Forscher berechnen Auswirkungen des Klimawandels auf Altena

So warm wie in Äthiopien

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Mehr Regen bedeutet auch mehr Hochwasser: Die Klimaforscher halten es für möglich, dass der jährliche Niederschlag in Altena von jetzt 844 auf über 1000 Liter steigen könnte.  

Altena -  Die Weltklimakonferenz im polnischen Katowicze hat nach Wegen gesucht, die Erderwärmung bis 2080 deutlich zu beschränken. Passiert nichts, so halten Fachleute den Anstieg der weltweiten Temperatur um 1,8 Grad Celcius oder sogar um 4,2 Grad Celcius für möglich. Was würde das für Altena bedeuten?

Die Antwort: Das Klima in Altena würde sich spürbar verändern. Einen Blick in die mögliche, klimatische Zukunft der Stadt gewährt Mbeya in Tansania schon jetzt: Die Kommune in Ostafrika wäre dann das sogenannte Altenaer Klimadoppel. Sollte sich die globale Durchschnittstemperatur bis 2080 um 4,2 Grad Celsius erhöhen – im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter – könnte es in der Burgstadt so aussehen, wie in Mbeya heute. Das legen die aktuellen Prognosen des Weltklimarates IPCC nahe. Die Heizkosten dürften sinken. Zwar gibt es auf der Internetseite 23degrees.io keine Angabe zu den Heiztagen, also Tagen, an denen in Mbeya die Heizung angestellt würde, aber signifikant ist ein Anstieg der „Kühltage“, an denen eine Klimaanlage zum Einsatz käme. Altena bringt es derzeit bei einer durchschnittlichen Tageshöchsttemperatur von 22 Grad im wärmsten Monat auf 267 Heiztage im Jahr. Kühltage gibt es dagegen nur 38. Nach den Berechnungen des Weltklimarates IPCC stiege die Zahl der Kühltage signifikant: auf 282.

Deutlich mehr Niederschlag

 Es gäbe deutlich mehr Niederschlag: Die Regenmenge pro Jahr liegt in der Burgstadt derzeit bei 844 Litern pro Quadratmeter. Sie würde bei einer Erwärmung um 4,2 Grad auf 1017 Liter steigen. Änderungen stünden auch in der Pflanzenwelt ins Haus. Legen die Klimaforscher derzeit 268 Vegetationstage in Altena zugrunde, so würde sich die Vegetationsperiode auf ein ganzes Jahr ausdehnen: 365 Tage. Das Sauerland dürfte seinen Ruf als regenreiche Region also nicht verlieren. Weniger drastisch erscheint auf den ersten Blick eine globale Erwärmung um „nur“ 1,8 Grad Celsius. Bei diesem Szenario befindet sich das Altenaer Klimadoppel ebenfalls auf dem afrikanischen Kontinent. Diesmal ist es Debre Birhan in Äthiopien, ebenfalls ostafrikanisch, aber nördlicher gelegen als Tansania. Der leichtere, weltweite Temperaturanstieg hätte wohl dennoch gravierende Auswirkungen auf die heimische Region. So würde die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur im wärmsten Monat um knapp zwei Grad auf von 22 auf 23,8 Grad Celsius steigen. Die jährliche Regenmenge würde sich von 844 Liter auf 962 Liter erhöhen, während die Zahl der Tage, an denen die Klimaanlage eingeschaltet werden könnte, sich interessanterweise reduziert. Statt 38 „Kühltagen“ gäbe es nach den IPCC-Prognosen dann nur noch 12. Die Auswirkungen auf die Vegetationsperiode sind ähnlich wie beim 4,2-Grad-Szenario. Statt 268 Tagen mit Pflanzenwachstum gäbe es dann wiederum 365 Tage. Die Zahl der Heiztage wird am Beispiel Debre Birhan jedoch zumindest in der Prognose vergleichbar. Sind es jetzt 267 Tage, bliebe es im Jahr 2080 bei 250 Heiztagen, gute zwei Wochen weniger.

Zwei Wochen weniger heizen

Kaum zu kalkulieren wären dabei wohl die weiteren Auswirkungen der klimatischen Veränderungen; Stichworte Erdrutsche und Hochwasser-Probleme. Die heimische Fauna würde wohl stark ihr Gesicht verändern: Pflanzen, die sich den neuen Bedingungen nicht schnell genug anpassen können, könnten verschwinden. Und dies hätte wiederum auch Auswirkungen auf die heimische Tierwelt. Im Rahmen der letzten Klimakonferenz hatten sich die beteiligten Staaten darauf geeinigt, die maximale Erderwärmung auf zwei Grad Celsius bis 2080 zu beschränken. Das Rechenmodell des Weltklimarates zeigt, welche Auswirkungen der weltweite Klimawandel im Kleinen haben würde. Denn die globale Erwärmung findet nicht in weit entfernten Gebieten statt, sondern auch ganz konkret vor der Haustür. Dem Klimadoppel-Szenario liegen Daten des Weltklimarates IPCC zugrunde. Auf dieser Grundlage haben Forscher Prognosen künftiger Temperaturentwicklungen angestellt. Es handelt sich dabei natürlich um Rechenmodelle. Die konkreten Veränderungen können davon abweichen. Auf der Basis der Klimamodelle wurde für alle deutschen Städte sowie viele weitere Städte auf der ganzen Welt jeweils ein Referenzort ermittelt: Dort ist die heutige Temperatur vergleichbar mit dem, was den Berechnungen zufolge hierzulande im Jahr 2080 Realität werden könnte.

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