Freispruch für 24-jährigen Altenaer bleibt bestehen

ALTENA ▪ Den ganzen Donnerstag lang befasste sich die vierte große Jugendkammer am Landgericht in Hagen ausführlich mit dem Fall eines 24-jährigen Altenaers. Er soll im Januar 2010 nach einer Aprés-Ski-Party auf dem Nettenscheid mit drei weiteren jungen Männern drei Menschen zusammengeschlagen und -getreten haben. Das Amtsgericht Altena sprach ihn am 6. Oktober 2010 von einer gefährlichen Körperverletzung frei. Dagegen legte der Anwalt eines Nebenklägers Berufung ein. Von Anja Grevener

Zwei der verprügelten Männer, ein 43-jähriger Versicherungsmakler aus Nachrodt-Wiblingwerde, und ein 41-jähriger Gas- und Wasserinstallateur aus Altena, der von Rechtsanwalt Klötz vertreten wird, erlitten durch die Attacken schwere Verletzungen, die ihnen noch heute körperlich und seelisch zu schaffen machen. Der Versicherungsmakler etwa erlitt einen zweifachen Schädelbruch, wurde von seinem Neffen, der sich zwischen ihn und die Angreifer stellte und dafür ebenfalls eine blutige Nase kassierte, aus dem Getümmel gezogen.

Kurze Zeit später attackierten die stark alkoholisierten Schläger auf dem Parkplatz des Scheunenfestes den 41-Jährigen, der von hinten zu Fall gebracht und nach eigenen Angaben sofort ohnmächtig wurde. Er trug durch den Angriff einen mehrfachen und komplizierten Bruch des linken Beines davon. Der 41-Jährige, der nur noch schlecht laufen kann, hat noch heute unter den Folgen des Angriffs zu leiden, war lange Zeit nicht in der Lage, seinen Beruf auszuüben.

Zwei der jungen Männer wurden damals vom Amtsgericht Altena wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt, der eine musste einen Freizeitarrest absitzen und der andere erhielt eine Bewährungsstrafe von 14 Monaten. Zudem mussten sie Schmerzensgeld an die Opfer zahlen.

Die vierte große Jugendkammer am Landgericht Hagen unter Vorsitz von Richterin Dr. Elke Fiebig-Bauer überprüfte jetzt den Freispruch des 24-Jährigen. Es konnte jedoch nicht zweifelsfrei festgestellt werden, ob der Industriemechaniker tatsächlich in die Schlägerei verwickelt gewesen war. Keiner der elf aufgerufenen Zeugen, darunter die Lebensgefährtin des 41-jährigen Opfers, konnte den jungen Mann ohne Zweifel als Beteiligten der Schlägerei identifizieren. Und er selbst war sich „keiner Schuld bewusst“, habe versucht, den Streit zu schlichten.

Im Zweifel für den Angeklagten lautete letztlich nach einer langen Verhandlung die Entscheidung des Gerichts. Die eingelegte Berufung der Nebenklage wurde vom Gericht als unbegründet verworfen, der Freispruch blieb bestehen. „Wir haben uns viel Mühe gegeben, Licht ins Dunkel zu bringen, dennoch reichte dies nicht aus, eine der Aktionen, die gegen das Opfer erfolgten, zweifelsfrei dem Angeklagten zuzuordnen“, so die Richterin. Man habe den Täter nicht dingfest machen können.

„Es bleibt eine schlimme Tat, für die sich alle, die daran beteiligt waren, schämen mögen.“

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