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Fünf Monate Leben in der Garage: Ehepaar im MK kann Weihnachten im Warmen feiern

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Von: Maximilian Birke, Susanne Fischer-Bolz

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Im Obergeschoss ihres Hauses haben sie die Nowaks ein Zimmer hergerichtet. © Birke, Maximilian

Es gibt es tatsächlich, das Weihnachtswunder. Elfi und Waldemar Nowak dürfen es erleben. Heiligabend können sie in ihrem Wohnzimmer sein. Mit einem Tannenbaum und einem Weihnachtsessen. Was für die meisten Menschen selbstverständlich ist, mutet an der Grabenstraße fast wie Zauberei an. Denn Elfi und Waldemar Nowak leben seit der Flutkatastrophe mehr oder weniger in ihrer Garage.

Altena - Der 14. Juli 2021: „Dieses Datum vergesse ich meinen Lebtag nicht“, sagt Elfi Nowak. Für sie und ihren Ehemann Waldemar hat das Flutdrama alles verändert. „Ich habe noch versucht, mit Handtüchern das Wasser draußen zu halten“, erinnert sich Elfi Nowak. Am Ende stand es aber mehr als hüfthoch im Haus. Es kam nicht nur von außen, sondern drückte auch durch die völlig überlasteten Kanäle nach oben, lief unter anderem aus der Toilette. „Das war wirklich kein schöner Anblick“, sagt Elfi Nowak. „Und irgendwann ging es einfach nicht mehr. Ich habe allen Bescheid gesagt und die Tiere genommen. Dann sind wir in Richtung Sportplatz gelaufen.“

Ein Bild der Zerstörung

Seit diesem traumatischen Ereignis sind mehr als fünf Monate vergangen. Die Flut hinterließ ein Bild der Zerstörung: Wände hatten sich vollgesogen, das Parkett war hochgekommen, Möbel und Geräte wurden zerstört. Ein verlegter Teppichboden war durch das Wasser derart schwer, dass er nur mit den vereinten Kräften von vier Helfern aus dem Haus getragen werden konnte. „Wir mussten die Möbel rausschleppen und alles rausreißen. Es ist gar nichts übrig geblieben, alles ist weg“, erzählt die tapfere Altenaerin, die trotz des Desasters nie den Mut verlor. Eine kleine Ewigkeit wohnte das Ehepaar in einer ungeheizten Garage. Handwerker mussten her, um Boden, Wände und Leitungen wieder herzustellen. Inzwischen hat das Haus eine neue Heizung erhalten.

Die obere Etage ist weitgehend bewohnbar. In einem kleinen Raum haben sich Waldemar und Elfi einen Fernseher und eine Couch aufgebaut. Auf einem Seitenschrank steht ein Adventskalender. „Ein bisschen Weihnachten muss sein. Ich habe schon überlegt, einen Weihnachtsbaum draußen auf der Garage aufzustellen“, sagt Elfi Nowak und kann es kaum fassen, dass es jetzt sogar ein richtiges Wohnzimmer mit Tannenbaum gibt.

Rettung kommt aus Neuenrade

Die Wohnzimmer-Retter heißen Hubert Dudek, Christian Kloska, Uwe Degenhardt und Peter Hofmann. Die vier Freunde aus Neuenrade hatten sich nach einem Aufruf von Christiane Haupt in den sozialen Medien gemeldet und sind seit eineinhalb Wochen täglich vor Ort.

„Wir hätten einfach nicht Weihnachten bei unserer Tochter feiern können mit dem Gedanken, dass Elfi und Waldemar in ihrer Garage sitzen“, sagt Christiane Haupt. Unter Anleitung von Ralf Tigges wurde nun das Wohnzimmer, das tatsächlich von der Decke bis zum Boden zerstört war, wieder hergerichtet. Sogar ein Torbogen, den Elfi Nowak sich so sehr gewünscht hat, wurde gebaut. „Wir haben die Decke mit Dachlatten und Dämmung versehen und ausgerichtet und Rigipsplatten angebracht. Das ist ja ein spezielles Haus, da gibt es keine gerade Wand“, erzählt Peter Hofmann, der erschrocken war, als er das erste Mal das zerstörte Haus betrat.

