„Pflanzeit-Fenster“ wird immer kleiner

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Bei Aufforstungen wie hier nach dem Orkan Kyrill kommen meistens wurzelnackte Pflanzen in die Erde. Unter den derzeitigen Bedingungen birgt das Probleme.

ALTENA ▪ Dauerfrost oder zuletzt immer wieder Nachtfrost geht nicht nur auf die Heizkostenabrechnung, sondern schlägt auch aufs Gemüt. Und er gibt den Forstleuten zu denken. Das bestätigt Christoph Grüner, Sprecher der Pressestelle des Landesbetriebes Wald und Holz in Arnsberg.

In den letzten Jahren sei es zu beobachten gewesen, dass das „Pflanzeit-Fenster“ zusehends schmaler geworden sei. Gemeint ist die Phase zwischen dem Ende des Frostes und dem Einsetzen der Vegetationsperiode. Nur in diesem meist ohnehin relativ kurzen Zeitraum lasse sich in den heimischen Wäldern unter Optimalbedingungen pflanzen. Und da wird jetzt die Zeit knapp. Ein Nachdenken über andere Wege und Alternativen habe begonnen, sagt Grüner.

„Das Frühjahr ist natürlich die klassische Pflanzzeit“, so der Sprecher von Wald und Holz. Üblicherweise würden im heimischen Raum „wurzelnackte“ Pflanzen gesetzt, also solche ohne Ballen. Setze die Vegetationsperiode ein, müssten die Pflanzen alle Energie auf den Aufsprung der Knospen und das „Ausschieben“ des Laubes verwenden. „Das kostet dann Kraft“, erklärt Grüner. Die Forstleute streben es deshalb an, neue Pflanzen so zu setzen , dass diese sich vor der Vegetationsperiode etwas akklimatisieren und an den neuen Standort gewöhnen können. „Wenn dazu die Zeit fehlt, ist der Anwuchserfolg gefährdet“, sagt Grüner. Idealerweise pflanze man bei neblig- feuchtem Wetter. „Geschieht das Pflanzen in der Frühjahrssonne, dann drohen Trockenschäden, bevor der Baum überhaupt in der Erde ist.

Als Alternative könnten sich Herbstpflanzungen anbieten, berichtet der Wald-und-Holz-Sprecher. Das sei aber zugleich die Haupteinschlagszeit, und damit kämen dann auf die Waldbauern und Forstbetriebe zwei Arbeitsspitzen gleichzeitig zu.

Ein anderer möglicher Lösungweg steckt hinter dem Stichwort „Containerpflanzen“. Diese würden von der Baumschule in einem abbaubaren „Topf“ und mit etwas Erdreich geliefert. „Solche Pflanzen bringen gewissermaßen etwas Puffer mit“, erläutert Grüner. Einen gewissen Nachteil habe dieses System aber auch: Containerpflanzen seien meist kleiner.

Der Landesbetrieb Wald und Holz NRW gliedert sich in 14 Regionalforstämter, das Nationalparkforstamt Eifel sowie das Lehr- und Versuchsforstamt Arnsberger Wald. Vor Ort ist das Regionalforstamt Lüdenscheid zuständig. Eine landesweit flächendeckende Präsenz gewährleisten die Försterinnen und Förster in den Revieren vor Ort.

Der vorrangige Auftrag von Wald und Holz NRW ist laut Selbstauskunft „die nachhaltige Sicherung und Entwicklung der Waldfunktion“, die Bewirtschaftung des Staatswaldes sowie die Wahrnehmung forstlicher Dienstleistungen – zum Beispiel die Betreuung der Waldbesitzer bei der Bewirtschaftung. Hinzu kommen die Forstaufsicht (Betretungsrecht, Brandschutz), die Durchführung forst- und holzwirtschaftlicher Programme – etwa zur Förderung der stofflichen und energetischen Holznutzung– sowie die Aufklärung der Öffentlichkeit über Forstthemen. ▪ Thomas Keim

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