Katholisch verlernt man nicht

Gespräch auf dem Roten Sofa über „U-Boot-Christen“ und Kirchen-Zwitter

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Frank Adler im Gespräch mit Christiane Frebel.

Altena - Mit dem „roten Sofa“ haben der St.Matthäus-Pfarrgemeinderat und die Kolpingsfamilie Altena ein interessantes Format geschaffen. Diesmal nahmen Frank Adler und  Sabine Langenbach darauf Platz, um über ihren Glauben zu sprechen.

Während man Sabine Langenbach als Ex-Moderatorin einer Kirchensendung auf Radio MK und Autorin mehrerer christlich geprägter Bücher kennt, kam die Einladung an den Regionale-Beauftragten des Märkischen Kreises eher überraschend. 

Dabei war das, was er im Gespräch mit Christiane Frebel von sich preisgab, durchaus spannend: Adler ist katholisch. Er wuchs am Breitenhagen auf, wurde in St. Matthäus getauft und ging dort auch zur Kommunion. Ebenso prägend sei aber auch die religiöse Erziehung im evangelischen Kindergarten An den Kiefern gewesen, natürlich habe er mit dem auch den evangelischen Kindergottesdienst besucht. 

"Immer mehr das Verbindende gesehen"

Adler heiratete eine Protestantin, es folgte eine Phase, in der er „U-Boot-Christ“ gewesen sei, wie es Adler formulierte: Zwar gläubig, aber nicht engagiert. Das änderte sich, als der erste Sohn (die Kinder sind evangelisch getauft) zum Konfirmandenunterricht ging: Adler, der inzwischen in Lüdenscheid lebte, interessierte sich für das Gemeindeleben in der dortigen Martinusgemeinde und brachte sich aktiv ein – zum Beispiel als Mitorganisator einer modernen Gottesdienstreihe und von Freizeiten für Paare, die mitten im Leben stehen. 

Einerseits trügen Menschen seines Alters die Gemeinden, andererseits biete Kirche dieser Altersgruppe kaum was an, sagte Adler. „Ich habe immer mehr das Verbindende gesehen“, sagte Adler. Deshalb sei das „evangelische“ Engagement für ihn kein Problem. 

Konvertieren? Das sei für ihn kein Thema: „Ich bin gerne Katholik. Und katholisch sein, das verlernt man nicht“. Übrigens: Was für Außenstehende exotisch klingt, sei gar nicht so ungewöhnlich, sagte Adler: „In der Martinusgemeinde sind auch noch andere Katholiken aktiv“. Freunde und Arbeitskollegen wüssten natürlich, dass er Christ sei, sagte Adler – ansonsten sei das jedoch Privatsache – „einen missionarischen Ansatz habe ich nie gehabt“. 

"Egal, was über der Tür steht"

Das ist bei Stefan Kempers Gesprächspartnerin anders: Sabine Langenbach hat Religion als Moderatorin und Autorin zum Beruf gemacht, auch wenn sie jetzt etwas ganz anderes macht: Die Moderation bei Radio MK hat sie an den Nagel gehängt und kümmert sich jetzt um die Öffentlichkeitsarbeit eines Gerüstbauunternehmens in Roßwein (Sachsen), auf dessen Homepage sie auch als „Herzlichkeitsbeauftragte“ geführt wird. Wie Adler ist auch Langenbach ein „Zwitter“, wie sie selbst es nannte.

Sabine Langenbach wurde von Stefan Kemper interviewt.

Einerseits ist sie Mitglied der evangelischen Landeskirche, andererseits engagiert sie sich in einer freikirchlichen Gemeinde – „mir ist egal, was über der Tür steht“. Im Elternhaus fand keine besondere religiöse Prägung statt, zum Glauben fand sie als Jugendliche beim CVJM.

„Gott sei Dank“, „Gott ist da“ – aus dem schlichten Glaubensverständnis ihrer schwerbehinderten Tochter habe sie viel gelernt, sagte Langenbach. Das hindert sie natürlich nicht daran, sich beim Studium der Bibel auch mit komplexeren Texten zu beschäftigen. Interessant: Oft schreibt sie das Datum neben Bibelstellen, die sie besonders interessieren. 

So könne sie gut nachverfolgen, was sie wann besonders angesprochen habe – „Glaube ist ja nichts Statisches“. Im Gegensatz zu Adler steht Langenbach auch für eine offensive Verkündigung: Kirche dürfe nicht warten, bis die Menschen zu ihr kämen, sondern müsse dahin gehen, wo die Menschen seien, sagte sie und berichtete ihren Zuhörern von einem Gottesdienst in einem Fitnessstudio.

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