf Pflege angewiesenen Grabstätten. Schlechte Zeiten also für Friedhofsgärtner – Albert Ebel, seit über 15 Jahren im Mühlendorf ansässig, muss daraus Konsequenzen ziehen. Er schließt seinen Laden nach Totensonntag, also Ende November.

„Alles andere läuft weiter“, betont seine Lebenspartnerin Andrea – der Gartenbautechniker wird also auch weiterhin Grabdienstleistungen aller Art anbieten und für Gartengestaltung und -pflege, Baumfällungen und Gehölzpflege zur Verfügung stehen. Der Sitz des Unternehmens wird an die Westiger Straße verlagert, die Telefonnummer (23084) bleibt.

„Die Beerdigungskultur hat sich dramatisch verändert“, berichtet Ebel – kaum noch Kränze, viel weniger Blumen. Aus alten „Beerdigungsbüchern“, die er vom ehemaligen Friedhofsgärtner Brunscheid übernommen hat, kann er herauslesen, wie einstmals die Kasse klingelte, wenn ein Mensch zu Grabe getragen wurde. Das blieb zunächst noch so, als Ebel 1995 das der Kirche gehörende Ladenlokal neben den Friedhöfen im Mühlendorf übernahm. Mit den Jahren wurde es weniger, die Veränderungen seit der Euro-Umstellung beschreibt seine Partnerin als „dramatisch“. Die Ursache darin sieht sie auch in der zunehmenden Konkurrenz nicht nur durch Baumärkte, sondern auch durch Discounter, die zum Beispiel im November Grabgestecke zu Dumpingpreisen auf den Markt werfen.

Ebel weiß, dass sich um die Aufgabe des Ladens viele Gerüchte ranken: „Wir sind nicht pleite“, betont er. Alle Verträge über Grabpflege würden weiterhin erfüllt, neue gerne angenommen – auch für Gräber auf Friedhöfen in den Nachbarstädten. Es gebe auch keinen Streit mit der Kirchengemeinde – „mit der sind wir immer gut ausgekommen“. Dass der Friedhofsträger wegen der sinkenden Einnahmen ebenfalls unter Kostendruck geraten sei, sei nachvollziehbar. Weil Ebel einen Werkvertrag mit der Kirche hat, hatten diese Sparzwänge durchaus Auswirkungen auf ihn. Trotzdem werde er diesen Vertrag natürlich erfüllen, sagte er.

Die Hauptleidtragende der Entwicklung ist die bei Ebel angestellte Floristin – sie verliert im November ihren Arbeitsplatz. „Das ist eine total kompetente Fachkraft“, sagen die Geschäftsinhaber bedauernd. Deswegen wollen sie ihr bei der Suche nach einer neuen Stelle „nach Kräften behilflich sein“. ▪ ben.-

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