Freunde der Burg auf spannender Spurensuche

Altena - Das Haus Lennestraße 69 hat es in - oder vielmehr an und hinter sich: Voller Spruchweisheiten präsentiert sich die dem steilen Garten zugewandte Rückseite des Hauses. Und auch zwischen dem üppigen Grün stößt der Besucher immer wieder auf Steine und Felsen mit lateinischen, griechischen und hebräischen Schriftzeichen.

Bruno Hüttemeister, der heutige Herr dieser Steine, öffnete diesen Garten jetzt für die Freunde der Burg, die sich staunend auf eine spannende Spurensuche begaben. 

Johann Diedrich Rentrop hieß der Schöpfer dieser Inschriften, und er lebte von 1771 bis 1849. Unter den Spruchweisheiten hinterließ er zahlreiche Angaben, wann er mit Hammer und Meißel Felsen oder Flusskieseln aus der Lenne zu Leibe rückte. 

Allein an der rückseitigen Fassade des Hauses sind 80 Steine in mühevoller Arbeit mit klugen und frommen Inschriften versehen worden.

Die meisten Jahreszahlen auf den Steinen im Garten verweisen auf die 1830er und 1840er Jahre. Die allererste Inschrift steht jedoch nicht an der Lennestraße, sondern über der Haustür eines Bauernhauses auf dem Hegenscheid: „Exstructum (erbaut) Anno 1803“. 

Als Johann Diedrich Rentrop 1840 sein Haus an der Lennestraße umfassend umbauen ließ, platzierte er einen ähnlichen Stein an der dem Garten zugewandten Hauswand. Rund 80 Inschriften und Spruchweisheiten habe er darauf jüngst noch gezählt, berichtete Bruno Hüttemeister den Besuchern. Mindestens 140 seien es auf dem gesamten Gartengrundstück. „Er hat ein kleines Denkmal geschaffen.“

Anlass für eine Klarstellung 

Lebensgeschichtlich sah Bruno Hüttemeister Anlass für eine Klarstellung: Rentrop gelte als ein verschrobener Junggeselle - in Wirklichkeit sei er aber dreimal verheiratet gewesen. Neun Kinder gingen aus diesen Ehen hervor, von denen allerdings nur ein Sohn und eine Tochter überlebten. 

Auch der berufliche Erfolg belegt, dass das Gerücht vom verschrobenen Sonderling wohl eher nicht stimmte: Rentrop war Reidemeister, Mitinhaber einer Drahtrolle also, und Rendant (Kassierer) in der lutherischen Gemeinde, deren Kirche er ebenfalls mit seinen Steinen ausstattete. 

Rentrop zitiert auch Philosophen wie zum Beispiel Horaz.

Das Haus Lennestraße 69 kam 1903 in den Besitz der Hüttemeisters - Brunos Großvater Gerhard kaufte es von einer Erbengemeinschaft. Die Freunde der Burg staunten über die Fülle von steinernen Zeugnissen, die Rentrops handwerkliche Fähigkeiten und seinen weiten geistigen Horizont belegten. 

Die meisten Inschriften gehen auf Verse der Bibel zurück, was die hebräischen und griechischen Schriftzeichen erklärt. Altes und Neues Testament sind sprachlich nicht strikt getrennt - es gibt Psalmen in griechischer Übersetzung und viele Übersetzungen ins Lateinische. Hier war Rentrop möglicherweise die Schönheit und Geläufigkeit von Sprüchen wichtiger als die Authentizität. 

"Erkenne dich selbst"

Inschriften versprechen das ewige Leben, preisen die Liebe Gottes und geben sich kämpferisch: „Wer kann gegen uns sein, wenn Gott mit uns ist?“ Neben der Bibel zitiert Rentrop Philosophen und Weise: „Gnothi sauton“, den alten Leitspruch der Aufklärung, liest der Besucher: „Erkenne dich selbst“. 

René Descartes ist mit seinem berühmten „Cogito ergo sum“, „Ich denke, also bin ich“ vertreten. „Pulvis et umbra sumus“, verkündet der lateinische Dichter Horaz: „Wir sind Staub und Schatten.“ Ein Totenkopf unterstreicht die Botschaft, die nur den Untergrund für die vielfach variierte Kunde von der lebendig machenden Güte Gottes liefert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare