Netzaktivisten aus allen Teilen des Bundeslands treffen sich beim Motorsportclub

Freifunker spenden den „digitalen Tropfen Wasser“

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Julian Bogdanski aus Iserlohn (l.) und Linn Rohr aus Meinerzhagen luden am Wochenende zum mittlerweile dritten Freifunk-Camp im Märkischen Kreis auf das Gelände des Motorsportclubs Altena am Lennebogen ein

ALTENA - Für Julian Bogdanski und Linn Rohr war das Ausstatten von Flüchtlingsunterkünften mit W-Lan eine ähnliche Selbstverständlichkeit, wie für den Klempner, der die Trinkwasserversorgung dort sicherstellte. Die beiden Männer aus dem Freifunk-Netzwerk betrachten den Zugang zu Information und Kommunikation als lebenswichtiges Grundbedürfnis - damit stehen sie nicht allein da.

Wer dem Durstigen die Hälfte vom eigenen Wasserglas abgibt, der reicht ein physisches Gut von Hand zu Hand. „Das Wasser ist zwar einer guten Verwendung zugeführt worden, aber nach dem Teilen ist es weg. Beim Freifunk gibt man etwas, was im Überfluss da ist, ohne, dass man überhaupt merkt, etwas gegeben zu haben“, erklärt Julian Bogdanski. Er und Linn Rohr geben eine einfache Beispielrechnung: Wer mit 50 Mbit pro Sekunde surfen kann, weil er über den Vorteil einer flotten Internet-Infrastruktur verfügt, der kann in der Regel getrost die Hälfte des Datenvolumens für andere abgeben, ohne eine Einschränkung zu bemerken. „Der Mensch draußen auf der Straße, der kein Geld für entsprechendes Datenvolumen hat, der freut sich drüber“, erläutern die Aktivisten das Prinzip. Benötigt wird lediglich ein Router, auf den die Freifunk-Software aufgespielt wird. Jeder Geber kann selbst einstellen, wie viel Volumen er ins jedem zugängliche Netz einspeisen möchte. Im Märkischen Kreis machen mittlerweile 650 Personen und Institutionen mit - ohne jegliches schlechte Gewissen, denn selbst wenn jemand Schindluder mit dem zu Verfügung gestellten W-Lan treiben sollte, können die Spender dafür nicht behelligt werden, betont Julian Bogdanski. In Altena ist mit dem Motorsportclub ein fleißiger Unterstützer der Freifunk-Idee gefunden. Vorsitzender Bernd Kern stellt einmal im Jahr bereitwillig das Clubheim am Hünengraben zur Verfügung, damit sich die NRW-Freifunker austauschen können. Am Wochenende waren 25 Gäste aus einer bunt gemischten Alters- und Berufsspanne zu Gast am Lennebogen. Sie lauschten einem Jahresrück- und -ausblick und diversen Fachvorträgen. Auch der gesellige Teil kam nicht zu kurz - „der ist insbesondere in einer Online-Community ganz wichtig, denn da kennen sich viele nur mit dem Nickname“. Den hatten sich deshalb alle Teilnehmer zusätzlich auf ihr Namensschild geschrieben. Das Freifunk-Camp war am Wochenende die übrigens einzige NRW-weite Präsenzveranstaltung zum Aktionstag Netzpolitik der Bundeszentrale für politische Bildung. Wer mehr erfahren möchte geht - natürlich! - ins Netz und googelt nach Freifunk MK. Gerne auch im freien W-Lan der Stadt.

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