Neues Modell der katholischen Kirche

Frau wird erste Pfarrei-Chefin im MK: Die Reaktionen der Katholiken

Sandra Schnell leitet als Pfarrbeauftragte Katholiken in St. Matthäus Altena und Nachrodt
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Sandra Schnell wird als Pfarrbeauftragte die erste Pfarrei im MK leiten.

Ein Ruck geht durch die Pfarrei: Sie bekommt als erste im Bistum Essen eine Frau als Leiterin an die Spitze. Die Katholiken setzen große Hoffnungen in diese Entscheidung.

Ein Ruck geht durch die Pfarrei St. Matthäus. Nach der Entscheidung des Bistums Essen, mit Sandra Schnell erstmals eine Frau als Pfarrbeauftragte – und damit als direkte Nachfolgerin von Pfarrer Ulrich Schmalenbach – mit der Leitung der Pfarrei in Altena und Nachrodt zu beauftragen, gibt es große Hoffnungen und eine Art Aufbruchstimmung unter den rund 5000 Katholiken. Aber auch die Verpflichtung von Pfarrer Johannes Broxtermann aus Lüdenscheid als „moderierenden Priester“ kommt bei vielen Katholiken der Großgemeinde gut an. Eine Stichprobe.

„Ich freue mich, dass wir künftig mit Sandra Schnell eine Frau als neue Verantwortliche in der Pfarrleitung von St. Matthäus haben“, sagt Dietmar Flusche, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes von St. Matthäus. Er habe noch vor wenigen Wochen mit dem Personalreferenten des Bistums, Domkapitular Dr. Kai Reinhold, gesprochen, und ihn eindringlich darauf hingewiesen, dass man sich in Altena in der Nachfolge von Pfarrer Schmalenbach sehr gut eine Frau vorstellen könne.

„Mutiger Schritt“ des Bistums

„Frauen leisten bei uns in Altena derart viel Arbeit in der Gemeinde, ob in der KFD, dem Sozialdienst katholischer Frauen, in Chören, innerhalb der Verbände, wie beispielsweise Kolping, und an weiteren Stellen, da macht eine solche Personalie schon Sinn. Ich begrüße diese Entscheidung ausdrücklich.“ Der 70-Jährige sprach weiter von „einem mutigen Schritt, den die Bistumsleitung jetzt geht“ und kündigte eine konstruktive Mitarbeit mit Sandra Schnell an.

Dietmar Flusche, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes von St. Matthäus.

Dass Pfarrer Johannes Broxtermann als moderierender Priester eingesetzt wird – auch dem kann Flusche viel Positives abgewinnen. Er erinnert daran, dass der Geistliche schon in Altena gewirkt hat, nämlich als Pfarrvikar in der mittlerweile aufgelösten Thomas-Morus-Gemeinde. Der Kontakt zu Altena sei „eigentlich nie abgerissen. Pfarrer Johannes Broxtermann hat immer mal wieder eine Heilige Messe am Ort gefeiert, Trauungen oder Beerdigungen geleitet“, sagt Flusche. Er beschreibt den Priester „als liebenswerten Menschen“.

Modell „in kurzer Zeit umgesetzt“

Positiv bewertet auch Stefan Kemper, Vorsitzender des Katholikenrates Altena-Lüdenscheid und Chef der örtlichen Kolpingsfamilie, die Personalentscheidungen aus Essen. „Ich bin glücklich und zuversichtlich, dass mit Frau Schnell eine gute Lösung für unsere Pfarrei gefunden wurde. Wir alle stehen nun vor der Herausforderung, die Dinge anzupacken und St. Matthäus in die Zukunft zu führen.“ Der Katholikenrat des Kreisdekanats war im Herbst letzten Jahres vom Bistum über die Ideen zu den neuen Leitungsmodellen auf Pfarreiebene informiert worden. „Damals war aber überhaupt nicht erkennbar, dass die Modelle bei uns und in so kurzer Zeit umgesetzt werden könnten“, sagt Stefan Kemper.

Die gewählte Leitungsstruktur ist in Anlehnung an ein Modell im Bistum Osnabrück entwickelt worden. Es komme, erzählt Kemper, unter anderem bereits auf der Nordsee-Insel Juist zum Einsatz. „Dort habe ich vor einigen Jahren die Pfarreibeauftragte Michaela Wachtendorf kennengelernt. Ich hatte den Eindruck, dass sie dort eine sehr gute Arbeit leistet und anerkannt ist.“

„Spannende Herausforderung“

Der Katholikenrats-Vorsitzende freut sich, dass St. Matthäus jetzt mit Sandra Schnell und den Engagierten vor Ort eine gute Lösung für Altena und Nachrodt an den Start bringen kann. „Dies kann beispielhaft fürs gesamte Bistum Essen sein.“ Als Kolpingvorsitzender freue er sich zudem, „dass mit Pfarrer Johannes Broxtermann ein Wegbegleiter aus alter Zeit der neuen Pfarreibeauftragten und uns mit seiner Erfahrung zur Seite stehen wird.“

Marco Schwieren, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats 

„Ganz persönlich freue ich mich sehr darüber , dass bei uns zum ersten Mal überhaupt im Bistum Essen eine Frau das Sagen haben wird.“ So kommentiert Ursula Schöllnershans als Mitglied des Pfarrgemeinderates die Entscheidung. Ebenso wie Christiane Frebel, stellvertretende Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, die sagt: „Die neue Herausforderung mit diesem Duo ist spannend, innovativ und deshalb für mich sehr motivierend.“

„Weg für neue Modelle ebnen“

Dank für die zügige Entscheidung und für die Einbindung der Gemeinde bringt Marco Schwieren zum Ausdruck. Der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats als wichtiges Laiengremium, das besonders für die Unterstützung der Seelsorge in der Gemeinde zuständig ist, sagt: „Ich danke den Verantwortlichen im Bistum, dass sie ihre Zusage eingehalten haben und für eine übergangslose seelsorgerische Betreuung unserer Pfarrei gesorgt haben. Wir werden uns gerne der Herausforderung stellen und als erste Pfarrei im Bistum Essen den Weg für die neuen Modelle ebnen.“

Als Mitglied im Leitungsteam der sich erst kürzlich deutlich verjüngt aufgestellten KFD St. Matthäus sagt Sandra Schwieren: „Die Pfarrei geht einen neuen Weg mit einer Frau als Pfarreileitung. Ein erster Schritt in die richtige Richtung. Ich freue mich diesen neuen Weg mitgehen zu dürfen.“

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