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Bäder nach Flut dicht: Vereine seit einem Jahr ohne Trainingsstätte

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Komplett abgesoffen: Das Altenaer Hallen- und Freibadgelände in Dahle nach dem Hochwasser im Juli 2021.
Komplett abgesoffen: Das Altenaer Hallen- und Freibadgelände in Dahle nach dem Hochwasser im Juli 2021. © Klaus Storch DGPh

Seit einem Jahr schon ist das Dahler Hallen- und Freibad wegen den Folgen der Jahrhundertflut geschlossen. Heimische Schwimm- und Wassersportvereine bringt das in Nöte.

Altena – Zwei Bäche in Dahle, die beim Jahrhundertunwetter am 14. Juli 2021 durch die massiven Regenfälle anschwollen, Geröll sowie Schlamm bergab beförderten und regelrecht außer Kontrolle gerieten, haben aus dem Frei- und Hallenbad am Fuße des Mondhahn einen wirtschaftlichen Totalschaden gemacht. Bis heute ist noch unklar, wann dort der Badebetrieb wieder aufgenommen werden kann. Viele Altenaer hoffen seit der Unwetterkatastrophe auf eine zeitnahe Lösung. „Wir wünschen uns, dass es endlich vorangeht. Am liebsten gestern“, bringt es Uwe Beul, Vorsitzender der Ortsgruppe Altena der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), auf den Punkt.

Damit spricht er wohl allen Verantwortlichen der Schwimm- und Wassersportvereine in der Burgstadt aus der Seele. Denn die haben seit einem Jahr keine Trainingsstätte in Altena mehr. „Unser Job ist es, den Kindern das Schwimmen beizubringen“, erklärt Beul. Ein solches Angebot kann der Verein derzeit aber nicht bieten und das bedauert der langjährige Rettungsschwimmer enorm. Das Lehrschwimmbecken der Nachbarstadt Neuenrade, das die DLRG anfangs nutzen konnte, steht inzwischen nicht mehr zur Verfügung. Die einzige Trainingszeit, die die Ortsgruppe anbieten kann, ist freitags im Neuenrader Freibad – allerdings nur für die, die bereits schwimmen können. „Es ist sehr schwierig, Trainingsmöglichkeiten von befreundeten Vereinen zu bekommen“, verdeutlicht Uwe Beul.

In Neuenrade trainiert momentan auch der SC Gut Nass. An zwei Tagen in der Woche können im dortigen Freibad Wettkämpfer und Senioren ihre Bahnen ziehen. Doch: „Die Kinder leiden unter der Situation“, berichtet der Vorsitzende Jörg Beckmann, „wir können ihnen keinen Schwimmunterricht geben und das ist wirklich schlimm“. Er will jetzt den Kontakt zu Bürgermeister Uwe Kober suchen. „Vielleicht hat er ja Beziehungen, damit wir etwas finden, wo die Kleinen schwimmen lernen können.“

Bei befreundeten Vereinen in Iserlohn und Hemer trainiert die SSG Altena. Für Nichtschwimmer geht es nach Balve. Eltern und Trainer übernehmen Hin- und Rückfahrten. „Das ist alles schwierig, viele Eltern können die Fahrerei auch nicht leisten“, sagt Maik Dobrinsky. Noch hat der Schwimmverein wegen der widrigen Umstände keine Austritte zu verzeichnen. „Wir haben die Beiträge für 2022 ausgesetzt“, so der Vorsitzende.

Kein Zutritt: Das Tor zum Schwimmbadgelände ist mit einem Schloss samt dicker Kette versperrt. Denn das Hallen- und Freibad sind seit der Flut im vergangenen Jahr nicht mehr nutzbar.
Kein Zutritt: Das Tor zum Schwimmbadgelände ist mit einem Schloss samt dicker Kette versperrt. Denn das Hallen- und Freibad sind seit der Flut im vergangenen Jahr nicht mehr nutzbar. © AK

Alle haben einen Wunsch: „Dass das Bad so schnell wie möglich wieder öffnet“, unterstreicht Dobrinsky. „Und auf jeden Fall wünschen wir uns mehr Informationen von den Verantwortlichen.“ Er beklagt, dass die Kommunikation zwischen Stadt, Stadtwerken und Vereinen so gut wie gar nicht stattfinde. Auch vom Stadtsportverband gäbe es keine Informationen zum aktuellen Stand. Den müsse er sich selbst besorgen. „Es ist arg dürftig, was da von Stadt und Stadtwerken kommt“, bestätigt Jörg Beckmann. „Es sollte wirklich mehr miteinander geredet werden“, so sein Vorschlag, vor allem im Hinblick auf die Zukunft des Frei- und Hallenbades. „Wir brauchen ein Bad, wo die Bürger schwimmen können. Wir brauchen kein Erlebnisbad.“

Auch Sabine Bender aus dem Vorstandsteam des Altenaer Canu-Vereins fühlt sich irgendwie allein gelassen. Der Verein nutzte bisher während der Wintersaison das Hallenbad. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht, haben keinen Ansprechpartner, Hendrik Voß ist weg und die neue Stadtwerkechefin kennen wir nicht“, macht sie die Lage deutlich.

„Es ist für alle schwer, weil nichts geht. Und die Informationen könnten besser fließen“, meint auch Beatrix Claas. Die Vorsitzende des Fördervereins Frei- und Hallenbad Dahle hat allerdings die neue Stadtwerkechefin bereits persönlich kennengelernt. „Wir haben uns bei Katrin Brenner vorgestellt, ihr unsere Probleme und Wünsche geschildert“, berichtet Claas. So sei der Förderverein natürlich vor allem an einer schnellen Lösung interessiert. Die könne vielleicht erzielt werden, wenn das Hallenbecken mit einer Edelstahlwanne ausgekleidet würde, wie derzeit geprüft werde. Aber da seien ja noch so viele weitere Aspekte zu berücksichtigen. „Am liebsten hätten wir ein neues Bad. Denn die Gelder sind ja da. Arnsberg hat 5,5 Millionen Euro zugesagt“, verdeutlicht sie.

Bei einem Neubau könne vor allem das Thema Energiesparen ganz anders angegangen werden als bei einer Reparatur. Der Förderverein werde auf jeden Fall ein solches Projekt finanziell unterstützen. „Frau Brenner hat uns versprochen, sich dahinter zu klemmen. Im September/Oktober soll ein Workshop stattfinden, bei dem alle Beteiligten Ideen und Wünsche einbringen können.“

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