Frauenunion blickt hinter Marktkulissen: Viele neue Arbeitsplätze geschaffen

Eine Metzgerei, so steril wie ein OP

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300 bis 400 Kilo Fleisch sind täglich vorrätig an der Fleisch- und Wursttheke. Fürs Altenaer Publikum hat André Enste sogar noch eine besondere Investition getätigt und einen Steaker gekauft. „Von ihren Metzgereien waren die Kunden das so gewohnt.“

Altena– André Enste hat sich auf einen kleinen Rundgang eingestellt, doch schon in der Gemüseabteilung des Edeka-Markts kommt die Gruppe kaum weiter. Die Teilnehmerinnen der Supermarkt-Besichtigung, angeregt von der Frauenunion, löchern den Betreiber des neuen Nahversorgungsgeschäfts mit unzähligen Fragen. Nachhaltigkeit ist von großem Interesse.

Die Einweghandschuhe sind nicht mehr nachgefüllt worden. „Das hat keiner vergessen, wir haben das mit Absicht nicht mehr gemacht“, erklärt André Enste. Auch er will unnötigen Plastikmüll vermeiden, hat aber auch Erklärungen dafür, warum das nicht überall geht: „Die in Plastikfolie eingeschweißte Bio-Gurke ist natürlich paradox. Aber im Winter bekommen wir keine anderen.

Bekommt so ein empfindliches Produkt nur fünf Minuten Frost, verfällt es innerhalb von 24 Stunden zu Matsch.“ Wo es lose Alternativen gibt, versucht André Enste sie zu schaffen. Was den Frauen noch fehlt, sind regionale Produkte: Den Sauerländer Apfelsaft würden sie gerne vor Ort kaufen und wenn möglich auch Obst und Gemüse von heimischen Landwirten.

André Enste wurde ordentlich mit Fragen gelöchert von den Mitgliedern der Frauenunion und ihren Gästen.

 „In unserem Markt in Menden haben wir Lieferverträge mit den Bauern aus der Soester Börde. Ich werde mich mal umhören, wer uns hier in Altena beliefern kann“, verspricht Enste. Er betont: „Wir sind noch im Wachsen.“ Längst seien noch nicht alle Möglichkeiten zur Verfeinerung des Angebots ausgelotet. Morgens, wenn der Markt geöffnet werde, habe er auszusehen, wie am Tag der Neueröffnung. Lücken in den Regalen sind nicht akzeptabel, weshalb sich die Besucherinnen fragen, was mit Überschüssen passiert.

„Die gehen zur Lüdenscheider Tafel, aber nicht die Waren aus der Backstation. Die wären nicht mehr genießbar, bis sie die Ausgabe erreichen.“ Einen längeren Stopp legen die Frauen auch an der Fleisch- und Wursttheke ein. Viele bekannte Gesichter arbeiten da und dass André Enste vielen ehemaligen Mitarbeiterinnen aus den geschlossenen Traditionsmetzgereien und dem Toom-Markt Arbeit gegeben hat, wird sehr gelobt. „Gibt’s hier auch Biofleisch?“ „Nur im SB-Bereich“, klären die Männer aus der Metzgerei auf.

Gesetzlich ist es nicht gestattet, die Bio-Ware neben der herkömmlichen in eine Theke zu legen. In den Metzgerei-Bereich dürfen die Frauen nur hineinschauen, aber nicht hineingehen – aus Hygiene-Gründen. „Diese Räume sind so steril, dass ein Chirurg darin operieren könnte“, erklärt André Enste.

Besuch im Technikraum im Obergeschoss, wo die Energie der Kälteanlage aufgefangen und weitergenutzt wird.

Ob er auch Frischfisch anbieten könnte? „Ich würde damit klein anfangen in einer mobilen Theke und mich dann am Einkaufsverhalten orientieren, wie es weitergeht.“ Auch in den Technik- und Verwaltungstrakt lädt der Chef die Frauenunion und ihre Gäste ein.

Durch die verspiegelten Bürofenster ist der Markt von oben einsehbar und André Enste verrät, wie er und seine Mitarbeiterinnen im papierfreien Büro den Überblick übers Warensortiment behalten: „Wenn die kluge Hausfrau von den Fix-Tütchen aus dem Sonderangebot früher zehn Stück gekauft hat, wurde meist nur eins gescannt. Heute laufen alle Strichcodes über das Lesegerät, denn so wissen unsere Computer genau, wie viele Tüten Bolognese, Rouladenwürze und helle Soße noch vorrätig sind. Danach wird auch Ware nachbestellt.“

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