Hohe Hürden für die Pinsk-Hilfe

Viele Dinge des täglichen Bedarfs landen in den Paketen. In Pinsk sind sie kaum erschwinglich

Altena  - Für deutsche Konsumenten mag es befremdlich sein, doch in Pinsk sind Waren wie Waschmittel und Seife aus der Bundesrepublik ein ganz begehrtes Gut. Olga Günzel weiß auch, warum: „Diese Waren sind in Weißrussland teuer, aber minderwertig.“ Deshalb sind viele Pakete für den Hilfstransport mit diesen Gütern bestückt worden.

Waschmittel gibt es in Altenas weißrussischer Partnerstadt natürlich auch, doch um zu sparen, strecken die Hersteller es mit Sand. „Das ist nicht nur ärgerlich, sondern macht auch die Waschmaschine kaputt“, erklärt Olga Günzel. Einen Rentner, der nach 45 Arbeitsjahren 120 Euro vom Staat bekommt, können solche Investitionen in den Ruin treiben.

Waschmittel und Produkte zur Körperpflege sind zum Glück nicht auf der neusten Verbotsliste der Einfuhrbestimmungen. Olga Günzel und ihr Mann haben sie genau studiert und sich informiert, wie welche Pakete zu packen sind. Neuste behördliche Anordnung ist die separate Kennzeichnung von Hilfsmitteln wie Krücken. „Früher konnten wir in so eine Kiste auch einen Stockschirm packen, auf den sich eine alte Frau stützen konnte. Das geht nicht, weil alle Hilfsmittel jetzt einer gesonderten amtlichen Prüfung unterzogen werden, bevor sie an die Hilfsbedürftigen weitergegeben werden.

Auch Lebensmittel stehen nun auf der Verbotsliste. „Die Kinder haben sich doch grade zur Weihnachtszeit auf einen Schokonikolaus gefreut. Aber die Regierung will, dass Güter, die vor Ort zu haben sind, auch dort gekauft werden. Leuten mit Bekannten in Pinsk raten wir deshalb, Geld zu schicken. Natürlich privat überbracht, denn von jeder Überweisung kassiert der Präsident 30 Prozent ein ...“ seufzt Ulla Klüppel als Motor im Spendenlager.

Trotzdem haben sich alle in ihrem Team entschieden, Freitag einen Hilfstransport in die Partnerstadt auf den Weg zu schicken. Adressat ist der große Behindertenverein in Pinsk, der sich um die Verteilung der allgemeinen Spenden und Komplettpakete für Privathaushalte kümmert. Er mietet dafür extra ein Lager an, die Regierung stellt Soldaten zum Ausladen des Lkws. Liegt am Liefertag zu viel Schnee, dann verteuert sich die Lagermiete durch die angefallene Verzögerung.

Trotz all der Mühe werden die Hilfsgüter der Altenaer dringend benötigt. Der Winter in Weißrussland steht bevor. Viele Pinsker hoffen auf warme Kleidung und feste Schuhe. 

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