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Frauen auf der Jagd: Der Reiz eines besonderen Hobbys 

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Von: Ilka Kremer

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Leidenschaftliche Jägerin: Jessica Stübner mit ihren beiden Stöberhunden Emil und Ben
Leidenschaftliche Jägerin: Jessica Stübner mit ihren beiden Stöberhunden Emil und Ben. © Ilka Kremer

Die Jagd wird jünger und weiblicher. So die Statistik. Was fasziniert immer mehr Frauen an dem Hobby? Zwei Jägerinnen aus dem MK erzählen es.

Altena – Immer mehr Frauen entdecken die Jagd für sich: Innerhalb eines Jahrzehnts ist der Anteil der weiblichen Jagdprüflinge von 20 (in 2011) auf 28 Prozent (in 2021) gestiegen. Im Durchschnitt sind die Frauen heute 33 Jahre jung. Auch Marion Brockhaus und Jessica Stübner aus Altena gehen zur Jagd – und erklären, was sie an dem Hobby so reizt.

„Mehr Bio geht nicht“, sagt die 31-jährige Jessica Stübner, die im Jahr 2008 die Jägerprüfung mit Erfolg ablegte. Ihren Fleischbedarf deckt sie fast ausschließlich durch Wildbret ab. „Bei mir kommt sogar Rehgehacktes in die Bolognese-Soße“, sagt sie. Schweine- oder Rindfleisch isst sie nicht, Geflügel nur selten.

Regeln beachten und Tier letzte Ehre erweisen

Damit liegt sie voll im Trend derjenigen, die die Jägerausbildung absolvieren. Denn die gesunde fleischliche Ernährung als Motiv ist von Platz vier (in 2011) auf Platz drei vorgerückt. Dass sie dafür Tiere erschießen muss, ist für Jessica Stübner „total normal. Ich bin damit groß geworden und ein Tier selbst zu erlegen, ist mir 1000-mal lieber als Fleisch aus der Massentierhaltung.“

Vor allem aber sei es ihr eine Ehre, dass ein Reh oder ein Wildschwein für sie sein Leben lasse. Waidmännisches Handeln sei dafür natürlich oberstes Gebot. Das bedeutet, nur nach der Zeitenverordnung zu jagen und dem getöteten Tier in Einhaltung der Traditionen die letzte Ehre zu erweisen.

Abolzung nimmt Tieren Schutzraum

Rund 25-mal im Monat zieht Jessica Stübner ihre Jägerklamotten an und schaut in ihrem Revier nach dem Rechten. Jägerin zu sein bedeutet vor allem, sich um die Hege und Pflege der Wildtiere zu kümmern. Immer mit dabei die beiden Deutschen Jagdterrier Emil und Ben.

Denn: „Jagd ohne Hund ist Schund“ lautet eine Jagdweisheit. Im Revier gehe es darum, festzustellen, was die Tiere brauchen. So sei ein Großteil des Lebensraumes durch die massive Abholzung und die Spuren, die die Harvester im Wald hinterlassen, zerstört. „Die Tiere haben kaum mehr natürlichen Schutz, da müssen wir Jäger etwas tun, zum Beispiel einen Wildacker anlegen oder Hecken pflanzen“, erklärt die junge Frau.

Naturverbundenes Umfeld

Auch gehe es darum, kranke Tiere zu finden und sie bei Bedarf von ihrem Leiden zu erlösen. Beispielsweise, wenn den Jägern ein Tier gemeldet wird, das von einem Auto angefahren wurde und verletzt in den Wald geflüchtet ist. „Das spüren die Hunde dann auf.“

Die meiste Zeit ihrer Kindheit und Jugend verbrachte Jessica Stübner bei ihren Großeltern in Großendrescheid sowie bei der befreundeten Familie Tacke in Hallenscheid. Die Menschen um sie herum sind allesamt sehr naturverbunden und von der Jagd fasziniert. Zusammen mit ihrem Vater Erich Stübner ist die junge Frau Pächterin einer Jagd in Halver. „Die beste Apotheke ist der Wald“, meint Jessica Stübner, „er strahlt so viel Ruhe aus.“

Schuss humaner als Schlachthof

Die Natur sei ihr Ventil, ein Ausgleich zum Job als Polizistin im Streifendienst. Sie liebt die Herausforderung. „Ja, stricken ist nicht mein Ding“, erklärt sie mit einem charmanten Lächeln.

Naturmensch: Jägerin Marion Brockhaus aus Altena, hier mit ihrem Jagdhund Jakob, liebt die Natur und Jagd. 1995 legte sie die Jagdprüfung ab.
Naturmensch: Jägerin Marion Brockhaus aus Altena, hier mit ihrem Jagdhund Jakob, liebt die Natur und Jagd. 1995 legte sie die Jagdprüfung ab. © Ilka Kremer

35 Jahre älter als Jessica Stübner ist Marion Brockhaus – und aus den gleichen Beweggründen Jägerin: die Liebe zur Natur, die Faszination der Tiere, die Gemeinschaft unter den Jägern und der Genuss reinen Biofleisches. „Hasen, Rehe und Wildschweine sind ihr ganzes Leben lang im Wald. Ihnen werden keine Antibiotika und Antiparasitika verabreicht“, so Brockhaus. Wildtiere hätten keinen Stress und das Sterben durch den Schuss sei humaner als der im Schlachthof. „Ist das Tier erlegt, verweilt man zunächst andächtig bevor man es aufbricht, um ihm die letzte Ehre zu erweisen.“

Ansitzen in Vollmondnacht fasziniert

Die 66-Jährige ist seit 1995 im Besitz des Jagdscheines, des „grünen Abiturs“, wie sie sagt. Es gilt, viel Wissen über die Tiere, die Natur, die geltenden Gesetze und über den Umgang mit der Waffe zu erlangen. Durch ihren Ehemann Volker kam sie zur Jägerei. Er nahm sie mit auf den Hochsitz, wo sie zunächst nur das Wild beobachtete. „Doch dann hat mich das Fieber gepackt und ich habe den Jagdschein gemacht.“

Heute geht die Rentnerin auch gerne alleine los – in den Abendstunden oder am frühen Morgen. „Das Ansitzen in einer Vollmondnacht oder zu der Zeit, wenn die Natur erwacht, ist so entspannend“, beschreibt sie die schönen Momente. Und gleichzeitig sei es spannend: „Wenn ich Wildschweine höre und beobachte, das ist einfach faszinierend. Sie sind so schlau – Wahnsinn.“

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