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Sie sanierten anderthalb Wochen lang das Wohnzimmer des Ehepaares. © Privat

Kurz vor Heiligabend wurde noch Teppich verlegt und dann kam ein Sofa, das Peter Homann von Möbel Sauerland abholen durfte – eine Spende. Und so kommt eine gute Sache nach der nächsten. Die Firma Steinmann spendet den Weihnachtsbaum. Ständer, Lichterketten und Baumschmuck gibt es vom Stellwerk. Ein Weihnachtsessen hat Christiane Haupt für die Nowaks im Haus Mayweg bestellt.

Waldemar und Elfi Nowak dürfen nun etwas durchatmen. Und das ist auch dringend nötig. „Am Anfang war ich fix und fertig. Ich dachte, das schaffen wir nie. Nie und nimmer, nicht mehr in unserem Alter“, sagt Elfi Nowak. Sie selbst ist 62 Jahre alt, ihr Mann 63 Jahre.

Es bleibt viel Arbeit übrig

Die lange Liste an Aufgaben hat bislang kein Ende gefunden. „Es ist einfach zu viel. Das war es schon zu viel, als das Wasser hier rein kam.“ Auch, wenn jetzt ein großer Schritt nach vorn geschafft ist, bleibt noch so viel Arbeit übrig. „Aber Handwerker sind schwer zu bekommen, sie sind voll mit Aufträgen. Da wäre es gut, wenn es noch mehr Rentner-Trupps wie uns geben würde“, sagt Peter Hofmann. Doch Elfi und Waldemar sind jetzt schon dankbar – für die große Unterstützung – und für die neue Heizung. So ist es jetzt warm in Nowaks Haus. Ein Luxus, den es lange nicht gab.

„Bei den vielen Leuten, die man immer um sich herum hat, fühlt man sich manchmal richtig fremd im eigenen Haus“, sagt Waldemar Nowak und bedauert, dass er aus gesundheitlichen Gründen selbst nicht viel anpacken darf. „Das nervt. Man muss viel Geduld haben.“

Ehreanamt ist unbezahlbar

In der Haushälfte, die Nowaks selbst bewohnen, muss vor allem im Untergeschoss noch viel geschehen. Gekocht wird noch immer in der Garage. Auf zwei Platten. „Schlimm ist, dass wir immer noch auf das Geld vom Land warten“, sagt Elfi Nowak. Dass viele Handwerker schon bezahlt werden konnten, ist Christiane Haupt und Nicole Güldner zu verdanken. Und die ehrenamtliche Arbeit vieler Menschen ist ohnehin unbezahlbar. Deshalb ist es Elfi und Waldemar Nowak wichtig, ihren vielen Helfern einmal Danke zu sagen. Sie richten sich vor allem an Manfred und Christiane Haupt, Nicole Güldner und die vielen Menschen, die durch Spendengelder viel geholfen haben. Genauso denken sie dieser Tage an die verschiedenen Handwerker: „Die Arbeiter waren teilweise auch am Wochenende hier und haben in ihrer Freizeit weitergemacht. Alle waren sehr nett und es gab nie Schwierigkeiten, obwohl die Nerven oft blank lagen“, sagt Elfi Nowak. Besonderen Dank richten die Altenaer auch an ihren Sohn Andre, seinen Lebensgefährten Tony Lehmann und dessen Schwester. „Sie sind gekommen, um zu helfen, obwohl sie voll in ihrem Studium stecken“, erzählt Elfi Nowak.

Für sie und ihren Mann findet ein ereignisreiches Jahr nun sein Ende. Herausforderungen gibt es noch viele, aber ein Zwischenziel ist geschafft: Weihnachten kann im Warmen gefeiert werden und im gemütlichen Ambiente. „Und im nächstem Jahr wird dann auch der Rest etwas werden.“

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